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Religion & Glaube > Mumien

Mumien im alten Ägypten

In der altägyptischen Mythologie ist der Unterweltsgott Osiris die erste Mumie »Erster der Westlichen«

vergoldeter menschengestaltiger Sarg

Allgemein nennt man »Mumie« einen durch natürliche Austrocknung oder durch künstliche Mittel vor der Verwesung bewahrten Leichnam. Das Wort Mumie kommt aus dem Arabischen »mumiya« was von dem Wort Bitumen abgeleitet wird, was schwärzliches(*) Erdpech bedeutet. Bitumen ist ein in der Natur vor kommendes Kohlenwasserstoff Produkt; dieser Stoff war aber nicht jener mit denen die toten Körper der Ägypter behandelt wurden; jedenfalls nicht in den klassischen Perioden.

Abb. links: vergoldeter menschengestaltiger Sarg
British Museum, London (Foto: Anja Semling)


Die ältesten natürlichen ägyptischen Mumien stammen aus dem 5./4. Jahrtausend v.Chr. (prädynastische Zeit). Damals legte man Gräber als Gruben im trockenen Wüstensand an, der zusammen mit den im Sand selbst vorhandenen Salzen eine rasche Austrocknung von Leichen bewirkte. Diese natürlichen Mumien (Naturmumien, Abb. weiter unten) sind noch heute gut erhalten geblieben.

Nach der Osiris-Legende, herrschte einst Seth über die Wüste und Osiris über das Niltal. Aus Neid tötete Seth seinen Bruder Osiris. Er zerstückelte Osiris' Körper, woraufhin Isis, Osiris' Gemahlin, ihn mit ihren magischen Kräften wieder zusammensetzte und belebte. Beider Sohn Horus wurde gezeugt. Mit Hilfe von Anubis bandagierte Isis den Körper von Osiris. Somit schaffte es Osiris ins Jenseits durch die Überwindung des Todes zu gelangen um dort weiterzuleben, und über die Toten zu herrschen. Durch seine Überwindung des irdischen Todes wurde Osiris zum Symbol des Fortlebens in der jenseitigen Welt.

Gleiches taten die alten Ägypter; sie mumifizierten und bandagierten ihre Körper nach dem Ableben um mit einem unversehrten Körper ins Totenreich zu gelangen, wobei die Mumifizierung für den Erhalt des Körpers und die umwickelten Binden für keinen weiteren Verfall sorgten. Auch Tiere wurden von den alten Ägyptern in enorm hoher Anzahl im Laufe der Pharaonenzeit mumifiziert; dies hatte mitunter rituelle und religiöse Gründe.
Der sogenannte Mumifizierungsritus war untrennbar verbunden mit diesem Osiris-Mythos. Bislang ist aber nicht geklärt was zuerst da war, die Osirislegende oder der Wunsch, die sterblichen Überreste der Verstorbenen zu mumifizieren ... Womöglich entstanden beide getrennt voneinander und wuchsen im Laufe der Jahrhunderte zusammen.

Bemalte Kanopen-Gefäße

Rolle Leinen von einer Mumie

Bemalte Kanopen-Gefäße, 18. Dynastie
Gefäße die zur Einlagerung der behandelten Eingeweide gedacht waren.
British Museum, London (Foto: A. Semling)

Eine Rolle Leinen von einer Mumie,
25. Dyn. Diese Leinenstoffe waren unverzichtbar für eine "Erste-Klasse"-Mumifizierung. British Museum, London (Foto: A. Semling)


In vorgeschichtlicher Zeit setzte der Prozess der Mumifizierung durch natürliche Ursachen ein – Austrocknung im Wüstensand. Mit dem Einsetzen der historischen Zeit (ab ca. 3000 v.Chr.) und der Bestattung in Särge, verwesten die Körper schließlich und die Ägypter suchten nach Lösungen um dies zu verhindern und experimentierten noch mit den Verstorbenen. Langsam entwickelte sich der Prozess des Einbalsamierens, der im Laufe der Jahrhunderte mehr und mehr perfektioniert wurde – vor allem im Neuen Reich. Den Ägyptern gelang es die Körper auf künstliche Art zu erhalten.

In frühen Gräbern (prädynastische Zeit) lagen die Toten in Embryo-Stellung: Knie angezogen an die Brust, Arme nach oben abgwinkelt (Abbildung unten). Särge wurden in solchen Gräbern nicht verwendet. Der Leichnam wurde allenfalls eingewickelt. Das Grab wurde mit Sand zugeschüttet und der Tote wurde auf natürliche Weise konserviert: der Leichnam trocknete aus, der heiße und sterile Sand entzog die Flüssigkeiten.

Naturmumie (Negadezeit).

Abb. oben: Naturmumie (Negadezeit). British Museum, London (Foto: Anja Semling)


Die ersten sicheren Zeugnisse der Mumifizierung stammen aus der (Prä-)Thinitenzeit: 3300 – 2750 v.Chr., präthinitische und thinitische Epoche. Man begnügte sich damit, das Leichentuch oder die Binden, mit denen man den Körper einwickelte, mit Natron oder Harz zu tränken. Im Alten Reich wurde die Methode perfektioniert, wobei man am Körper einen Einschnitt vornahm, um die Eingeweide zu entfernen.

in Leinenstoffe gewickelte Mumie

Abb. oben: in Leinenstoffe gewickelte Mumie (aus der Spätzeit), darunter das hölzerne und mit Hieroglyphen beschriftete sowie bemalte Sargunterteil. (Foto: Stefan Eggers)

straff eingewickelte Mumie mit Totenmaske

Abb. oben: straff eingewickelte Mumie mit Totenmaske.
British Museum, London (Foto: Anja Semling)

Zwei Katzenmumien kunstvoll eingewickelt in Leinenstreifen

Abb. links: Zwei Katzenmumien kunstvoll eingewickelt in Leinenstreifen.
British Museum, London (Foto: Anja Semling)

Mumienforschung

Den Wissenschaftlern ist es seit der Entdeckung des Grabes von Tutanchamun gelungen, vieles über die Mumien herauszufinden. Heute können sie kleine Gewebeproben wie ein Stückchen Haut oder Knochen untersuchen und feststellen, wer die Verwandten der Mumie waren oder ob der Tote irgendwelche Krankheiten hatte. Mit einem Computer-Tomographen, mit dem für gewöhnlich das Innere des Körpers betrachtet werden kann, können auch Mumien untersucht werden, ohne dass all ihre Binden abgenommen werden müsssen.


Die Aufnahmen zeigen den Wissenschaftlern, wie die Mumie bandagiert wurde, welche Amulette vorhanden sind und ob sie Knochenbrüche hatte. Wissenschaftler können anhand von Stoffen und Holz in den Särgen sowie Etiketten das Alter einer Mumie bestimmen. Auch können die Wissenschaftler Magen und Darm untersuchen und so feststellen, woraus die letzte Mahlzeit vor dem Tod bestand. Kleines Getier in einem Mumiensarg verrät welche Insektenarten es im alten Ägypten gab. Es ist inzwischen auch möglich Modelle vom Kopf einer Mumie herzustellen, welche zeigen wie die Menschen damals ausgesehen haben.Im Jahre 2007 haben ägyptische Wissenschaftler damit begonnen mittels DNA ägyptische Königsmumien und andere Mumien intensiv in Ägypten (Kairo) zu untersuchen. In der Hoffnung darauf, die genealogischen Verbindungen und eine einwandfreie Identifikation einzelner Mumien zu erhalten. Jüngstes Beispiel: die Identifikation der Mumie von Königin Hatschepsut, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit identifiziert werden konnte.

Schafmumien

Abb. oben: Schafmumien (Bild: Stefan Eggers)

* Früher nahm man an, dass die Ursache der schwärzlichen Färbungen (Abbildung unten) der einbalsamierten Körper an dem Bitumen lag – daher ja auch die Benennung "Mumien" – der künstlich konservierten Körper. Doch war dies nicht der Fall, da Mumien eigentlich garnicht mit Bitumen behandelt wurden. Alfred Lucas († 1945, Chemiker der Altertümerverwaltung) erklärt den dunklen Farbschimmer der toten Körper als organische Oxydation, die sich unter den Bandagen aufgrund des Wucherns von Schimmelpilzen entwickelte.
Ebenso möglich ist aber auch, dass sich bestimmte Gummiharze – mit flüssigem Harz wurden die einbalsamierten Leichname übergossen (innen wie außen) – beim Erhitzen oder im Laufe der Jahrhunderte schwarz verfärbten.

(Quelle: "Die Mumien" von Ange Pierre Leca / Medizinhistoriker, Econ Verlag, 1976)


Abb. oben: Torso und Oberschenkel einer einbalsamierten Mumie. Bedeckt mit Leinentüchern. – Copyright: The British Museum, London. Foto: Anja Semling

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