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Die ägyptische Unterwelt

»Amentet« = das Jenseits oder das Totenreich im Westen

»Die ägyptische Unterwelt ist eigentlich kein Totenreich im strengen Sinne,
weil man darin nicht tot ist«

(Zitat von Jan Assmann)


Im Osten wird der Sonnengott Re neu geboren und tritt seine Herrschaft an, indem er in seiner Sonnenbarke über den Himmel geleitet. Gealtert im Westen angekommen, tritt er in die Unterwelt ein, um sich dort zu verjüngen. Dies war ein immer wiederkehrender Ablauf in der altägyptischen Vorstellung zur Wiedergeburt.

Totengott Osiris mit seinen Insignien. Bronze-Statuette

Das Jenseits der Alten Ägypter war ein Ort der Todesferne und der Gottesnähe. Das Jenseits im Alten Ägypten war eine Sphäre des ewigen Lebens, in der man vom Tode erlöst und weit entrückt ist. (Jan Assmann). Es war also kein Bereich, in dem die Toten tot sind, gekennzeichnet durch die Abwesenheit all dessen was in einer Kultur unter "Leben" verstanden wird.
Die Alten Ägypter verdrängten den Tod nicht, sondern ganz im Gegenteil, sie wendeten ihm ein enormes Maß an Aufmerksamkeit zu. Trotzdem trauerten die Ägypter um ihre Toten, die ins "Amentet" (Totenreich im Westen) eingingen.

Abb. links: der Totengott Osiris mit seinen Insignien. Bronze-Statuette. British Museum, London (Foto: Anja Semling)


Osiris – der Herrscher der Unterwelt und »Erster der Westlichen«. Osiris war der erste Sterbliche der in das Totenreich einzog und seine Herrschaft begann fortan im Jenseits:

»Osiris …Groß ist die Ehrfurcht vor ihm in den Herzen der Menschen,
der Geister und der Toten … und vielfältig sind seine Gestalten
am Orte der Reinheit.«

( Totenbuch, Vers 185 )


Die theologischen Werke (Unterweltsbücher; Jenseitsbücher), mit denen die Königsgräber ausgeschmückt waren, stellten genaue Modelle des Jenseits bereit. Die meisten dieser Werke waren letztlich von den älteren »Pyramidentexten« abgeleitet, welche die Könige der 5. und 6. Dynastie benutzt hatten.
Das Alte Reich hatte eine etwas andere Vorstellung des Totenreiches, nämlich dass das Jenseits im Himmel lag und die Könige gen Himmel zu den Sternen reisten. Ab der Vorstellung des Osiris als Herrscher in der Unterwelt (4./5. Dynastie) und später gänzlich im Neuen Reich spielte sich das Jenseits in der sogenannten Unterwelt ab, im "Dat" (altägyptisch) oder auch "Duat" (= Unterwelt, Jenseits), wo Osiris von Beginn an herrschte und sich der Sonnengott Re täglich erneuerte um am nächsten Tage verjüngt im Osten auf der Erde wieder zu erscheinen. In der 20. Dynastie wird in den Grabdekorationen der Lauf der Sonne nicht mehr nur unter Erde beschrieben, sondern unter und über der Erde.
Doch darf man hier die Grenzlinie von einerseits das Jenseits im Himmel und andererseits das Jenseits in der unterirdischen Sphäre, nicht so scharf ziehen, beide Male geht es nämlich um modifizierende imaginäre Bilder derselben Idee.

Abb. oben: Ausschnitt aus einem Toten-Papyri, wo verschiedene Szenen im Jenseits dargestellt sind. Im zweiten Register (von oben) werden Arbeiten auf dem Felde ausgeführt. Im ersten Register (von oben, links) sieht man den Verstorbenen im Jenseits bei den Göttern und auf dem Fluß in einer Barke. Im zweituntersten Register ist der Verstorbene auf dem Acker beim Pflügen mit zwei Rindern und beim Korn säen, zu sehen. – Das "Leben" im Jenseits eines Ägypters, der das Totengericht bestanden hat, war ähnlich dem Leben im Diesseits, aber in der Vorstellung der Ägypter viel besser, vor allem unter dem Schutz des Osiris im sogenannten Iaru-Gefilde.


Das Grab ausgestattet mit Gegenständen wie im alltäglichen Leben, war eine wichtige Investition, denn es diente ja dem Leben (in der Unterwelt) nicht dem Tod. Nach dem Glauben der Alten Ägypter konnte die Seele »Ba« die Mumie und somit auch das Grab verlassen. Einmal für würdig (Totengericht bestanden) befunden, begann die Seele ihr Leben außerhalb des Grabes. Des Nachts, wenn der Sonnengott Re im Westen unterging und in der Sonnenbarke die Unterwelt zwölf Stunden durchquerte, nahm die Seele (Ba) Platz in der Barke und fuhr mit. Die Seele verbrachte die Stunden am liebsten im Iaru-Gefilde bei Osiris. Mit der Ankunft des Tages, sprich wenn die Sonne im Osten wieder aufging auf der Erde, kehrte die Seele in ihr Grab zurück. Bis sich das Ganze wiederholte, da die Sonne jede Nacht die Unterwelt durchquerte.
Jene Verstorbenen, die nicht für würdig befunden wurden und somit kein Recht mehr auf ein seliges Leben im Tode hatten, endeten in der ewigen Finsternis, dem Ort der Verdammten.

Der verstorbene König, in der Unterwelt als Osiris-NN, war ständig bedroht – von Apophis, der schrecklichen Schlange, die das absolut Negative und Bedrohende verkörperte – und brauchte besonderen Schutz. Wächter und Gottheiten sowie Texte aus dem Totenbuch, das magische Formeln enthielt schützten ihn.

Abb. links: der Sonnengott als "Großer Kater" bekämpft seinen Erzfeind Apophis, die schreckliche Schlange. (Detail aus Totenbuch)

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