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Familie und Wohnhaus

Die alten Ägypter führten ein ziemlich einfaches Leben. Die meisten von ihnen waren Bauern. Während acht oder neun Monaten des Jahres bestellten sie ihre kleinen, dem Nil entlang gelegenen Felder, wo sie Weizen, Früchte und Gemüse anbauten. Andere wiederum züchteten Rinder, Schafe und Ziegen. Man war bestrebt sich selbst zu ernähren, die Steuern zu bezahlen und genügend Lebensmittel für die jährliche Überschwemmungszeit zu speichern.


Familie

Die Familie war zweifelsohne der wichtigste Ort für die ägyptische Frau. Der Sinn des Lebens war, sich fortzupflanzen, denn die Ägypter hatten nicht nur die Vorstellung vom Weiterleben in einer jenseitigen Existenz, sondern auch vom Weiterleben in den eigenen Kindern. Der Zweck einer Verbindung zwischen Frau und Mann war also, Kinder zu bekommen. Darum kam der Familie große Bedeutung zu. Menschsein bedeutete Mann und Frau gemeinsam. Auch in der Götterwelt hatte jeder Gott ein Partner, d.h. zu einem männlichen Gott gab es immer ein weibliches Gegenstück.

Abb. links: Statuettengruppe. Sohn, Vater und Mutter. (Zeichnerische Darstellung, AS)


Es gab im alten Ägypten eine klare Rollenteilung, aber keine unterschiedliche Wertung dieser Rollen. In der Regel verließ der Mann das Haus und ging einem Beruf nach, die Frau dagegen "herrschte" im Haus. Der Frau unterstand als »Herrin des Hauses« (altägyptisch = Nebet-Per) alles, was mit dem Haus zu tun hatte, auch das Personal. In der breiten Masse von Handwerkern und Bauern wirkte die Frau bei allem aktiv mit, was die Familie betraf. Die Ehefrauen hatten ein Mitspracherecht.

Kaum waren die Mädchen dem Kindsalter entwachsen wurden sie von den Eltern verheiratet, insbesondere in der Oberschicht, da es dort um wirtschaftliche und politische Interessen ging. Es gab auch Ehen zwischen unterschiedlichen sozialen Schichten, wobei nicht immer die Frau aus der niedrigeren Klasse kam. Ehepaare konnten sich scheiden lassen, sowohl der Mann als auch die Frau konnten die Scheidung einreichen. Klassische Scheidungsgründe waren z.B. Unfruchtbarkeit, Ehemüdigkeit, Ehebruch durch den Partner.

Abb. links: Grabmalerei im Grab einer vornehmen Familie zur Zeit des Neuen Reiches, die in der Arbeitersiedlung Deir el-Medine lebte. Munteres Beisammensein der Familie des Vorarbeiters Inherchau. (Deir el-Medine, Theben-West, 19. Dynastie)


Natürlich lebte die einfache Bevölkerung und die unterste Schicht des ägyptischen Volkes, nicht so gut betucht, wie es diese Familienszene hier (auf der Abbildung) zeigt. Die ländlichen Bauern zum Beispiel, hatten nicht viel an Hab und Gut und konnten sich recht wenig leisten, gerade das Notwendigste zum Leben.
In Großfamilien lebten die alten Ägypter, zu denen mehrere Generationen gehören konnten. Die Männer hatten nur eine Frau (Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel). Während im Königshaus oder der Oberschicht auch Polygamie vorkam. Der einfache Mann von der Straße konnte sich schon aus finanziellen Gründen mehrere Frauen gleichzeitig nicht leisten. Wegen der hohen Sterblichkeit im Kindbett war es nichts Außergewöhnliches, dass ein Mann mit 25 Jahren schon zum dritten Mal Witwer war. Wenn die Ehefrau starb wurde sofort wieder geheiratet. Ein Mann hatte so gesehen mehrere Frauen – aber nacheinander. Die Frauen wurden im Schnitt nicht viel älter als 30 Jahre. Viele sind bei der Geburt oder im Wochenbett gestorben.
Dies belegt übrigens auch die »Gottesgemahlin des Amun«; ein wichtiges Priesterinnenamt ab dem Neuen Reich. Dies Amt wurde von der Königsgemahlin oder einer Tochter des regierenden Königs ausgeübt. Die Königstöchter blieben in diesem Amt jungfräulich. Man weiß von Gottesgemahlinnen die ihr Amt um die 50 Jahre ausübten, jene lebten in der Zeit 1000 – 500 v.Chr. Diese Priesterinnen wurden in der Tat alt.
Eine Familie hatte viele Kinder, obwohl die Säuglings- und Kindersterblichkeit damals sehr groß war. Die Frauen waren quasi ununterbrochen schwanger in der Hoffnung, dass von einem Dutzend Kinder drei bis vier überlebten und erwachsen wurden.
Nur die Mutter erzog in der Regel die Kinder, öffentliche Schulen gab es nicht; auch im Bereich des Königshauses. Demnach war die Bindung zwischen Mutter und Kind besonders stark.

Wohnhäuser aus getrocknetem Nilschlamm

Das Einzelhaus: Während die Tempel aus Stein, für die Ewigkeit gebaut wurden, errichteten die Ägypter ihre Wohnhäuser aus getrocknetem Nilschlamm-Ziegel. Auch die Paläste und Villen.
Die Wohnhäuser waren eher einfach gebaut und hatten eine rechteckige Form. Es gab Unterschiede zwischen den Häusern des Großbürgertums und des Kleinbürgertums. Je nach Epoche veränderten sich auch die Häuser merklich. Ab dem Mittleren Reich ist sogar ein 2. Stockwerk/Dachgeschoß belegt. Häuser in Städten hatten auch mehrere Stockwerke. Große Landhäuser besaßen verschiedene Anbauten: Bäckereien, Brauereien, Schlachthäuser, Tischlereien, Ateliers für Weberei und Spinnerei, Vorratsspeicher und Ställe.

Grafik: Anja Semling

Abbildung oben: Zeichnerische Rekonstruktion eines Anwesens von einem wohlhabenden Bürger aus der Zeit des Neuen Reiches. – Der Hausherr wohnte mit seiner Familie und seinen Bediensteten auf einem großen Areal. Wenn man den Haupteingang, vorbei an den Pförtnern, passiert hatte führte ein Weg zur Hauskapelle, welcher dann abbog zur Vorhalle des Herrenhauses. Diese Vorhalle war überdacht und führte in die innere Halle, den Mittelpunkt des Hauses. Im Haus selbst gab es Schlafräume, mit Duschzellen und Toiletten. Die Küche lag außerhalb des Wohnhauses. Die Bediensteten wohnten in ihren eignen Wohnungen auff dem Hof. Ein wesentlicher Bestandteil der ägyptischen Villen war der Garten und darin ein Wasserbecken. Büsche, Palmen und Früchte tragende Bäume gab es zuhauf sowie eine Fülle von Blumen.
(Quelle: Ägypten, nationalgeographic, Bechtermünz. Zeichnung: Anja Semling)

Nilschlamm-Ziegel
Eine der ältesten Erfindungen der Ägypter ist die Herstellung von Nilschlamm-Ziegeln. Sie wurden in Ägypten seit frühesten Zeiten hergestellt und verwendet.

Ziegelherstellung produzierte jeder selbst für sein Eigenheim. Die Ziegel wurden nicht gebrannt sondern an der Luft getrocknet. Damit sie dabei keine Risse bekamen und zerbrachen, wurde der Lehm zunächst mit zerhacktem Stroh gemischt. Wenn man dieses Gemisch mehrere Tage lang wässerte, zersetzte sich das Stroh und produzierte eine Art von Schleim. Dieser machte den Lehm zähflüssig und verlieh ihm beim Trocknen für lange Zeit große Festigkeit.


Es gab Häuser von verschiedenen Größenordnungen:
Die der Arbeiter und der kleinen Leute, die im allgemeinen aus drei Räumen (Eingang, Aufenthaltsraum, Küche) bestanden.

Der erste Raum kann in zwei unterschiedliche Räume gegliedert sein: Flur und Wohnraum. Der zweite Bereich kann auch die Werkstatt enthalten, der dritte umfasst die Speisekammer sowie den Vorrats- und Geräteraum. Die Küche ist oft mit einem Herd mit Kamin in einer Ecke ausgestattet oder mit einer Steinplatte für das Kohlenfeuer in der Mitte. Keller sind unter der Küche und anderswo ausgehoben zur sicheren Aufbewahrung von Lebensmitteln, für den Wasserbehälter und die Unterbringung von Gegenständen.


Oft gibt es einen kleinen Hof oder ein Atrium im Innern mit einer Leiter die auf das Dach führt, das für den Aufenthalt im Freien gedacht ist.


Abb. links: Nachbildung aus dem Alten Ägypten eines Wohnhauses mit Schiebetüren, auf der Dachveranda sitzt der Hausherr. Holz-Modell aus einem Grab, sogenanntes "Seelenhäuschen".
British Museum, London.
(Foto: Anja Semling)


Die größeren Häuser z.B. von Beamten und Vornehmen, waren noch umfangreicher ausgestattet: es waren mehr Räume oder Säle vorhanden, der Mittelraum hatte ein oder zwei Pfeiler, die Wände waren aus Rohziegel und teils ausgeschmückt, der Fußboden bestand aus gestampftem Lehm. Es gab die Appartements des Herrn, den Harem, der den Frauen und Kindern vorbehalten war, die Gemeinschaftsräume, die Küche und die Kammern der Dienstboten. Alle Häuser von Vornehmen seit dem Mittleren Reich – und wohl auch davor – besaßen ein Badezimmer. Es gab in ägyptischen Wohnhäusern nur wenige Möbel.


Abb. oben: Wohnhaus. Ausschnitt aus Totenpapyri, um 1300 v. Chr.

Die Bauern lebten in sehr einfachen Hütten, die aus Lehm oder groben, sonnengetrockneten Ziegeln bestanden; mit keinem Möbilar. In der Regel befanden sich darin Strohmatten als Schlafstätte, ein irdener Wasserkrug, Geschirr aus Steingut, Körbe. Die Dörfer waren meist eine Ansammlung von grauen, schäbigen wahllos aneinandergebaute Hütten, die im Grunde nichts anderes waren als lediglich einstöckige und fensterlose Hütten mit finsteren Türöffnungen.


Meist befand sich darin nur ein kleiner Raum, selten zwei. Das Dach bestand aus Palmblättern(-zweigen) oder aus Schilf und Rohr, also dementsprechend zerbrechlich. Die Hütten hatten auch keinen soliden Fussboden, sondern bloss festgestampfte Erde, worauf die Menschen hausten. Eine Steinplatte in der hinteren Ecke der Hütte diente als Herd und durch ein Loch im Dach konnte der Rauch abziehen. Angeblich (laut Herodot) lebte die ländliche Bevölkerung mit ihrem Vieh unter einem Dach und so war es stickig und schmutzig in den Hütten.

Wohnmobilar von vornehmen Leuten:

Abb. oben links: Schemel aus Holz; Oben rechts: dekorierte Truhe aus Holz.
The British Museum, London (Foto: Anja Semling)

Abb. oben links: Stuhl aus Holz; Oben rechts: vornehmer Trinkbecher.
The British Museum, London (Foto: Anja Semling)

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