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3000 Jahre Historie > Prädynastische Zeit

Prädynastische Zeit

Negade-Kulturen I., II., III., um 4000 bis 3000 v.Chr.

Die prädynastische Zeit bezeichnet die lange Zeitperiode vor der 0. Dynastie. (Die Negade-III.-Kultur fällt in die 0. Dynastie)
In der Archäologie umfaßt die prädynastische Zeit die ganze sogenannte eneolithische oder chalkolithische Periode, d.h. die Epoche, während das Kupfer als erstes Metall auftauchte, obwohl natürlich die neolithische Tradition der Steinbearbeitung weitergeführt wurde.
So begann die prädynastische Zeit eigentlich mit der Badari-Kultur, aber man läßt sie im allgemeinen mit der Negade-I-Kultur beginnen, benutzt also den Ausdruck "prädynastische Zeit" synonym zu "Negade-Zeit":

So entspricht die ältere prädynastische Zeit der Negade-I-Kultur,
die mittlere prädynastische Zeit dem größten Teil der Negade-II-Kultur,
die jüngere prädynastische Zeit der Periode Negade-III-Kultur, die kurz vor der 1. Dynastie liegt.



Man benutzt für diese letzte Periode, der Zeit von König "Skorpion", auch die Namen "protodynastische" oder "präthinitische" Zeit.

Abb. links: »Skorpion«-Keulenkopf. Hinter dem König (ganz rechts), der eine Hacke in der Hand hält, stehen Diener die mit langstieligen Fächern wedeln.
Ashmolean Museum, Ägypten.
(Copyright Foto: Jon Bodsworth)


Alle diese Bezeichnungen sind jedoch mehr oder weniger willkürlich und variieren. Da nun die materielle Hinterlassenschaft dieser Kulturen von den Archäologen freigelegt worden ist, will man wissen, welches denn die historischen Ereignisse damals waren, die diese dunkle Epoche begleitet haben. Mit großer Gewissheit Ereignisse, die um so wichtiger sind, weil sie dem historischen oder geschichtlichen Ägypten den Weg bereitet haben müssen.
Die politischen, religiösen, ökonomischen und materiellen Faktoren des Ägyptens der ersten Dynastien haben ihre Wurzeln in dieser prädynastischen Zeit.

Bemaltes Mergeltongefäß; Ovoides Gefäß mit charakteristischen Merkmalen der Negade-II-Kultur.

Schlankes Gefäß aus rotpolierter Keramik mit schwarzem Rand ist typisch für die Negade-II-Kultur.

Bemaltes Mergeltongefäß; Ovoides Gefäß mit charakteristischen Merkmalen der Negade-II-Kultur.

Abbildungen: British Museum, London. Fotos: Anja Semling


Beruhend auf zeitgenössischen (archäologischer Art) oder späteren "Beweisen" (Mythen, Überlieferungen) hat man zahlreiche Hypothesen entworfen. Der nun folgende Entwurf der Geschichte des prädynastischen Ägyptens beruht auf dem Vorschlag von Sethe (deutscher Ägyptologe, 1869–1934) aus dem Jahre 1930. Eine Theorie, die allerdings umstritten ist:

Ursprünglich waren die Familien in Clans gruppiert, die jeweils ein Totem verehrten, eine tierische oder pflanzliche Darstellung des mythischen Vorfahren. Die Vereinigung der Clans bildete die Vorstufe des Systems der Gaue des geschichtlichen Ägypten. Im Delta (im Norden) bildeten sich durch den Verbund der Gaue zwei Staaten, einer im Westen, der andere im Osten. Horus war der Gott des westlichen Staates mit der Hauptstadt Behdet (demin-Hor = "Stadt des Horus"). Osiris war der Gott des östlichen Staates mit der Hauptstadt Busiris (worin der Name "Osiris" steckt). Bald vereinigten sich diese beiden Staaten zu einem einzigen Königreich mit Sais und später Behdet als Hauptstadt. In dieser Zeit entstand auch die Vorstellung von Horus als Sohn des Osiris.

Analog bildete sich im Süden ein Staat der Negade-I-Kultur mit Ombos als Hauptstadt und Seth als Gottheit. Das Königreich des Deltas eroberte nun das Königreich des Südens in der mittleren prädynastischen Zeit und erlegte ganz Ägypten seine Negade-II-Kultur, die sich nur im Delta entwickelt hat, auf. Busiris wurde die Hauptstadt des vereinigten Staates. Bis eine Revolte des Südens diesen wieder spaltete. Das Delta aber mit seinem Gott Horus eroberte erneut den von Seth beherrschten Süden; ein Kampf der sich auch im Osiris-Mythos wiederspiegelt.

Die Hauptstadt des neuen vereinigten Staates wurde Heliopolis, in welcher der Sonnengott Re verehrt wurde. Es entstand der Gott Re-Harachte, um den Staatsgott Horus in das heliopolitanische System einzugliedern. Es gab eine weitere Revolte, die in Hermopolis im Süden ausbrach und eine erneute Teilung des vereinigten Königreiches in zwei unabhängige Königreiche zur Folge hatte. Die neue Hauptstadt des Deltas (Norden) wurde Pe, eine Stadt des Horus, die gegenüber von Buto (Dep) lag, der Stadt der Uräus-Göttin (Uto). Die Hauptstadt des Südens wurde Nechen. Nechen war ebenso eine Stadt des Horus, so wurde Horus die dynastische Gottheit beider Staaten und triumphierte endgültig über Seth.

Die präthinitische (protodynastische) Zeit war erfüllt von Kämpfen zwischen den beiden Königreichen. Aber dies Mal war es der Süden, der als Sieger hervorging. König Skorpion scheint seine Waffen bis nach Memphis im Norden getragen zu haben. Seinem Nachfolger Narmer gelang es aber erst, die beiden Königreiche zu dem zentralisierten Staat zu vereinigen, der das Ägypten der geschichtlichen Epochen bildete.


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