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42 Gaue

Gaue (altägyptisch: sepat)
oder auch Nomoi (griech.) = gesellschaftlich organisierte Stammesbezirke

In früher vordynastischer Zeit (genauer im Neolithikum) ließen sich Nomadenstämme entlang des Nils nieder, erste Ansiedelungen noch lange vor der Reichsgründung um 3.000 v.Chr. Erste Dörfer wurden gegründet, die eine permanente Kultivierung des Landes erlaubten.

Die Territorien (Stammesbezirke), in denen sich diese Stämme niedergelassen hatten, bildeten kleine Fürstentümer, die sich zu "Königreichen" zusammen schlossen. Es gab zu bestimmten Zeiten zwei in Unterägypten, im Delta, und eins in Oberägypten – bis schließlich die Könige von Hierakonpolis (Nechen) aus dem Süden Ägyptens Unter- und Oberägypten zu einem Reich vereinigten.

Abb. links: Jäger mit Ja´at-Standarte. Um 3100 v.Chr.
Detail aus einer sog. "Schminkpalette".
(Zeichnerische Rekonstruktion: Anja Semling)


Die alten Stammesterritorien bildeten von nun an Provinzen mit ökonomischem und steuerlichem Charakter. Diese Provinzen wurden von den Griechen Gaue (nomos) und von den Ägyptern sepat genannt. Jede dieser Provinzen besaß einen Hauptort (eine Stadt), einen Tempel der Stammesgottheit, die zur Schutzgottheit der Stadt geworden war, einen Gaufürsten und ein Gauabzeichen. Ebenso lokale Feste und bestimmte Riten.

Im Alten Reich gab es 38 Gaue. Ihre Zahl pendelte sich im Verlauf der Geschichte – einige Gaue wurden zusammengeschlossen, andere geteilt – auf 20 für das Delta und 22 für Oberägypten ein. Die Gaue selbst waren von bescheidenem Ausmaß, 30 bis 40 km lang. Sie lagen auf beiden Seiten des Nils, wenn das Tal eng war, oder vom Fluß und der Wüste begrenzt, wenn das Tal breiter war. Während der ganzen ägyptischen Geschichte blieb die verwaltungstechnische Einteilung der Gaue bestehen, auch wenn die Grenzen zweifellos je nach Epoche variierten.

22
Oberägyptische Gaue

(Abb.: Gauabzeichen / Standarte)

20
Unterägyptische Gaue

(Abb.: Gauabzeichen / Standarte)

1. Gau o.ä.

1. genannt Ta stj »Nubierland«,
weil das Gebiet erst verhältnismäßig spät in das Reich einbezogen wurde; vorher scheint die Grenze zunächst bei Hierakonpolis, dann bei Edfu gelegen zu haben.

1. Gau u.ä.

1. Memphis,
hat als Gauabzeichen den Namen der ältesten Anlage, der »weißen Mauer« (Festung). Die geografischen Besonderheiten des Deltas und die Lückenhaftigkeit der Überlieferung macht eine eindeutige Darlegung der Entwicklung der Gaue und Stadtbezirke in Unterägypten unmöglich

2. Gau o.ä.

2. tjs.t Hr »Horusthron«,
ebenfalls aufgrund der Schreibung des Gaunamens als spätere Schöpfung zu betrachten, Hauptstadt Edfu. Das Stadtgebiet scheint seit dem MR das gleiche Gebiet umfaßt zu haben.

2. Gau u.ä.

2. Als Gauzeichen ein Fleischstück, Hauptstadt Chm (Letopolis), am linken Nilarm.

3. Gau o.ä.

3. nechen »Festung«
genannt nach der Stadt Nechen (Hierakonpolis), die zunächst die Metropole bildete. In der 13. Dyn. waren die beiden Städte Hierakonpolis und Elkab Verwaltungseinheiten, sie gehörten im NR ebenfalls zum nubischen Verwaltungsbereich.

3. Gau u.ä.

3. »Westgau«,
Hauptstadt Iamw.t

4. Gau o.ä.

4. »Szeptergau«,
ursprüngliche Metropole Armant, in der 13. Dyn. scheinen Pathyris und Theben die Stadtbezirke zu sein, in die der alte Gau zerfiel.

4. Gau u.ä.

4. »Vorderer Neithgau«.

5. Gau o.ä.

5. »Gau der beiden Herren«,
Hauptort Koptos. Auch in ptol. Zeit ein Nomos Koptites. bei Anchtifi von Moalla ebenfalls als Gau genannt. Vielleicht jedoch war er zur Zeit der Abfassung der Liste der Rechmire untergeteilt in die Stadtbezirke Kus und Koptos.

5. Gau u.ä.

5. »Hinterer Neithgau«.
Beide (vorderer und hinterer) sind im AR noch ungetrennt. Hauptstadt sicher für beide Teile Sais. Der abgetrennte 4. "südliche" Gau hieß später Prosopites und lag zwischen den beiden Haupt-Nilarmen.

6. Gau o.ä.

6. »Krokodilsgau«,
Hauptstadt Dendera.




6. Gau u.ä.

6. »Bergstiergau«,
Hauptstadt CHasww (griech. Xois).

7. Gau o.ä.

7. »Gau der weiblichen 'Seele'«,
Hauptstadt Chw.t-schm (»Haus des Szepters«). Das spätere Stadtgebiet stimmte immer mit dem Gau des AR überein, abgesehen davon, dass nach der Liste des Rechmire autonome Ortschaften (kgl. Gründungen) in ihm lagen.

7. Gau u.ä.

7. »Harpunengau, westliche Deltahälfte«.
Das Gebiet im NW des Deltas. Dieses Gebiet wird als »Harpunenland« bereits auf der Schminktafel des Königs Narmer erwähnt.

8. Gau o.ä.

8. ta-wr »das älteste Land«,
weil hier anscheinend die nomadischen Stämme, die die Einheit des Niltales herstellten, zuerst Fuß faßten. nach dem Gauzeichen ohne Standarte erst sekundär als Gau organisiert. Hauptstadt Thinis; auch das spätere Stadtverwaltungsgebiet erstreckte sich auf den gleichen Bezirk. Abydos war nur ein Unterteil des Thinites.

8. Gau u.ä.

8. »Harpunengau, östliche Deltahälfte«.
Dieser Gau ist eine deutliche Neuschöpfung, da das Ostdelta erst sehr spät kolonisiert und organisiert wurde. Erst seit der 5. Dyn. (Ptah-hotep-Grab) findet sich die Unterscheidung der beiden »Harpunengaue« durch Beifügung des Zusatzes »westliche« bzw. »östliche« Deltahälfte. Der 8. u.ä. umfaßt das Gebiet des Wadi Tumilat. Welche Stadt im AR die Metropole war, bleibt unbekannt; in ramessidischer Zeit wohl Pithom.

9. Gau o.ä.

9. o.ä. Hauptstadt Achmim
(griech. Panopolis)

9. Gau u.ä.

9. Das Gauzeichen zeigt das Ortsnumen Anedjti, wohl den zum Gott gewordenen vorgeschichtlichen Häuptling. Hauptstadt Pr-Osiris (Busiris) am mittleren Nilarm.

10. Gau o.ä.

10. Wadj.t »Schlangengau«,
Hauptstadt Tjbw (Kaw el-Kebir), erst in griechischer Zeit übernahm die Stadt Aphroditopolis die Rolle des Verwaltungs-mittelpunkts.

10. Gau u.ä.

10. »Gau des schwarzen Stieres«,
des Numens der Metropole Athribis.

11. Gau o.ä.

11. »Sethgau«,
später Stadtgebiet von Schas-htp (grich. Hypselis)

11. Gau u.ä.

11. »der Geschlachtete«,
alte Metropole unbekannt, in grich. Zeit geteilt in den Leontopolites und den Pharbaitites.

12. Gau o.ä.

12. »Bergvipergau«.
Dieser Gau ist im AR bis in die 8. Dyn. belegt, scheint jedoch in der Folgezeit aus der Verwaltung verschwunden zu sein, denn in der Liste des Rechmire erscheint zwischen Schas-htp und Asiut anscheinend keine andere Stadt. Ptol. Listen nennen Pr-antj als Metropole.

12. Gau u.ä.

12. »Gau des göttlichen Kälbchens«,
Hauptstast Tb-ntr (griech. Sebennytos).

13. Gau o.ä.

13. »vorderer Sykomorengau«,
Hauptstadt Saw.t (Asiut). Er muß in thinitischer Zeit mit dem 14. o.ä. eine Einheit gebildet haben, wie sich aus der Gleichheit der Gauzeichen ergibt. Jedoch ist die Trennung bereits unter Snofru belegt. Das Stadtgebiet von Asiut im MR und NR umfaßte das gleiche Gebiet wie der Gaue des AR.

13. Gau u.ä.

13. »das unversehrte Szepter«,
Hauptstadt Heliopolis. Im AR mit Zusatz "Ost", also vielleicht zunächst eine Unterteilung des großen Ostgaus der ältesten Zeit, der erst in geschichtlicher Zeit aufgespalten wurde.

14. Gau o.ä.

14. »hinterer´Sykomorengau«,
Hauptstadt Kusae. Dieser Gau ist anscheinend in ptol. Zeit, vielleicht aber auch schon viel früher, im Stadtgebiet von Hermupolis aufgegangen. Allerdings war Kusae im MR noch selbstständiges Stadtgebiet.

14. Gau u.ä.

14. »Ostgau«,
der ursprünglich die ganze Ostseite des Deltas ausmachte. Von ihm wurden zunächst vielleicht schon sehr früh der heliopolitanische Gau abgespalten, dann in der 5. Dyn. der 8. u.ä. Gau. Der Rest wurde jedoch untergeteilt in einen "vorderen" (südlichen) und einen "hinteren" (nördlichen) Ostgau, wie bereits aus der 4. Dyn. belegt. Auch der später selbständige Gau von Bubastis gehörte damals zum Ostgau.

15. Gau o.ä.

15. »Hasengau«,
Hauptstadt Hermupolis. In der Äthiopienzeit gehörte die Stadt Nfr-wsj dem "König" von Hermupolis. In der 18. Dyn. war jedoch diese Stadt ebenso wie in der Ramessidenzeit ein selbständiger Stadtbezirk.

15. Gau u.ä.

15. »Ibisgau«,
Hauptstadt Hermupolis. In der Kaiserzeit Toparchie des Mendesischen Gaues, wie bereits unter Pianchi.

16. Gau o.ä.

16. »Gazellengau«,
Hauptstadt Hnbw, bereits belegt auf dem Sesostris-Kiosk in Karnak.

16. Gau u.ä.

16. Hauptstadt Mendes.
In griech. Zeit trat die Schwesterstadt Thmuis an die Stelle von Mendes. Gauzeichen hat-mhj.t »Spitze der Fische«

17. Gau o.ä.

17. »Schakalgau«,
als Hauptstadt auf dem Sesostris-Kiosk in Karnak belegt ein Ort Hnw (sonst unbekannt), während im NR dafür die Stadt Hardai erscheint.

17. Gau u.ä.

17. Hauptstadt Sma-bhd.t (Tell el-Balamur), auf dem Kiosk Sesostris' I. in Karnak genannt.

18. Gau o.ä.

18. »Falkengau«
(das zeichen zeigt den antj-Falken), Hauptstadt Hw.t-nswt, anscheindend auf das Ostufer beschränkt. Nach ptol. Tempelinschriften scheinen damals 17. und 18. Gau als Stadtgebiet von Hw.t-nswt zusammengefaßt gewesen zu sein.

18. Gau u.ä.

18. »Vorderer Königskindgau«,
Hauptstadt Bubastis, danach griech. Bubastites.

19. Gau o.ä.

19. »Doppleszeptergau«.
Bis in die Ramessidenzeit weiß man nichts über ihn außer, dass er im AR bestand.

19. Gau u.ä.

19. »Hinterer Königskindgau«,
Hauptstadt Im.t (Nebesheh). In griech. Zeit als Tanites bezeichnet mit Hauptstadt Tanis (San el Hagar).

20. Gau o.ä.

20. »Vorderer Baumgau«,
Hauptstadt Herakleopolis. In alter zeit hat auch das noch unkultivierte Fayum zu diesem Gau gehört.


20. Gau u.ä.

20. »Gau des Sopd«,
griech. Arabia, mit Hauptstadt Phakusa. In assyrischer Zeit vielleicht Pr-Spdw .

21. Gau o.ä.

21. »Hinterer Baumgau«,
Hauptstadt Schnc-chn, bestand im NR anscheinend nicht mehr.


22. Gau o.ä.

22. Hauptstadt Pr-nb.t-tp-ihw, griesch. Aphroditopolis. Das Gauzeichen ohne Standarte lässt erkennen, dass der Gau erst verhältnismäßig spät in der Thinitenzeit organisiert worden ist. da auch der 1. u.ä. Gau Memphis und der 13. u.ä. Gau Heliopolis keine Standarte zeigen, erkennt man, dass das Gebiet um die Residenz Memphis zunächst nicht gaumäßig eingeteilt war.

Info: die ägyptischen Namen (kursiv geschrieben) sind in der Transliteration (ohne Vokale/Lesehilfen) wiedergegeben !
AR = Altes Reich, MR = Mittleres Reich, NR = Neues Reich
Dyn. = Dynastie, u.ä. = unterägyptisch, o.ä. = oberägyptisch

Quelle: »Kleines Lexikon der Ägyptologie«, Helck / Otto, Harrassowitz, Wiesbaden


Zitiert nach Helck:
»Die schematischen Gaulisten der griechisch-römischen Zeit führen für das ägyptische Reichsgebiet eine Unterteilung in 22 oberägyptische und 20 unterägyptische Gaue auf; doch handelt es sich hier um eine archisierende Aufstellung. Die Gaue entstanden aus den Einflußgebieten königlicher Güter während der ersten Dynastie anstelle älterer, nicht mehr greifbarer Unterhäuptlingstümer. Die an der Südgrenze und dem NW-Rande des Deltas liegenden, wie die sich um die alten Hauptstädte Thinis und Memphis gruppierenden Gaue entstanden später, da ihre Gauzeichen nicht mehr auf Standarten stehen. Auch in geschichtlicher Zeit lassen Teilungen von Gauen und Neueinrichtungen erkennen, dass die Entwicklung nicht abgeschlossen ist. Seit dem Mittleren Reich haben wir überhaupt nicht mehr mit Gauen zu rechnen, sondern zahlreiche der alten Gaue werden in kleinere Stadtbezirke unterteilt, die nun die Verwaltungseinheiten bilden.«


Siedlungen und Städte
Ab 3000 v. Chr. entwickelte sich in Ägypten Stadtplanung.
Siedlungen und Städte lagen im weiten Delta und im schmalen Niltal, den historischen Landesteilen Unter- und Oberägypten. Weiter ...

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