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Krönung & Politk der Hatschepsut

Göttliche Legitimation

Hatschepsut wird durch den Götterkönig Amun selbst, zum König erwählt.

Um 1490 v.Chr. (wenn man von der »jüngeren« Datierung ausgeht), im 7. Jahr (oder evtl. früher) der nominellen Regierung von Thutmosis III., ließ sich Hatschepsut zum Pharao von Ober- und Unterägypten ausrufen. Dies bedurfte der Ankündigung eines Orakels (Weissagung, Zukunftsdeutung) des damaligen Reichsgottes Amun.
Offensichtlich war dies am Beginn der 18. Dynastie möglich, eine scheinbare spontane Gottesentscheidung bzw. göttliche Willensentscheidung hinsichtlich der göttlichen Legitimation zum Herrscheramt.

Auch der Gott und Allherr Amun bedurfte einer vorherigen Zustimmung, nämlich durch die Maat. Deshalb führte er Hatschepsut zum »Sanktuar der Wahrheit«, wo Hatschepsut vor ihrer Krönung von der Göttin Maat (Weltenordnung) das Ornat einer Gottesgemahlin bekam. Und somit wird Hatschepsut von der Maat zugleich göttlich legitimiert.

Die Krönung Hatschepsuts ist auf Blöcken der sogenannten »Roten Kapelle« (entstanden im 16. und 17. Jahr ihrer Herrschaft) dargestellt; welche Thutmosis aller Wahrscheinlichkeit nach erst gegen Ende seiner Regierung zerstören ließ. Während dieser feierlichen Prozession legt Hatschepsut den königlichen Ornat an.

Worte Hatschepsuts:

»Ich bin selbst ein Gott, der, was geschieht, bestimmt.
Kein Ausspruch meines Mundes geht fehl.«

Abb. links: der Gott Amun. Deir el-Bahari; reliefierte Darstellung von Amun auf einem Pfeiler des Millionenjahr-Tempels der Hatschepsut. (Bildquelle: Elvira Kronlob)


Krönung durch den Götterkönig Amun
Aufzeichnungen (Ausschnitte) der Hatschepsut nach ihrer Krönung und Thronbesteigung in Karnak:

Da rief sie [=Hathor]:
»Willkommen! Willkommen!«
und überschüttete sie mit Liebe.
Ablösen der Krone der Gottesgemahlin.
Aufsetzen des Schmuckes der Ober- und Unterägyptischen Krone,
vereint auf ihrem Haupt.

Ich [=Amun] setze dich auf meinen Thron,
ich reiche dir Szepter und Wedel.
Ich habe dich gemacht, damit du vor mir opferst.
Ich habe dich erschaffen, damit du die Kapellen der Göter instandsetzt,
damit du diese Erde auf ihrer Grundlage befestigst.

Unfaßbares durchzog das Volk.
Ihr [=Hatschepsuts] Ansehen ergriff Himmel und Erde.
Jeder Einzelne wandte sich an seinen Genossen.
Niemand dachte mahr an sich selbst, keiner mehr war bei Verstand.

Ihre Gesichter wurden von Stauenen ergriffen,
ihr Leib wurde schwach,
als sie die Königskronen angelegt sahen,
als etwas was Amun selbst getan hatte.
Sie warfen sich auf den Boden.

Politik einer Pharaonin

»(…) Ich vergrößere die Maat, die Er [Amun-Re] liebt, denn ich weiß, dass Er von ihr lebt. Sie ist auch mein Brot, und ich genieße ihren Geschmack. Ich bin ein Fleisch mit Ihm; Er zog mich auf, damit Sein Ruhm mächtig werde in diesem Land (…)«

(oben: Worte Hatschepsuts in einer Tempelinschrift)

Quelle: Anja Semling

Religiöses und politisches Handeln waren im Alten Ägypten untrennbar miteinander verbunden. "Maat" ist die gerechte, wahre, unumstößliche Ordnung und die gottgegebene Gesetzmäßigkeit, der alles Seiende unterliegt. Handeln im Sinne der "Maat" heißt für den Ägypter, ein moralisch einwandfreies, gutes Leben zu führen, nicht gegen die Gesetze und ethischen Grundsätze zu verstoßen. Für den König bedeutet dies, dass er das Staatsschiff mit starker, weiser Hand lenken und Land und Volk zu größerer Blüte, Reichtum und Wohlergehen führen muss.
Hatschepsut hatte von ihrem Vater Thutmosis I. ein intaktes und stabiles Königreich übernommen und Hatschepsuts vordringlichste Aufgabe war es die "Maat" zu erhalten und zu fördern.

Abb. links: Kniefigur der Hatschepsut mit Chat-Kopftuch und Königsbart. (Zeichnung: AS)


Der Thronname Hatschepsuts, nämlich "Maat-Ka-Re" (= Die Weltenordnung ist das Wesen des 'Re') zeigt die tiefe Verbindung zu ihrem religiös, göttlichen Auftrag, mit dem sie teilhatte an der Schöpfung. Hatschepsut sah ihre Hauptaufgabe einmal im Aufbau und der Erweiterung der Tempel, dann die Herstellung neuer Götterbilder aus Gold, dem "Fleisch der Götter", sowie die Wiederherstellung und Vollzug des Kultes, der täglichen Riten vor den Götterbildern und während den Festen. Der tägliche Kult und seine gesteigerte festliche Form sorgten dafür, dass die Verbindung zwischen dem Tempel, dem Abbild der Schöpfung, und seiner inneren Wesenheit Wirklichkeit wurde und blieb.

Abb. rechts: Kopf einer Statue Hatschepsuts, Deir el-Bahari. (Foto: Elvira Kronlob)

Worte Hatschepsuts:

»Ich habe wiederaufgebaut, was zerstört war seit der Zeit, als die Asiaten in Auaris (die Hyksos) herrschten, räuberische Horden unter ihnen. Sie stürzten um, was gebaut war; sie herrschten ohne Re.«


Dieser Text bezieht sich auf den Wiederaufbau dessen, was die Fremdherrscher Hyksos, einst zerstört hatten. Es geht Hatschepsut dabei nicht nur um den materiellen Wiederaufbau, sondern auch um die Neuorientierung der geistigen Grundlagen. Die Maat musste wiederhergestellt werden. Hatschepsuts Bau von Tempeln und die Wiederherstellung war ein Weg, der Maat zu dienen.


Eine rege Bautätigkeit, Aufbau von Verwaltung und Wirtschaft sowie Vollzug des Kultes reichten aber noch nicht aus um den Begriff Maat abzudecken. Die Rolle, die dem König als dem Bewahrer und Erweiterer der Maat zugewiesen war, umfaßte auch den ganzen Bereich der Außenpolitik.

Hatschespsuts Worte in einer Inschrift:

»(…) das schwarze und das rote Land (Niltal und Wüste) sind unter meiner Furcht, und meine Macht läßt die Fremdländer sich beugen, denn der Uräus über meinen Brauen beruhigt für mich alle Länder. Sinai und die Beduinenländer bleiben Meiner Majestät nicht verborgen, und Punt fließ für mich über, seine Bäume tragen frischen Myhrren. Die Wege, die nach beiden Seiten versperrt waren, sind nun begangen«.

Hatschepsut widmete sich zwar vorwiegend den innenpolitischen Aufgaben in ihrem Land und gab die Eroberungspolitik ihrer männlichen Vorfahren auf, trotzdem fanden diverse Feldzüge statt. Beispielsweise ein Feldzug gegen die Nubier zu Beginn ihrer Regierungszeit (Inschrift des Schatzmeisters Tij auf der Insel Sehel). Insgesamt lassen sich sechs Feldzüge/Razzien nachweisen. Die Grenzen des Reiches, im Norden wie im Süden, waren aber sicher. Im großen und ganzen war die Regierungszeit der Hatschepsut stabil und friedlich. Das Land erlebte eine Blütezeit unter ihr und musste offensichtlich nicht Hunger leiden, da die Ernten gut waren.

Männer, die Hatschepsut stets zur Seite standen:

Hapuseneb: Erster Prophet des Amun.
Senenmut: Vertrauter, Ratgeber, Architekt, Verwalter der Güter des Hauses, Erzieher ihrer Tochter.
Djehuti: Aufseher des Hauses des Goldes und Silber.
Nehesi: Verwalter des Siegels und des Schatzes.

Quelle: Anja Semling

Kultlauf: kultische Handlung.
Beim Kultlauf nimmt Hatschepsut Besitz vom Land und verleiht ihm zugleich Fruchtbarkeit und Gedeihen. Sie läuft in der charakteristischen Kleidung des Kultlaufs, also auch wie eines Mannes Kleidung: kurzer plissierter Königsschurz mit Stierschweif, Zeremonial-Bart, Halskragen und die Weiße Krone von Oberägypten. In der einen Hand hält sie das Nechacha-Zepter (Geißel) und in der anderen das sog. Mekes-Gerät.

Abb. links: Hatschepsuts Lauf mit dem Apis-Stier. (Zeichnung: Anja Semling)

Quelle: Elvira Kronlob

Expedition nach Punt:
Ein sehr denkwürdiges Ereignis unter Hatschepsuts Herrschaft war die Expedition nach Punt, die in ihrem 9. Regierungsjahr stattfand. Das Land Punt lag wohl im Gebiet des heutigen Somalia. Darstellungen dieser langen Reise finden sich heute im Terrassentempel bei Deir el-Bahari. Zu sehen sind Güter, die getauscht wurden mit dem Fürsten von Punt: Felle, Myhrre, Edelsteine, Elfenbein, Ebenholz und auch lebende Tiere.

Abb. links: Reliefdarstellungen der Punt-Reise; Deir el-Bahari. (Foto: Elvira Kronlob)

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