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Amarna-Kunst

18. Dynastie, die Zeit König Echnatons um 1350–1330 v. Chr.
bis in die Zeit Tutanchamuns.

Zahlreiche in Ägypten gefundene unvollendete Plastiken, Entwürfe und nicht ausgeführte Reliefs dokumentieren das Schaffen der Maler und Bildhauer und geben Aufschluß über die Herstellungstechniken und deren Einsatz für künstlerische Aufgaben. Diese Dokumente stammen aus unterschiedlichen Perioden der Pharaonen-Herrschaft und aus verschiedenen Fundorten im Niltal.

Bemalte Scherbe aus der Amarnazeit

Tell el-Amarna die von Echnaton gegründete Hauptstadt (altägyptischer Name der Stadt: Achet-Aton), hat sich in dieser Beziehung als besonders reichhaltig erwiesen. Hier fand man unter anderem auch die bemalte Kalksteinbüste der Nofretete, die heute in Berlin steht.

Abb. links: die berühmte Büste der Nofretete. 18. Dynastie, um 1340 v.Chr., Kalkstein bemalt, Höhe 50 cm.
Standort: Ägyptisches Museum und Papyrussammlung, Staatliche Museen zu Berlin.
Copyright: bpk / Ägyptisches Museum und Papyrussammlung, SMB. Foto: Anja Semling


Pharao Echnaton setzte neue Maßstäbe in der altägyptischen bis dahin traditionellen Kunst. Diese Kunst setzte an die bisherigen Förmlichkeiten eine übersteigerte Natürlichkeit an ihre Stelle. Wenn bisher der Gottkönig untadelig, fehlerfrei und idealisiert dargestellt worden war, so wagte es Echnaton, sich völlig unköniglich, entspannt bis lässig und in lebendiger Kommunikation mit seiner Umwelt abbilden zu lassen. Ein wahres Meisterstück ist die berühmte Büste der Nofretete (Abb. oben). Einst erschaffen von dem Bildhauer Thutmosis in Achet-Aton.

Abb. oben: Relief eines Königspaares (wahrscheinlich Tutanchamun und Anchesenamun). Neues Reich, Amarnazeit,18. Dynastie, Kalkstein bemalt, 25 x 20 cm.
Standort: Ägyptisches Museum und Papyrussammlung, Staatliche Museen zu Berlin.
Copyright: bpk / Ägyptisches Museum und Papyrussammlung, SMB. Foto: Anja Semling


Naturalistische und realistische Amarna-Kunst

Der religiöse Umbruch Echnaton bewirkte die Entstehung eines Darstellungsstils, der heute allgemein unter den Namen »Amarnakunst« bekannt ist.
Im dritten oder vierten Regierungsjahr trat ein neuer, völlig ungewohnter Kunststil hervor. Diese Veränderung betraf in erster Linie das königliche Portrait, sodann die ganze Bildniswelt. Die bestehende Formenwelt wurde aufgelöst und durch eine andere ersetzt. Die Zeit Echnatons, nach der neuen Hauptstadt auch Amarna-Zeit genannt, nimmt in der ägyptischen Kunst eine Sonderstellung ein. Echnaton hatte mit den religiösen Traditionen seines Landes gebrochen und verehrte allein die Sonne, als deren irdische Verkörperung er sich selbst sah. Sein Name besagt: »Der, auf den die Sonnenscheibe ihr Wohlgefallen richtet«.
Die Amarna-Kunst blieb übrigens nicht ohne Auswirkung auf die folgenden Jahre unter Tutanchamun.

Das "merkwürdige" Aussehen Echnatons ist Ausdrucksform eines neuen Glaubens; eine Abstraktion, die sich bewußt von der Wirklichkeit entfernt, um durch außergewöhnliche Merkmale »auf die Echnaton verkörperte Gottesnatur« hinzuweisen.

(Zitiert nach Schlögl)


Typische Ausdrucksmerkmale der Amarna-Kunst

Statuen und Reliefs präsentieren sich oft in einer extremen und expressionistischen Übersteigerung sowie in Verzerrungen und bizarren Formen. Aber auch sehr realistisch und naturalistisch!

Zum Beispiel Sandsteinkolosse sind verzerrt: überschmales Gesicht, schräg sitzende Augen, lange Nase, wulstig aufgeworfene Lippen (Abbildung oben), dünner Hals, gestreckter Körper, Bauchpartie ausladend, massige Oberschenkel, lange dünne Arme und Unterschenkel. Es ist schon viel gemutmaßt worden, um die betont weiblichen Körperformen und Gesichtszüge in der Darstellung Echnatons zu erklären, und häufig werden eine mögliche Körperanomalie oder eine Erkrankung verantwortlich gemacht. Aber mit großer Wahrscheinlichkeit dürften rein stilistische Gründe für die Überzeichnung der Körperformen verantwortlich sein.

Abb. oben: Replik "Echnaton", Relief. (Foto: Anja Semling)

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