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Kleidung

Bedingt durch die Milde des Klimas in dem die alten Ägypter lebten, waren sie sehr spärlich bekleidet. Die Ägypter trugen leichte, zumeist weiße Gewänder und dazu farbenprächtigen Schmuck. Aber aus den farbigen Malereien in den Grabräumen weiß man, dass es auch bunt gewebte Stoffe und vor allem farbige Gürtel und Bänder gegeben hat. Die männliche Tracht war vorzugsweise weiß.

Frauen-Kleidung

Bis zum Neuen Reich variierte die Tracht der Frauen kaum. Die Frauen trugen durchweg ein langes, anfangs faltenloses später leicht plissiertes, sehr dünnes Gewand, das die Körperlinien durchscheinen ließ. Es begann unterhalb der Brüste, die frei blieben, wurde von zwei Tragbändern über die Schulter festgehalten und reichte bis zu den Knöcheln.

Oft trug man auch einen hauchdünnen, durchsichtigen Überwurf, später Netzkleider und andere Abwandlungen.

Nur die einfachen Menschen begnügten sich, mit einem Hüftband oder blieben ganz unbekleidet. Perlennetze bedeckten weiße Leinenkleider von Opfergaben Trägerinnen.

Abb. links: aus dem Totenpapyrus des Hunefer. In weißer Kleidung stehen Hunefer und seine Frau betend vor Re (ohne Abb.). Seine Gemahlin hält eine Lotosblume und das Sistrum in der Hand. – Neues Reich, Ca. 1300 v.Chr.


Männer-Kleidung

Die Männertracht, die ursprünglich noch minimaler war, da sie nur aus einer Penistasche bestand, machte im Laufe der Zeit aber enorme Veränderungen durch. Der Mann trug dann seit alters her einen Schurz aus Leinen, der von der Taille bis hin zu den Knien reichte und für Götter, Könige und das Volk für lange Zeiten die gleichmachend weiße Universalbekleidung blieb. Nur die mannigfachen Formen des Schurzes – kurz, lang in der Mitte vorgestellt und gestärkt, gefältelt und plissiert, ein oder zwei Zipfel, gekräuselt, mit gesticktem Saum, geschlossen, offen u.s.w. – waren der Mode unterworfen und arteten zuweilen ins Dandyhafte aus, zumal wenn ein zweiter, vollkommen durchsichtiger Schurz oder ein mantelartiges Obergewand darüber getragen wurde. Im Zuge einer immer komplexeren Gesellschaft wurde die Kleidung immer prunkvoller.

Stets einheitlich und unverändert blieb das lange, von der Brust bis an die Knöchel reichende, Gewand des Wesirs, das von zwei Bändern um den Hals am Körper gehalten wurde.

Gleiches gilt für die Amtstracht der Priester mit aus Goldstoff gefälteltem Schurz und einem Pantherfell, dessen Hinterfüße über die Schultern nach hinten und Kopf und Vorderteil nach vorne hingen. Die Festtracht der Vornehmen war ein kurzes, glattes, vorn abgerundetes Vorderteil und wurde von einem kleinen Metallverschluss am Gürtel gehalten. Der König trug bei gewissen Zeremonien spezielle Trachten und Attribute, die ihn auszeichneten z.B.: einen am Königsschurz festgemachten Tierschwanz.

Königinnen

Die Königinnen und noblen Frauen trugen die prächtigsten Kleider. Die Königin trug desweiteren Kopfschmuck der sie als Gemahlin des göttlichen Königs auszeichnete, so z.B. die Geierhaube, ein Attribut das mit der Göttin Nechbet eng in Verbindung steht. Im Neuen Reich besteht die Kleidung aus mehreren Einzelteilen, die die Frau trug. Effekte im Stoff wurden erzielt durch die Plissierung: senkrechte Falten längs des Körpers, horizontale an den Armen, fächerförmige an den Schultern.

Abb. links: die Königin mit Geierhaube auf dem Kopf. Neues Reich. (Zeichnung: Anja Semling)


Könige trugen die wertvollsten Kleidungsstücke

Noch in prädynastischer Zeit (vor König Narmer, Reichseiniger) vor 3000 v.Chr., trugen die Herrscher, sogenannte Stammeshäuptlinge, wohl kaum mehr als einen Gürtel mit einem Stück Fell vorn und einen Tierschwanz hinten. Dieses Relikt hat die pharaonische Königstracht als Zeichen ihrer besonderen Würde übernommen. Zur dynastischen Zeit hing dies als kunstvoll gefältelter Schurz aus Goldstoff mit Stickereien, Uräus-Schlangen (Wadjet), anderem Zierrat und einem Löwenschwanz vom Könisgürtel herab.

Quelle: Anja Semling

Darüber fiel und zierte ein bis zu den Knöcheln reichender durchsichtiger Rock. Auf dem Kopf trug der Pharao die Krone – nur sein und der Götter Schmuck. Die bekanntesten sind: die Rote Krone, die Weiße Krone, die Doppelkrone.
Einfache oder doppelte Federn, Sonnenscheiben, Widdergehörn, Uräusschlangen, Skarabäen, Flügel u.s.w. waren einige der Eigentümlichkeiten weiterer Kronen. Vorbehalten waren diese Kronen selbstverständlich nur den Göttern und Königen. Auch wurden diese vorwiegend nur zu besonderen Kulthandlungen getragen. Ein Diademhüter verwaltete den Kopfschmuck (Kronen) des Pharaos.

Abb. links: der Pharao in königlichem Ornat: Atef-Krone, Sechem-Zepter (Herrschaftsstab), Nemes-Kopftuch, durchsichtiges Gewand, Sandalen. Neues Reich.
(Zeichnung: Anja Semling)


Feingeflochtene mit hochgebogenen Spitzen und mit Goldfäden durchwirkte Leder-Sandalen trug der Pharao an seinen Füßen. Auf der Sohle der Schuhe waren Bilder von Gefangenen (Feinde) abgebildet, die der Pharao mit jedem Schritt symbolisch zertrat.

Abb. rechts: Pharao Ramses III. in seiner königlichen Tracht und mit der Roten Krone von Unterägypten mit zwei Uräen. Das Gewand ist durchsichtig. Der König trägt vergoldete Sandalen mit hochgebogener Spitze. Des Weiteren einen Halskragen und einen üppigen Gürtel.
Die Darstellung findet sich im Grab des Cha-em-waset, Sohn von Ramses III; er regierte in der 19. Dynastie im Neuen Reich.
(Foto: Elvira Kronlob)


Stoffe aus denen man Kleidung machte

Die Kleidung wurde in pharaonischer Zeit aus Leinen oder Flachs gefertigt, Baumwolle ist erst seit der ptolemäischen Epoche bekannt. Aus dem frühdynastisch Ägypten sind bereits vollständige Leinengewänder überliefert. Fragmente sind sogar schon aus vorgeschichtlicher (vor 3000 v.Chr.) Zeit überliefert, und somit haben diese fein gewebten Textilien ein Alter von nun mehr als 5000 Jahren.

Die Herstellung dieser Stoffe oblag in der Hand der Frauen im häuslichen Bereich, aber in einem manufakturähnlichen Herstellungsbetrieb sind dann auch Männer mit der Stoffherstellung beschäftigt gewesen.

Abb. rechts: echte Stoffe aus dem alten Ägypten (Museumsauslage)


Stoffe oder später ganze Stoffballen, gehörten im Alten Reich und auch danach, wie z.B. im Neuen Reich, zu den wichtigsten Grabbeigaben (neben den Nahrungsmitteln) – vorwiegend für die Könige, Königsfamilie und höher gestellten Personen (Beamte, Adlige, Gaufürsten).
Selbst für die meterlangen Leinenbinden einer Mumie erforderte es einer ausgedehnten Stoffproduktion. Sogenannte Tunikas (Abb. unten) waren aus schwerem Leinen für den Winter, auch gerne mit Bordüren eingefaßt. Das Modell "Tunika" war ein wahrer Klassiker bei den Ägyptern, dieser Hemdenschnitt war vom Alten Reich bis ins Neue Reich beliebt – ein Zeitraum von über 1500 Jahren.
Verschiedene Leinenarten reichten vom gröbsten Tuch bis hin zum feinsten, fast durchsichtigen Voile. Die Farbe ist immer weiß in allen Nuancen. Die zuweilen schleierdünnen Gewänder, über lange Zeit hinweg ganz schlicht gehalten, später zunehmend voluminöser und aufwändiger, wurden oftmals kunstvoll plissiert und gerafft.

Typische Kleidung von Frauen (hier Trauernde). Im Grab des Roy, Neues Reich, 18. Dynastie. (Foto: E. Kronlob)

Tunika aus Leinen, 6. Dynastie, Altes Reich Ägyptisches Museum, Kairo. (Foto: Peter Funk)


Schurz

Vom einfachen und kurzen Schurz (altägyptisch: schendschut) des Alten Reiches bis zum sehr langen oder doppelten Schurz im Neuen Reich, der drapiert oder plissiert und mit einem Hemd getragen wurde (oder mit einem kurzen Mantel). Ein einfacher kurzer Schurz mit Schmuck getragen, war die Tracht des eleganten Mannes, nicht die des Arbeiters. Je nach Schurz, wies er auf hohe Stellung hin.

Frau mit weißem Kleid, 12. Dynastie, Mittleres Reich

Mann mit kurzem Schurz; 12. / 13. Dynastie, Mittleres Reich

Mann mit langem Schurz; 19. Dynastie, Neues Reich


Die Bauern der Sümpfe und die Männer, die Tätigkeiten/Berufe ausübten, die viel Bewegungsfreigeit verlangten, begnügten sich mit einem Gürtel um die Hüfte, an dem Riemen aus Leder oder aus Fasern hingen. Hin und wieder arbeiteten sie sogar nackt. Die Kinder blieben bis zur Jugendzeit unbekleidet.

Tut-anch-Amun beispielsweise trug unter dem traditionellen knielangen Schurz ein dreieckiges Lendentuch aus Leinen, das um die Taille gebunden wurde. Der normale Lendenschurz bestand aus einem rechteckigen Stück Leinen, das um die Taille geschlungen und vorn gebunden wurde. Die beiden Enden umschlingte man zu Falten. Hin und wieder trug der König einfache Unterhemden, die am Halsausschnitt mit Stickereien verziert waren. Für solche Kleidungsstücke, die mit solchen Stickereien verziert waren, wurde ein enormer Arbeitsaufwand betrieben.
In Tutanchamuns Grab fand man viele Kleidungsstücke als Grabbeigaben vor. So z.B. ein dreieckiges Leinen, das um die Taille gebunden wurde, hiervon fanden sich über hundert solcher Wäschestücke sauber gestapelt und zusammengelegt im Grab – und auch der normale traditionelle Lendenschurz, aus einem rechteckigen Stück Leinen, das auch um die Taille geschlungen und vorne gebunden wurde sowie an beiden Enden zu Falten arrangiert. Ebenso Unterhemden, die manchmal am Halsausschnitt mit Stickereien verziert waren. Desweiteren 27 Paar Handschuhe, Spazierstöcke, Schmuck, eine Kleiderbüste und Sandalen aus feingearbeitetem und goldverziertem Leder.

Schuhe / Sandalen

Der Durchschnittsbürger lief barfuß, der Reiche trug Sandalen. Die Ägypter kannten Sandalen seit dem Ende der prädynastischen Zeit (kurz vor 3000 v.Chr.). Die Frauen benutzten sie kaum und die Männer nur ausnahmsweise, zum Beispiel wenn sie einen Besuch machen mußten. Höhergestellte Personen ließen sich von einem Diener begleiten, der die Sandalen trug, damit sie am Ziel angezogen werden konnten.
Im Mittleren Reich besaßen nur die Armen keine Sandalen, die anderen trugen sie immer in der Hand und zogen sie erst an, wenn sie das Ziel ihres Weges erreicht hatten.

Foto: Anja Semling. British Museum, London

Sandalen mit gebogener Spitze aus Naturfasern

Foto: Anja Semling. British Museum, London

Einfache Sandalen aus Naturfasern

Sandalen wurden aus feingegerbtem Leder, Palmblattstreifen oder aus diversen Pflanzenfasern hergestellt. Die Sandalen bestanden aus einer einfachen Sohle aus Palmenrinde, Papyrus-Fasern oder seltener aus Leder, an die zwei oder drei Riemen befestigt waren. Bei Königen wieß eine gebogene Spitze nach oben.
Pflanzliche Materialien zur Herstellung von Sandalen: Papyrus, Palmfasern, Schilf und verschiedene Gräser.


Aufbewahrung der Kleidung

Kleidung hatte sich dank des besonders trockenen Klimas in Ägypten erhalten. Für die Stoffe stand als Material vor allem Flachs zur Verfügung, der versponnen und gewebt werden konnte.


Kleidung wurde in Kisten und schön geflochtenen Körben aufbewahrt – oder auch in reich verzierten Truhen verstaut; diese konnten sich allerdings wohl nur die reichen Leute leisten.

Abb. oben: Zwei schöne Truhen aus Holz. Dargestellt auf einer Wandmalerei (Ausschnitt). Für den Adligen Nebamun, der im Neuen Reich lebte, wurden sie mit ins Grab gegeben – für sein Weiterleben im Jenseits. Die Truhen erfüllten im jenseitigen Leben des Verstorbenen die gleiche Aufgabe für die Kleidungsstücke, wie im Diesseits

Perücken & Frisuren

Eine besondere Eigenart der Ägypter war es, in der Öffentlichkeit Perücken zu tragen, deren meist lange Lockensträhnen bis auf die Brust herunterhingen.
Der Perückenmacher war ein eigener Beruf, und es bedurfte großer Kunstfertigkeit, diesen Kopfschmuck herzustellen und zu pflegen.


Er wurde aus Menschenhaar angefertigt, das zuweilen mit Pflanzenfasern und Tierhaaren »gestreckt« und mit Bienenwachs in der richtigen Form gehalten wurde. Die Frisuren waren außerordentlich aufwändig. Es gehörten komplizierte Flecht- und Verwebtechniken mit Schmuck und Tonperlen dazu, die großes Geschick erforderten. Aus künstlichen Haarteilen formte man fantastische Haartrachen und Perücken. Diese dienten als Schmuck und ebenso als Statussymbol, der Träger. Junge Männer trugen an den Seiten lange Locken; auf königlichen Häuptern waren diese das Zeichen des Kronprinzen.

Abb. oben rechts: Staue einer Königin mit Perücke.
(Foto: AS, Copyright British Museum)

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