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Jenseitsliteratur

Unterwelts-"Bücher", Begräbnis-"Bücher"

Die sogenannten Jenseits-"Bücher" sind keine Bücher, sondern vielmehr besteht diese Literatur aus Abschriften und Inschriften, vielfach aufwändig illustriert, auf Papyri, Grabwänden oder Särgen.
Der Gelehrte Richard Lepsius führte im neunzehnten Jahrhundert die Bezeichnung für »Totenbuch« (Jenseitsbegleiter) ein; das sog. Totenbuch ist ein Genre der ganzen Gattung der Jenseitsbücher. Diese religiösen Werke, mit denen die Königsgräber ausgeschmückt waren, stellten detaillierte Modelle des Jenseits' bereit. Die meisten dieser "Bücher" waren letztlich von den älteren Pyramidentexten (Altes Reich) abgeleitet, welche die Könige der 5. und 6. Dynastie benutzt hatten, aber jedes von ihnen entwickelte ganz eigene Aspekte. Bestimmte Unterweltsbücher fanden auch in den nicht-königlichen Gräbern Einzug.

Die wichtigsten Jenseitsbücher

Amduat = Das, was in der Unterwelt ist,
bzw. Die Schrift des verborgenen Raumes
Pfortenbuch auch: Buch der Tore (Abb. unten)
Totenbuch: ein Jenseitsbegleiter

Bücher des Himmels auch: Himmelsbücher
Litanei des Re ist eigentlich kein Jenseitsbuch, sondern beschreibt die verschiedenen Gestalten des Re
Buch von der Erde
Höhlenbuch

Abb. oben: Detail aus dem Pfortenbuch, 4. Stunde, die Sonnenbarke. (Foto: E. Bassler)

Während das Amduat, das älteste der königlichen Begräbnisbücher, über den größten Teil der Geschichte des Tals in Gebrauch blieb, kamen im Lauf der Zeit immer wieder Werke hinzu, die manchmal andere ersetzten. In den späteren Ramessiden-Gräbern wurde dann der Schwerpunkt auf bestimmte Texte gelegt, die sich mit der Unterwelt und dem Himmel befassen.


Amduat

»Die Schrift des verborgenen Raumes«

Das sogenannte Amduat ist der älteste illustrierte Text, der die Jenseitsreise (= die Nachtfahrt) des Sonnengottes Re durch die zwölf Stunden der Nacht beschreibt. Entstanden ist das theologische Kompendium um 1500 v.Chr. zur Zeit des Neuen Reiches. Amduat kennzeichnet auch ganz allgemein die illustrierten Bücher, welche die Nachtfahrt und Verjüngung des Sonnengottes in der Unterwelt beschreiben.

Abb. oben: Ausschnitt aus dem Amduat, hier auf Papyri festgehalten von den Ägyptern.


Übersetzt heißt Amduat soviel wie: "Das, was in der Unterwelt ist". Dieses Amduat, wurde aber von den Ägyptern »Die Schrift des verborgenen Raumes« genannt. Es zielte darauf ab diesen "Verborgenen Raum" des Jenseits' in einer bis dahin nicht gekannten Detailgenauigkeit sowie Systematik zu beschreiben. Das Amduat ist eine aufwändige Wandmalerei mit hieroglyphischen Inschriften; später findet sich das Amduat bzw. Sequenzen daraus, auch auf Papyri oder Särgen. Zunächst war dieses Werk, das zur Jenseitsliteratur zählt, nur Königen vorbehalten. Später um 1000 v.Chr. in der 21. Dynastie, erscheint das Amduat auch in nicht-königlichem Gebrauch. Das Amduat ist zum ersten Male im Königsgrab von Thutmosis I. bezeugt (heute nur noch fragmentarisch erhalten!). Vollständige Abschriften davon finden sich an den Wänden, im Tal der Könige, der Grabkammern von Thutmosis III. und Amenophis II.; Auszüge daraus in den meisten anderen Gräbern.

Abb. links: Detail aus der 12. Stunde des "Amduat" (= "Das was in der Unterwelt ist"). Die Sonnenbarke mit Re und seinen Begleitern; Re ist hier dargestellt als widderköpfiger Mann, die Verkörperung der Ba-Seele des Re (im Jenseits).


Im Amduat geht es letztendlich um die Überwindung des Todes. – Der renommierte Ägyptologe Erik Hornung hat sich intensiv mit dem Amduat auseinandergesetzt und dieses einem breiten Publikum über die Fachwelt hinaus, erklärend zugänglich gemacht. Eine sehr ausführliche Interpretation und Übersetzung des Amduats ist in dem Buch "Die Nachtfahrt der Sonne" von E. Hornung, erschienen im Verlag Artemis & Winkler, zu erfahren.


Pfortenbuch (Buch der Tore)

Das Pfortenbuch ist das zweitälteste Unterweltsbuch des Neuen Reichs. Es tritt erstmals bei Haremhab und Ramses I. anstelle des Amduat auf. Es ist im Neuen Reich ein königliches Jenseitsbuch. Das Pfortenbuch ist in drei Rubriken und 12 Nachtstunden (Abschnitte) der Unterwelt eingeteilt. Durch diese muss der Sonnengott in seiner Nachtbarke (Sonnenbarke) fahren. Das Besondere, das diesem Unterweltsbuch auch seinen Namen gibt, ist jedoch, dass sich am Ende in jedem "Raum" bzw. in jeder "Stunde" eine von gefährlichen Wesen bewachte Pforte (Tor), befindet, die es zu durchschreiten gilt. Dies stellt jedesmal eine neue Herausforderung für den Sonnengott dar, der jede Nacht seine Reise durch die Unterwelt antritt – um Erneuerung zu erlangen. Auch der König ist genötigt sich dieser Prüfung zu unterziehen, bevor er als Vergöttlichter in den Kreis der Götter aufgenommen wird.

Abb. oben: Ausschnitt aus dem Pfortenbuch, 4. Stunde; im Grab Ramses' I.
Die Göttinnen der Nachtstunden stehen auf einem Hügel, der um die "Schlange der Zeit" aufgeworfen ist. (Copyright Foto: Elke Bassler)


Es gibt Darstellungen in der Unterwelt in welcher Götter ein Messer in der Hand halten zum Schutz des Verstorbenen. Oft werden diese fälschlicherweise, heuer, als Dämonen bezeichnet. Laut R. Wilkinson (Prof. für Ägyptologie) ist es besser jene als 'kleinere Wächter-Gottheiten' zu sehen, wie z.B. die verschiedenen Hüter der Tore der Unterwelt. – Der Glaube verhieß, dass der Geist (des Verstorbenen) seine Peiniger beim Namen nennen musste, eine unentwegte Befragung der Pförtner (Torwächter) aber auch der Türen selbst:

»Ich werde dich nicht hindurch lassen«,

sagte der Türpfosten,

»es sei denn, du sagts mir meinen Namen.«
»Senkblei am Ort der Wahrheit ist dein Name.«
»Ich werde mich für dich nicht öffnen«

sagte der Riegel,

»wenn du mir meinen Namen nicht nennst.
»Zehe seiner Mutter ist sein Name.«


Totenbuch

Das Totenbuch war der große Begleiter im Jenseits der Alten Ägypter

Dieses von den Ägyptern »Buch des Heraustretens bei Tage« genannte Werk, ist eigentlich eine Sammlung von Zauberformeln, die vielfach aus den älteren Sarg- und Pyramidentexten stammen. Auszüge daraus wurden zuerst in den Gräbern von Bürgerlichen verwendet, fanden dann aber auch in die Vorhallen vieler Ramessiden-Gräber Eingang. Die Totenbücher fanden sich also vorwiegend in den Gräbern des Adels; bei den königlichen Gräbern sind vielfach einzelne Totenbuchtexte und Bilddarstellungen auf den Schreinen und Särgen abgebildet.
Der Zweck der Totenbücher war der, den Verstorbenen praktische Hilfen und magische Unterstützung im Jenseits zu gewähren, ihre Versorgung und ihr Weiterleben zu sichern sowie sie vor möglichen Gefahren zu bewahren. Im Totenbuch wird die Reise der Seele nach dem (vermeintlichen) Tode, das Totengericht und das Leben im sogenannten "Iaru-Gefilde" beschrieben. Es liefert mit seinen Sprüchen die vollständigste Vision der Welt der Toten. Jene Beschwörungen und magischen Texte sowie einige Hymnen sollten den Toten im Jenseits vor allen möglichen Gefahren beschützen.
Das Totenbuch beinhaltet z.B. zahlreiche Sprüche, um die Uschebtis zu beleben, die Opfergaben zu empfangen, zu essen, zu trinken, die Welt der Lebenden zu besuchen sowie am Abend wieder in die Barke des Re zurückzukehren und sich gegen die Feinde in der Unterwelt zu verteidigen.

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Copyright Bild: Jon Bodsworth

Abb. oben: Details aus dem Totenpapyrus des Hunefer, ca 1300 v.Chr., Neues Reich. Die Szene zeigt das "Wägen des Herzens". Zu sehen auf dem Papyrus sind die Götter: Anubis, Thot, Osiris und Isis mit Nephthys sowie weiteren Gottheiten. Der Ägypter Hunefer war ein Vornehmer und fungierte unter Sethos I. als Palastaufseher. Der vollständige Papyrus des Hunefer mißt etwa 4,50 Meter und wird im British Museum aufbewahrt. (Copyright Bild: Jon Bodsworth)


Bücher des Himmels

In der Spätzeit des Neuen Reiches verfaßte Texte, die den Weg der Sonne über den Himmel beschreiben. Drei der bekannteren sind das »Buch des Tages«, das »Buch der Nacht« und das »Buch der Himmelskuh«. Diese Bücher sind in einer Reihe ramessidischer Grabkammern und auch in diversen Passagen des Grabes von Ramses VI. zu finden.


Höhlenbuch

In diesem Werk wird die Unterwelt als eine Abfolge von Höhlen oder Gruben dargestellt, über die sich der Sonnengott hinwegbewegt. Es legt großen Nachdruck auf Belohnungen und Strafen im Jenseits und die letztendliche Vernichtung der Feinde des Sonnengottes. Es wurde gelegentlich in den oberen Bereichen der späteren Gräber angebracht; eine vollständige Version findet sich im Grab Ramses' VI.
Abbildung unten: Ausschnitt aus dem Höhlenbuch im Grab der Königin Tausret, 19. Dynastie, Tal der Könige. Gut zu erkennen im mittleren Register ist Re in seiner widderköpfigen Vogelgestalt als Ba-Seele.

Wiedergeburt der Sonne am Morgen; letzte Szene im Höhlenbuch. (Foto: Frank Theis)


Litanei des Re

Ist eigentlich kein Jenseitsbuch, sondern beschreibt die verschiedenen Gestalten des Re. Die aus der 18. Dynastie stammende zweiteilige Sonnenlitanei feiert den Sonnengott Re in 75 verschiedenen Gestalten und preist obendrein den mit dieser und anderen Gottheiten vereinten König. Dieses Werk erscheint zuerst auf Pfeilern der Grabkammer Thutmosis' III. und wurde von der Zeit Sethos I. an in den Eingängen der meisten Gräber verwendet.


Buch von der Erde

Ein religiöses Traktat aus der 20. Dynastie, das in vier Teilen die nächtliche Reise der Sonne durch die Unterwelt beschreibt. Es taucht in den Grabkammern einiger später Ramessiden-Könige und auf anthropomorphen Sarkophagen aus der gleichen Zeit auf.

Abb. oben: Ausschnitt aus dem "Buch der Erde", ithyphallischer Gott namens »Er, der die Stunden versteckt«. Grab des Sethnacht, Tal der Könige. (Copyright Foto: Frank Theis)


Buch-Tipp

  • Bilder der Unsterblichkeit
    Die Totenbücher aus den Königsgräbern in Theben
  • von Zahi Hawass (Text)
    und Sandro Vannini (Fotografien)
  • Verlag Philipp von Zabern
  • 316 Seiten
  • Gebundene Ausgabe
  • Format: 27 x 31,5 cm
  • Erscheinungsdatum: 2006
  • ISBN: 978-3805336505
  • Gibt's bei Amazon


Die 62 Gräber im Tal der Könige bei Theben bergen Schätze von unvorstellbarem Wert. Darunter die spektakulären Wandmalereien und Inschriften, die die Könige auf ihrer Reise in die Unterwelt beschützen sollten – die Totenbücher. Der bekannte italienische Fotograf Sandro Vannini war einer der wenigen, der Zutritt zu allen Grabkammern hatte. Er dokumentierte die Totenbücher in einer neuen fotografischen Technik und stellt seine sensationellen Aufnahmen im vorliegenden Band vor. Begleitet werden Vanninis Fotografien von erläuternden Texten des Ägyptologen Zahi Hawass. 
Die sogenannten Jenseitsbücher im "Tal der Könige" sind zentrales Thema dieses prächtigen Textbildbandes »Bilder der Unsterblichkeit«, der im Jahre 2006 im Verlag Zabern erschienen ist. Schon beim losen Durchblättern des Buches eröffnen sich dem Betrachter Bildmotive ohnegleichen – Bilder die Einblicke in jenseitige Sphären geben, in ein "Leben nach dem Tode", eines der wichtigsten Merkmale der altägyptischen Kultur.

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