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Religion & Glaube > Totenkult > Grab & Sarg

Grab – "Haus für die Ewigkeit"

Das Grab im alten Ägypten war eine Ruhestätte des Leichnams und Ort seines kultischen Dienstes – sowie auch Verehrungsstätte nicht-körperlicher Erscheinungen des Toten. (Jan Assmann)
Bevor der Verstorbene in sein Grab überführt wurde, unterzogen die Einbalsamierer ihn einer aufwändigen Mumifizierung. Des Weiteren wurde dafür gesorgt, dass der künstlich erhaltene Leichnam mittels Einbandagierungen, Amuletten, Särgen, Totensprüchen und rituellen Handlungen für ein Leben im Jenseits gut vorbereitet war.
Nach der sogenannten Mundöffnung (= Belebung der Sinne) legten die Bestatter den Sarg mit der Mumie in das vorbereitete Grab.

Als ewiger Aufenthaltsort des Verstorbenen, ausgestattet mit allen Dingen die ein jenseitiges Leben ermöglichen sollten, wurde das Grab im Alten Ägypten seit jeher verstanden.

Abb. links: Wandmalerei in einem Privatgrab in West-Theben. Grab des Sennedjem. (Foto: Elvira Kronlob)


Das Grab war eine der wesentlichsten Komponenten im altägyptischen Totenkult. Da der Verstorbene im Jenseits weiterlebte, bedurfte es einer Wohnstätte wie im diesseitigen Leben. Je nach Zeitepoche und Rang des Verstorbenen unterschieden sich die Gräber, die noch zu Lebzeiten der späteren Besitzer, extra gebaut und eingerichtet worden waren. Die Grabstätten unterschieden sich in Größe und Ausstattung; die größten Gräber hatten natürlich die Könige!

Die Könige und die reiche Oberschicht (Wesire, Adelige, Beamte, Priester hohen Ranges) ließen sich große und prächtige Gräber bauen. Im Alten Reich waren dies zunächst die Mastabas und dann die gigantischen Pyramiden – für die Könige. Denen folgten Grabmäler, die an kleine Tempel erinnerten und danach die Felsgräber in welche die Mumien in einem Schacht oder in einem separaten Raum in der Verlängerung des Eingangs lagen, tief im Felsgestein.

Verschiedene Grablegen:

Mastaba (Frühzeit)

Pyramide (Altes Reich)

Felsengrab (Neues Reich)


Arme Leute konnten sich nur schlichte Gräber leisten. Dies waren einfache Hütten aus Lehmziegel auf Friedhöfen, die auf der westlichen Seite des Nils lagen und auch ganz in der Nähe der Städte und Dörfer. Die Verstorbenen wurden in Matten aus Naturfasern eingewickelt. Jene Familien, die sich noch nicht einmal solch ein Begräbnis leisten konnten, begruben ihre Toten im Hof oder unter dem Fußboden ihrer Häuser.
Im Neuen Reich zur Zeit als die Könige ihre prächtigen Gräber im Felsengebirge im sogenannten Tal der Könige errichten ließen, erschufen sich gleichzeitig auch die Arbeiter und Handwerker von Deir el-Medine (Arbeitersiedlung) ihre eigenen Gräberbauten.

In der 18. Dynastie sowie in der 19. Dynastie, mit einer kleinen Pyramide als Oberbau (Abb. rechts). Die Gräberbauten selbst waren viel kleiner als jene der Beamtengräber oder gar der Pharaonen. Aber sie waren oft reich dekoriert mit herrlichen Wandmalereien.

Abb. links: Grabeingang – Oberbau in Pyramidenform eines Privatgrabes, darunter die Grabkammer, Schächte und ggf. weitere Kammern
Deir el-Medine, Theben-West (Foto: Elvira Kronlob)


Das sogenannte "Tal der Könige" beherbergt zahlreiche solcher Grabtypen. Die ersten königlichen Felsgräber waren noch sehr bescheiden, im Laufe der Zeit entstanden aber systematisch erweiterte Anlagen. Für den Bau dieser Gräber wurde eine Arbeitersiedlung gegründet, die nichts anderes tat, als solche aufwändigen Gräber zu errichten.

Abb. oben: Skizze eines Königsgrabes beim Tal der Könige (im West Valley 23, König Eje).

Der Grundaufbau ist in dieser länglichen Form oft im Tal der Könige vorzufinden, wo viele der Königsgräber des Neuen Reichs liegen. Diese Ruhestätten sind unterirdisch angelegt und haben keinen Oberbau, weil die Gräber vor Grabräubern unentdeckt bleiben sollten. Trotzdem wurden die Gräber gefunden und viele ausgeraubt.
Als sich die Pharaonen des Neuen Reiches im Tal der Könige – in den Felsgräbern – bestatten ließen, errichteten sie ihre Totentempel am Westufer des Nils. Die Totentempel der thebanischen Nekropole sind noch die einzigen gut erhaltenen heutzutage.


Grabausstattung – ritueller Art und Hausrat:

Die Ausstattungselemente der herrschaftlichen Gräber waren wie folgt: ein Sarkophag in dem die Mumie lag, Uschebtis (dienten dem Verstorbenen im Jenseits), Opfertafel (darauf wurden die Totenopfer dargebracht), Kanopen für die Eingeweide, Grabstatue des Verstorbenen, Formeln aus den Jenseitsbüchern, Schutzamulette sowie Gebrauchsgegenstände aus dem Diesseits, die der Verstorbene schon benutzt hatte (Möbel, Spiele, Kleidung, Instrumente, Schreibzeug u.a.). Auch Speisen waren Bestandteil der Grabausstattung.
In den Königsgräbern finden sich farbenprächtige Wanddekorationen, die sich nicht nur von den rangniedrigeren Angehörigen des Königshauses abheben, sondern auch eine visuelle Darstellung des Jenseits zeigen. Königliche Gräber unterscheiden sich auch bezüglich ihrer Form und Beigaben von nicht-königlichen. In den Gräbern der Noblen finden sich herrliche Wandmalereien, die Darstellungen von Alltagsaktivitäten im alten Ägypten zeigen, wie z.B.: Jagd, Fischfang, Landwirtschaft.

Abb. oben: Ausschnitt einer Wandmalerei in einem nicht-königlichen Grab. Das Grab gehört zum Wesir Ramose, 18. Dynastie, Neues Reich.
Die Abbildung zeigt einen Leichenzug, wie Männer zahlreiche Grabbeigaben (Liege, Truhen, Stuhl, Gefäße) aus dem Diesseits für das nun folgende Leben im Jenseits ins Grab transportieren, damit der "Tote" diese auch weiterhin verwenden konnte. Im oberen Register in der malerischen Darstellung ist noch halbwegs zu erkennen, dass sich ein großer Sargschlitten mit Sarkophag, gezogen von Personen oder Ochsen (?), zur Grabstätte hin bewegt. – (Foto: Elke Bassler)

Eine der wesentlichsten Grabbeigaben in einem ägyptischen Grab war das sogenannte Uschebti – was soviel heißt wie: Antworter oder Antwortgeber.

Foto: Anja Semling

Es war eine Art magische Dienerstatuette, die man dem Toten mit ins Grab legte, und für den Fall dass der Verstorbene zur Arbeit gerufen wurde, statt seiner antwortete und die Arbeit verrichtete. Uschebtis waren auch Abbilder des Toten mit Namens-Inschriften. Es gab sie von kleinem Format bis hin zu Statuettengröße. Manche Verstorbene hatten Uschebti-Figürchen für jeden einzelnen Tag des Jahres.

Abb. links: bemalte und glasierte Uschebtis.
British Museum, London (Foto: Anja Semling)


Uschebtis variierten in der Größe und Farbe, und sie konnten reich beschriftet sein mit magischen Sprüchen oder einfach inschriftenlos. Da die Ägypter sich kein Paradies wünschten in dem man sich genauso abmühte wie im Diesseits ist die Idee entstanden, das Grab mit magischen Dienern zu bevölkern, die den Verstorbenen in die andere Welt begleiteten und sich um alle mühsamen Arbeiten kümmerten: die Uschebti.

Sarg und Sarkophag

Der Sarkophag nahm den wichtigsten Platz im ägyptischen Begräbnis ein. Er stand im Zentrum, denn er war die Wohnung des Verstorbenen, und die mystische Bedeutung, die ihm die Ägypter zuschrieben, zeigt sich in dem Namen, den sie ihm gaben: Neb Anch = Herr des Lebens.

Abb. oben: massiver Sarkophag aus Granitstein.
British Museum, London (Foto: Anja Semling)

In solch' mächtigen Sarkophagen wurde Könige samt ihren Särgen, bestattet. Der jung verstorbene König Tutanchamun beispielsweise war in einem aus Rosengranit gearbeiteten Sarkophag sowie in drei ineinander geschachtelten anthropoiden Särgen beerdigt worden. Und als weiteren Schutz um das gigantische Sargensemble, noch drei Schreine.

In der prädynastischen Zeit erschienen die ersten Sarkophage aus gebranntem Ton oder aus Holzbrettern, die auf die Särge aus Weidengeflecht folgten, die selbst wieder die Matten oder Tierfelle ersetzten, in die man die Toten der früheren prädynastischen Zeit eingewickelt hatte. Während der ganzen geschichtlichen Zeit benutzten die Armen weiter diese billigen Sarkophage, die jedoch ihren oberflächlich mumifizierten Körper recht gut schützte.

Erst in den großen Gräbern des Alten Reiches erscheinen Sarkophage aus Stein, Granit oder Kalkstein. Diese waren große Wannen mit kahlen und gut polierten Wänden, von rechteckiger Form, mit scharfen Kanten, verschlossen durch einen flachen Deckel.

Im Mittleren Reich wurden die Sarkophage dekoriert und mit Hieroglyphen übersät. Im Neuen Reich verlor die Dekoration an Gewicht und es entwickelte sich eine große Freiheit in geometrischen Motiven.

In dieser Epoche entwickelten sich die anthropoiden (menschengestaltig), reich verzierten und mit Vignetten des Totenbuches dekorierten Särge. Diese wurden ineinander geschachtelt, und für die Herrscher wurden sie zuletzt in einen riesigen Steinsarkophag (Abb. oben) gelegt. Bekanntes Beispiel hierzu sind die Särge des Tutanchamun.

Abb. links: reich dekorierter menschengestaltiger Sarg. Frühe 22. Dynastie.
British Museum, London (Foto: Anja Semling)


Die Forscher fanden sogar Sarkophage die noch verschlossen waren, und trotzdem leer gewesen sind. Zum Beispiel jener des Königs Sechemchet aus der 3. Dynastie (Altes Reich), in seiner zerfallenen Pyramide im unterirdischen Teil. Es ist und bleibt wohl ein Rätsel warum der Sarkophag leer war.

Viele Sarkophage sind dekoriert mit Hieroglyphen-Inschriften, die dem Verstorbenen bei der Reise ins Jenseits behilflich sein sollten, bzw. die Botschaften, die im Text enthalten sind. Praktische Hilfen und magische Unterstützung sollten sie im Jenseits gewähren, die Versorgung und das Weiterleben sichern sowie den "Toten" vor möglichen Gefahren bewahren. Diese Beschwörungen und magischen Texte sowie einige Hymnen sollten den seligen Toten im Jenseits beschützen.

Bemalte Sargwanne aus Holz, Mittleres Reich

Der Sarg des Gua. Aus Bersha. British Museum, London.

Abb. oben: Der Holzsarg des Gua. Aus Bersha. British Museum, London.
(Foto: Jon Bodsworth)


Nachdem die Ägypter in den Pyramiden-Gräbern die Wände mit Hieroglyphen beschrifteten um dem verstorbenen Pharao auf seiner Reise im Jenseits Schutz und Hilfe (magische Formlen, Hymnen, etc) zu gewähren, folgten im Mittleren Reich – wo auch Privatpersonen an der Wiedergeburt teilhaben durften – die (Holz-)Kastensärge, mit Inschriften dekoriert; für jene die es sich leisten konnten so bestattet zu werden.

Nachdem der Verstorbene einbalsamiert und für's Jenseits zurecht gemacht wurde, begannen die Feierlichkeiten für die Bestattung der Mumie, bzw. für den ins Reich des Osiris eingekehrten "Toten", sofern dieser das Totengericht, welches ihn noch erwartete, bestand.
Am anderen Nilufer angekommen, stellte man den Sarkophag sodann auf einen Schlitten, der üblicherweise von Ochsen gezogen wurde. Vor und hinter dem Sarkophag nahmen zwei Klagefrauen ihren Platz ein, die rituelle Klagen ausriefen und so die Göttinnen Isis und Nephthys imitierten. Um den Sarkophag herum schritten die Totenpriester, die dem Verstorbenen räucherten, wobei sie ihm zu Ehren Hymnen rezitierten. Schließlich kamen die Männer der Familie und die Freunde des Verstorbenen, danach die Frauen, die den Zug mit ihren Klagerufen begleiteten.

Buch-Tipp

  • Für die Ewigkeit geschaffen
    Die Särge des Imeni und der Geheset
  • von Daniel Polz (Hrsg.)
  • Verlag: Philipp von Zabern
  • Umfang: 139 Seiten
  • gebundenes Buch
  • 10 Schwarzweiß- und
    170 Farbabbildungen
  • mit DVD-ROM
  • Erscheinungsdatum: 2007
  • ISBN: 978-3805337946
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In aller Kürze: spannende und lehrreiche Dokumentation über eine archäologische Ausgrabung heutzutage – in Dra Abu el-Naga (Theben-West).
"Nahezu perfekt erhalten" – so beschreiben einleitende Worte vorliegenden Buches mit dem Titel »Für die Ewigkeit geschaffen« zwei reich dekorierte Holzsärge, die Gegenstand dieser beeindruckenden Dokumentation sind. Aufgrund der zahlreichen Abbildungen, die unterschiedliche Ansichten und Ausschnitte dieser beiden Särge im Textbildband zeigen, gewinnt der Leser vielfältige Einblicke, insbesondere zur farbenprächtigen und hervorragend erhalten gebliebenen Dekoration.
Der im Jahre 2007 im Verlag 'Philipp von Zabern' erschienene Band, erzählt die ganze Entdeckungsgeschichte dieser beiden Holzsärge. Dieser Band ist bewußt für ein breites Lesepublikum veröffentlicht worden; außerdem ist dies die erste publizierte Zusammenfassung, zum bereits im Jahre 2004 entdeckten Sarg-Ensemble. Gefunden von Archäologen des Deutschen Archäologischen Institus Kairo (DAIK), im Grabungsfeld Dra' Abu el-Naga – nördlicher Teil der ausgedehnten Nekropole gegenüber dem heutigen Luxor (in der Antike die Hauptstadt Theben/Waset). Dieses Gebiet liegt etwa 700 Kilometer von Kairo entfernt.

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