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Re (Ra)

Re. Quelle: Anja Semling

Der wichtigste Sonnengott, Schöpfergott von Heliopolis, »Auge des Re«


Hieroglyphen

Hieroglyphen für den Namen: Re (Ra)


Ikonographie

Ikonographie und Verkörperung

  • Dargestellt wird Re oft in Menschengestalt mit Falkenkopf und Sonnenscheibe als Re-Harachte, mit Menschenkopf und Bart als Re-Atum oder als Chepri in Erscheinung des Skarabäus-Käfers.
  • Re erscheint auch in Kombination mit verschiedenen Gottheiten wie:
    Amun-Re, Re-Atum, Sobek-Re, Chnum-Re.
  • Der Sonnengott wird auch als »Auge des Re« bezeichnet.
  • Rait-taui (od. Rait) = weiblicher Aspekt des Sonnengottes.
  • Hauptkultort: Heliopolis.


In seiner koptischen Form ist 'Re' das ägyptische Wort für 'Sonne'. Diese Form übernahmen auch die Griechen; mit der Nebenform Ra (in unbetonter Silbe)

Eine kultische Verehrung erfuhr die Sonne als kosmische und allumfassende Macht an-sich, im alten Ägypten nicht; wie es z.B. die Göttin Bastet in Bubastis oder der Götterkönig Amun in Karnak erfuhren. Eine Kultstätte hatte Re aber trotzdem und zwar schon sehr früh in der Stadt Iunu – griech. Heliopolis = "Stadt der Sonne". In Heliopolis wurde der Gott Harachte zum Sonnengott unter dem Namen Re-Harachte (Re-Harachte ist eine Erscheinungsform des Re. Harachte bedeutet: Horus am Horizont) und somit zu einem der bedeutendsten Götter im alten Ägypten überhaupt.
Iunu lag im 13. unterägyptischen Gau im sog. Delta. Nie war Iunu das politische Zentrum oder hat in geschichtlicher Zeit eine politische Rolle gespielt. Iunu hat aber stets aufgrund seines tiefgreifenden Einfußes seiner Theologie sein Ansehen als religiöse Stätte behauptet. Viel Zeitzeugen in Form von Bauten sind von der Stadt Iunu leider nicht erhalten geblieben.

Abb. oben: Re-Harachte (= "Re-Horus am Horizont"). Detail auf einer Totenstele.


Mythologie des Re

Zu Anfang der Welt herrschten Götter als Könige
Der Mythologie der Ägypter nach, war Re der erste König auf Erden und zog sich später in den Himmel zurück.

Die Vernichtung des Menschengeschlechts und die Erschaffung des Himmels:

Es geschah also, dass Re erstrahlte,
der Gott, der von selbst entstanden ist,
nachdem er das Königsamt bekleidet hatte
als Menschen und Götter noch vereint waren.

Da ersannen die Menschen Anschläge auf Re,
denn Seine Majestät war alt geworden.
Seine Knochen waren Silber, seine Glieder Gold,
und sein Haar war echter Lapislazuli.

Da erkannte Seine Majestät die Anschläge,
die die Menschen gegen ihn im Sinne hatten.

Es sprach Seine Majestät zu seinem Gefolge:
»Ruft mir doch mein Auge,
und Schu und Tefnut, Geb und Nut,
samt den Vätern und den Müttern, die bei mir waren,
als ich mich noch im Urelement, dem Nun, befand.
Dazu ruft noch meinen Gott, den Nun,
und er soll seinen Hofstaat mit sich bringen.
Aber hol sie heimlich, damit die Menschen sie nicht erblicken
und dass ihre Herzen nicht fliehen.
Komm mit ihnen zum Palast,
damit sie ihren trefflichen Rat vortragen
und ich wieder in den Nun zurückkehren kann,
dorthin, wo ich entstanden bin.«

Diese Götter wurden sogleich herbeigeholt,
und die Götter reihten sich zu seinen beiden Seiten auf,
Die Stirn auf dem Boden vor Seiner Majestät,
damit er seine Sache darlege vor dem Urvater (Nun),
der die Menschen geschaffen hat,
dem König des Volkes.


Der Sonnengott Re (oder auch der »Gott der Sonne«) galt den Ägyptern zu allen Zeiten als oberster und wichtigster Gott, denn durch das Wirken seiner Kraft ermöglichte er überhaupt erst das Leben auf der Erde und ließ es fortbestehen.

Der Gott, der aus sich selbst entstanden ist, ging auf als Sonne, er ist kein Symbol, sondern ein sichtbarer Begriff und war anfangs ein kosmischer Urgott. Später wurde er Sonnengott und stand als Atum an der Spitze der großen Neunheit.

Seit König Chefren (4. Dynastie) nennen sich alle Könige »Sohn des Re«. Und bedeutende Götter suchten und fanden Beziehungen zum mächtigen und stets sichtbaren Sonnengott und hießen fortan Sobek-»Re«, »Chnum-Re« usw. und vor allem »Amun-Re« in Theben, der so zum Reichsgott und obersten aller Götter aufsteigen konnte. In einer Sonnenbarke fährt Re täglich über den Himmel verwandelt als jugendlicher Chepri frühmorgens über den "Mann" Re in der Mittagszeit bis hin zum Greis Atum am Abend. Nachts fährt er in der Nachtbarke durch die Unterwelt, so ist er auch Totengott, bis zum Erscheinen am nächsten Morgen.

Abb. links: der Gott Re-Harachte; Deir el-Bahari
(Foto: Carmen Wolfram)


Maat als seine Tochter repräsentiert seine oberste Gerichtsbarkeit. Seine Heiligtümer sind die Obelisken und die Sonnenheiligtümer. In Heliopolis war der Obelisk des Re-Tempels an der vermeintlichen Stelle des Urhügels der Mittelpunkt des gesamten Heiligtums.

Durch die Blütezeit des Alten Reiches, vollzieht sich ein stetiger Bedeutungsanstieg des Sonnengottes Re. Die Könige der 4. Dynastie und ihre Nachkommen tragen zum großen Teil mit Re gebildete Namen, passen den Grundriss ihrer Totentempel dem Lauf des Sonnengottes durch die Stunden des Tages und der Nacht an und verstehen sich seit Djedefre, dem Nachfolger des Cheops, in ihrem königlichen Amt als "Sohn des Re". Verehrt wir Re seit der 5. Dynastie in Heliopolis dem theologischen Zentrum des Alten Reiches.

Die drei wesentlichen Erscheinungsformen von Re

  • Als Chepri: Gott der aufgehenden Sonne am Morgen. (Abb. rechts)
  • Als Re-Harachte: Gott der strahlenden Sonne am Mittag.
  • Als Atum: Gott der untergehenden Sonne am Abend.

Re in der Unterwelt

Der Lauf der Sonne erstreckt sich von Hinabstieg in die Tiefe (Unterwelt) und triumphaler Wiederkehr in verjüngter Gestalt. Im nächtlichen Sonnenlauf erfährt der Sonnengott Re eine Verwandlung, Erneuerung, Verjüngung, Neugeburt. Dies gilt auch analog für alle anderen "Lebewesen" in der Unterwelt sowie selbstverständlich für den verstorbenen König. Der König vollzieht den Lauf des Sonnengottes nach, um den Tod zu überwinden. Re erhellt mit seinem Licht die Unterwelt und Re vereint sich mit Osiris dem Herrscher der Toten – diese Vereinigung ist das große Mysterium dieser nächtlichen Fahrt.

Die Verstorbenen begleiten Re auf seinem Sonnenschiff, das sie durch die Räume des Jenseits dahinträgt. Auch gab es für die Sterblichen Totenbuch-Sprüche, die den "Einstieg in das Sonnenschiff" sicherten. In dieser »Barke der Millionen« sollten alle seligen Verstorbenen mitfahren.

Abb. links: Re in der Unterwelt erweckt Osiris. Licht überflutet Osiris. (Grafik n. Hornung)


Wie schon erwähnt, findet in der Unterwelt eine Vereinigung von Re und Osiris statt, das Mysterium. Durch die Unterweltsfahrt des Re bringt dieser Osiris Hilfe, welcher permanent in seiner Todesmattigkeit gefährdet ist und von Feinden (allen voran "Apophis") bedroht wird. Osiris aber spendet in seinem Königreich der Tiefe Nahrung und Atemluft. Re geleitet durch seine Sonnenstrahlen in den Leib des Osiris, der sein eigener Körper und zugleich Osiris ist. In diesem Bild ist der komplexe Vorstellungskreis des Wiederauflebens dargestellt.

Litanei des Re: Die aus der 18. Dynastie stammende zweiteilige Sonnenlitanei feiert den Sonnengott Re in 75 verschiedenen Gestalten und preist obendrein den mit dieser und anderen Gottheiten vereinten König. Dieses Werk erscheint zuerst auf Pfeilern der Grabkammer Thutmosis' III. und wurde von der Zeit Sethos' I. an in den Eingängen der meisten Gräber verwendet.

Ein Hymnus an Re – aus dem Ägyptischen Totenbuch

Sei mir gegrüßt, o Ra!
Über dem Horizonte, gleich Tum, steigest du auf,
Und gleich Horus-Khuti erreichst du die Höhe am Himmel.
Wenn du segelst in deiner göttlichen Barke,
Mein Körper auf Erden badet im Licht deiner Strahlen.
Am Anblick deiner göttlichen Schöne erfreut sich mein Auge,
Herrschet der Friede im unermeßlichen Himmel.
Sieh, der Wind bläht deine Segel und erfreuet das Herz.
Mit mächtigen Schritten durchläuftst du die Weiten;
Deine Feinde liegen am Boden gestreckt;
Frieden im Himmel herrscht.
Die Planetengeister kreisend um dich
Singen dir Ruhm;
Und wenn du hinter den Bergen des Westens
Am Horizonte hinabsteigst,
Der Fixsterne schützende Geister
Neigen sich vor dir und beten dich an.
Deine Schönheit ist groß
In der Morgendämmerung, am Abend.
Du, Herr des Weltenlebens, der Weltenordnung,
sei mir gegrüßt, o Ra, wenn du am Horizonte aufsteigst,
Wenn du am Abend, Tum ähnlich, zur Ruhe gehst.
denn wahrlich, sie sind schön, deine Strahlen,
Wenn auf der Höhe des Himmelsgewölbes
Du vorbeiziehst in all deiner Herrlichkeit.
Die Göttin Nut, die dich geboren,
Weilt dort.
Gekrönt bist du zum König der Götter;
Und Nut, deine Mutter, die Göttin des himmlischen Meeres,
Sie neigt sich vor dir und betet dich an.
Weltenordnung und Weltharmonie
Strahlen aus dir.
Vom Morgen, da du emporsteigst, bis zum Abend,
Da du zur Ruhe gehst,
Mit mächtigen Schritten durchziehst du den Himmel.
Vor Freude dein Herz überquillt,
Und tief ist der Friede des himmlischen Sees.
gestürzt ist der Dämon!
Abgehauen die Glieder, gebrochen die Wirbel!
Zum Hafen treiben
Die segenbringenden Winde dein Schiff ...
Die Götter im Westen und Süden, im Osten und Norden
Beten dich an.
Du, göttliches Ursein, aus dir
Entsprungen des Dasein Formen und Wesen ...
Sieh nun, o Herr! Dein Mund läßt ertönen ein Wort,
Und schweigend lauscht dir die Erde.
Du einziger Gott! Du glänztest am Himmel
In urferner Vergangenheit, wo die Erde
Und ihre mächtigen Bergesketten,
Noch nicht geschaffen ...
Du, der Schnell-Laufende! Du der Herrscher, der Einzige!
Du der Schöpfer alles Wesens und Webens!
Am Zeitenanbruch
Schufst du der himmlischen Götter Zunge.
Aus dem Urmeer
Hobst du empor die Wesen
Und rettetest sie auf die Meeres-Insel des Horus ...
Könnt ich atmen die Luft, die dich erfüllt
Und den erfrischenden Nordwind genießen,
Welchen Nut, deine Mutter, dir bringt!
O Ra, meinen Geist segne in Gnaden!
Osiris gib meiner Seele ihr göttliches Wesen zurück!
Sei mir gegrüßet, du Götterherrscher!
Sei geprießen dein Name,
Du, Schöpfer der herrlichen Werke!
Mit deinen Strahlen beleuchtet, o Gott,
Meinen Körper, der, in der Erde verscharrt,
Ruhet in Ewigkeiten! ...

(Übersetzung von G. Kolpaktchy)



Götter und Göttinnen im alten Ägypten

Amun
Anubis
Anuket
Apis
Apophis
Aton
Atum
Bastet
Bes
Chnum
Chons

Geb
Hapi
Hathor
Horus
Imhotep
Isis
Maat
Min
Month
Mut
Nechbet

Nefertem
Neith
Nephthys
Nun
Nut
Osiris
Ptah
Re
Serapis
Schu
Sachmet

Selket
Seschat
Seth
Sobek
Tefnut
Thot
Toeris
Upuaut
Wadjet
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