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Kunst & Kultur > Negade-Kulturen

Negade-Kulturen

Die Frühgeschichte Ägyptens: etwa 5500 bis 3000 v.Chr.
= Prädynastische Zeit

Badari-Kultur, Negade-I-Kultur, Negade-II-Kultur, Negade-III-Kultur

Um ca. 5500 v.Chr. beginnt in Ägypten die prädynastische Periode. Kleine Verbände von Jägern und Sammlern strömen zu dieser Zeit in das Niltal ein. Viehzucht und Ackerbau sind zwar bereits bekannt, aber noch wenig entwickelt. Ausgrabungen in Lagern, Friedhöfen und Siedlungen brachten Tongefäße, Körbe, Ketten und Armbänder aus Muscheln, Steingeräte, Knochen-Gegenstände (Löffel, Kämme, Gefäße, etc) und sogenannte Schminkpaletten ans Licht. Ein großer Fundplatz von Tongefäßen bei dem Ort Badari, hat einer diesen frühen Kulturen den Namen Badari-Kultur (5500 bis 3800 v.Chr.) in Mittelägypten gegeben; die Kultur vor den Negade-Kulturen. Die Badari-Kultur war lokal begrenzt.

Badari-Kultur (etwa 5500 bis 3800 v.Chr)

Kleine Frauenfigur

Gefäß aus rotpolierter Keramik mit schwarzem Rand

Kette aus Muscheln

© Abbildungen: British Museum, London. Fotos: Anja Semling


Die sogenannte Badari-Kultur erhielt ihren Namen nach ihrem ersten Fundort: Badari – in Mittelägypten. Zu dieser Kultur zählen aber noch andere Fundorte (z.B. Matmar). In den Friedhöfen bei Badari fand man runde oder ovale Gräber. Die Verstorbenen wurden in Matten oder Ziegenhaut eingewickelt, darin begraben. Mit reichlich Grabbeigaben ausgestattet, wie Schmuckstücke, Keramikgefäße, Knochengegenstände und Nahrungsmittel. Die Badari-Kultur existierte eine zeitlang parallel zur Negade-I-Kultur.


Etwa ab 4000 v.Chr. entfalteten sich auf dem Westufer des Nil zwischen den rund 160 km auseinanderliegenden Orten Abydos im Norden und Armant im Süden die beiden bedeutendsten Kulturen, die nach dem Hauptfundort Negade nördlich von Theben als Negade I und Negade II bekannt geworden sind.

Abb. links: figürliche Darstellung einer Frauenfigur mit flügelartigen Armen, vielleicht eine Tänzerin oder eine Art Betfigur (?). Solch' eine Figur wurde von den Ägyptern um 4000 v.Chr. geschaffen. Aus Ton und Stein formten die vorgeschichtlichen Niltal-Bewohner Objekte sowohl für praktische als auch für religiöse Zwecke. Negade-I-Kultur.
(Zeichnung: Anja Semling)


Negade-I-Kultur (etwa 4000 bis 3500 v.Chr.)

Im Niltal wandelt sich die Kultur der Jäger und Fischer in eine Bauernkultur. Die ersten – manchmal sogar befestigten – Städte entstehen. Segelschiffe befahren den Nil und beginnen die Küsten des Mittelmeeres zu erforschen. Qualitativ hochwertige Feuersteinwerkzeuge und eine Keramik mit weißen Netzmustern werden hergestellt. In spätprädynastischer Zeit entwickelt sich eine Kultur, die in der Archäologie Amra-Kultur oder verbreiteter Negade-I-Kultur genannt wird. Bei Ausgrabungen dieser Siedlung Negade kamen bemwerkenswerte Funde zutage. Ihr Gepräge erhielt sie von den Menschen, die derzeit beiderseits des Nil in der westlichen und östlichen Wüste wohnten. Damals waren diese Gebiete noch Steppe, in der sich eine bunte Tierwelt tummelte: Hasen, Antilopen, Giraffen, Strauße, langhörnige Rinder, Esel, Ziegen, Hunde und Schafe sind in weiß-gelber Farbe auf braunroten Gefäßen aufgemalt.
Der Mensch lebte in Hütten. Als Dach- und Wandverkleidung wählte man Stoff und Matten, die man über ein Holzgestell spannte. Die Negade-Leute ernährten sich vom Vieh und von den Früchten des Feldes. Mit der Kunst des Bierbrauens waren sie längst vertraut. Während die Frauen die Hausarbeit verrichteten, begaben sich die Männer gelegentlich auf ausgedehnte Streifzüge; sie kamen weit herum und bevorzugten bisweilen den Unterschlupf in einer Felshöhle. Auf etliche Höhlenwände malten die Jäger ihre Tageserlebnisse. Die Toten bestattete man wie in Badari auf Friedhöfen und gab ihnen eine Fülle von Gefäßen und Schmuckgegenständen mit in das jenseitige Leben.

Abb. oben: Mit dem Kopf nach Süden und dem Blick nach Westen, die Beine an die Brust gewinkelt und die Hände vor den Kopf geschlagen – so begrub man für gewöhnlich die Toten in der Negade-Kultur. Mit reichlich Grabbeigaben wie Gefäßen und Schmuck.
© Abbildung: British Museum, London. (Foto: Anja Semling)


Die Gefäße dieser Epoche sind erstmals bemalt. Charakteristisch sind die in gelbweißer Farbe aufgetragenen Figuren oder Muster (Abbildung unten), die allerdings noch sehr selten sind. Häufig sind es abstrakte geometrische Muster, die den rotpolierten Tongefäßen ein »modernes« Aussehen verleihen. Eine besondere Vorliebe hatten die Negade-Künstler für ausgefallene Gefäße, z.B. für zweihalsige Vasen oder bauchige Flaschen mit gekröpftem Hals.

Ebenso gab es zierliche Rundplastiken von besonderem Reiz, etwa Tänzerinnen sowie Einsteck-Kämme, Halsketten und Armreife.
Abb. rechts: Gefäße aus der Negade-I-Kultur.

© Bilder: British Museum, London. (Foto: A. Semling)


Negade-II-Kultur (etwa 3500 bis 3300 v.Chr.)

Einflüße von Kulturen außerhalb des Niltals kennzeichnen die Negade-II-Kultur. Die Veränderungen machen sich in größeren Stadtanlagen und dem Beginn der künstlichen Bewässerung bemerkbar. Die Keramik zeigt neue Maltechniken, Ritzdekoration und Schnürhenkel. Die Gräber erhalten gemauerte Sargkammern und es tauchen in ihnen die ersten Wandmalereien auf. In der Negade-II-Kultur werden gravierende Veränderungen gegenüber Negade-I deutlich. Am deutlichsten wird der Unterschied bei den Grabanlagen. Aus den kleinen einfachen Sandgruben haben sich inzwischen größere rechteckige Grabtypen entwickelt, die sogar mit luftgetrockneten Nilschlammziegeln ausgemauert wurden. Die Vergrößerung war deshalb notwendig geworden, weil eine ständig zunehmende Zahl der Grabbeigaben – gedacht für das Jenseits – neben dem Toten deponiert wurden.
Eine Keramikgruppe mit wellenförmigen Henkel am Gefäßbauch, sog. Wellenhenkelgefäße, waren unter anderem Grabbeigaben – und deren wulstartige Henkel wurden im Laufe der Zeit immer kleiner. Weitere Gefäße waren jene mit rotbrauner Bemalung. Überwiegend abstrakte Motive in Anlehnung an die Negade-I-Kultur. Netz- und Zickzackmuster, Wellenlinien und Spiralen waren solche Motive. An Figuren erscheinen Menschen und Tiere. Neu hinzugekommen sind Schiffsdarstellungen. Gegen Ende der Negade-II-Kultur fertig man Gefäße größer an. Auffallend ist das verstärkte Auftreten von Gefäßen aus Stein anstelle von Ton.

Bemaltes Mergeltongefäß; Ovoides Gefäß mit charakteristischen Merkmalen der Negade-II-Kultur.

Schlankes Gefäß aus rotpolierter Keramik mit schwarzem Rand ist typisch für die Negade-II-Kultur.

Bemaltes Mergeltongefäß; Ovoides Gefäß mit charakteristischen Merkmalen der Negade-II-Kultur.

© Abbildungen: British Museum, London. Fotos: Anja Semling


Weiterhin gibt es figürliche Darstellungen aus Keramik sowie Darstellungen an Wänden von Menschen und Tieren und auch Schiffen; z.B. Wandmalereien in Negade-II-Gräbern in der oberägyptischen Hauptstadt Hierakonpolis. Die Darstellungsformen der Menschen entsprechen hier schon weitgehend jenen stilistischen Eigentümlichkeiten, die für die Malerei aus pharaonischer Zeit charakteristisch sind. Die Körper werden jeweils frontal in ihrer größten Fläche gezeigt, während der Kopf zur Seite gewandt ist und im Profil erscheint. Dasselbe gilt auch für Tiere. Die Art der Darstellung scheint ihren Ursprung im babylonischen Raum zu haben, ebenso mesopotamischer Einfluß was auf eine kulturelle Beziehung zu jenem Gebiet, ferner zu Syrien und Palästina hindeutet. Tiergefäße aus Kalkstein erinnern stark an vorderasiatische Stilelemente, was mir der Einwanderung von Vorderasiaten zusammenhing, die zu dieser Zeit das fruchtbare Niltal aufsuchten. Sie ließen sich im Ostdelta nieder und lebten dort zusammen mit dem schon ansäßigen ägyptischen Bevölkerungsteil.

Aufschluß über den Jenseitsglauben der dortigen Menschen geben mehr als einhundert Gräber, die man fand. Fest steht, dass sie beigelegten Tongefäße der Versorgung des Verstorbenen dienten. Dereinst glaubte der Ägypter noch an eine Wiedergeburt, was man an der Lage des Verstorbenen gen Osten – zur täglich aufgehende Sonne entgegenblickend – ablesen kann. Er glaubte an den Zyklus des Werdens und Vergehens, wie man es in der Natur beobachten kann. Als der Ägypter dazu überging den Verstorbenen statt gen Osten nunmehr gen Westen auszurichten, drückte er damit einen inzwischen vollzogenen Wandel in seinen Vorstellungen von der zyklischen Auferstehung aus: Der Westen ist zum Ort des "Todes" geworden, dort wo die seligen Verstorbenen weiter existierten – in einer jenseitigen Sphäre (Jenseits), in ihrer Zusammensetzung eine Art Zerrspiegel des Diesseits'.

Abb. oben: "Schminkpalette" (bzw. hier auch eine Prunkpalette) aus der Negade-III-Kultur. Auf den Schminkpaletten wurden mit Hilfe von Reibesteinen Bleiglanz und Malachit zu schwarzer und grüner Augenschminke verrieben. Diese Platten sind meist aus Grauwacke hergestellt und oft reich reliefiert mit z.B. Tierdarstellungen aus der Mythologie.
© Abbildung: British Museum, London. Foto: Anja Semling


Negade-III-Kultur (0. Dynastie, etwa 3300 bis 3000 v.Chr.)

Am Anfang der Negade-III-Kultur wird bei den Kunstobjekten eine deutliche Reduktion auf eine vereinfachte Grundform sichtbar und fest steht, dass nun die Gefäßformen schlanker wurden und ein zylindrisches Aussehen erhielten. Bemalte Objekte traten in den Hintergrund.

"Schminkpalette": Aus der Zeit der Reichseinigung – im Übergang von der Negade-III-Kultur (0. Dynastie) zur 1. Dynastie der Pharaonen, stammt das wohl bedeutendste Dokument Ägyptens, die sogenannte Narmer-Palette, um 3000 v.Chr., aus Hierakonpolis. Mit diesem größten und prunkvollsten Stück bricht die Reihe der Paletten ab, was vermutlich mit einer Änderung im Götterkult zusammenhängt. Die Palette bestimmte in der Art der Darstellung mit ihren menschlichen Figuren und deren Anordnung von nun an alles Ägyptische sowie die altägyptische Flachbildkunst. Beachtenswert ist die Unterteilung der Figuren, da man hier zum ersten Mal einer Standlinie begegnet, die auch weiterhin auf anderen Reliefstücken eingesetzt wird. Es kam eine Bestrebung nach einer Reliefierung der Paletten auf, die schließlich ihren Höhepunkt in der Negade-III-Kultur in Gestalt der sogenannten Prunkpaletten hatten.

Schminkpalette aus Grauwacke in Tierform.

Rundliches Gefäß aus Negade-III-Kultur.

Rundliches Gefäß aus Negade-III-Kultur.

© Abbildungen: British Museum, London. Fotos: Anja Semling


Der Reliefstil entwickelt sich in der Negade-II / III-Kultur nicht allein auf Schminkpaletten, sondern auch auf Messergriffen und Keulenköpfen. Paletten, Triumphkeulen und Messergriffe stammen aus einer Zeit bis hin zum Beginn der geschichlichen Ära Ägyptens. Mit der 1. Dynastie des Pharaonenreiches aber bricht diese Reihe ab, und der Reliefstil findet sich von nun an auf ganz anderen gearbeiteten Objekten.

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