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Berufe im Alten Ägypten

Berufe des Volkes – Beamtentum, Priestertum, Bürgertum:

  • Beamter (der wichtigste: Wesir), General, Soldat.
  • Priester: Hohepriester, wab-priester, Totenpriester, u.a.
  • Handwerker in den Palästen, Tempeln, Gräbern und auf Bauplätzen: Zimmerleute, Steinmetze, Tischler, Bildhauer, Maler, Metallarbeiter, Schreiner, Bauleiter.
  • Am Hofe: Goldschmiede, Juweliere, Möbeltischler, Schreiber, Lehrer, Dichter, Musikant, Sänger, Tänzer, Akrobat, Gärtner, Fleischer, Schlachter, Koch, DienerInnen (die verschiedene Tätigkeiten ausführten).
  • Bäcker, Händler, Weber, Müller, Weinbauer, Schuster, Schilfrohrschneider, Töpfer, Wäscher (am Nil), Perückenmacher, Friseure, Kosmetiker, Viehzüchter, Schiffsbauer, Bergbauer, Hirte, Papyri-Hersteller, Polizist, Vogelfänger.
  • Einbalsamierer, Ärzte (oft Priester)
  • Traumdeuter (Neues Reich, Spätzeit)
  • Eine sehr große Anzahl Bauern (eher kein Beruf, sondern Pflicht und lebensnotwendig beim armen Volk).

Allgemeines

Seinen Reichtum verdankte das Land am Nil vor allem dem aus der Landbevölkerung herausgepreßten Natural-Abgaben. Die Bergwerke waren staatseigene Betriebe, Landwirtschaft und Handel unterstanden meist den Tempeln, der Staat setzte die Preise fest, regelte den Handel mit den Nachbarn, und während des Alten Reichs trieb sogar der Pharao selbst die Steuern ein.
Im Alten Ägypten gab es die unterschiedlichsten Berufe. Je nach Status in der Gesellschafts-Hierarchie war es dem einen geglückt einen ansehnlichen Beruf, wie z.B. der des Schreibers oder des Hofbeamten auszuüben.

Oder aber Zeit seines Lebens als einfacher Bauer sein Dasein zu fristen; wobei die Bauern in der Tat kein besonders angenehmes Leben führten: nie enden wollende Schwerstarbeit, jämmerliche Löhne, im schlimmsten Falle Hunger und Krankheit, erbärmliche Lebensbedingungen, tyrannische Herren, drückende Steuerlasten und Entbehrungen.

Abb. links: Basalt-Sitzstatue des Beamten Wahibre. Er hält einen kleinen Naos mit einer Osiris-Figur in den Händen. Der Beamte Wahibre bekleidete mehrere Ämter. 26. Dynastie, Spätzeit.
British Museum, London (Foto: Anja Semling)


Während des ganzen pharaonischen Ägyptens, kamen auch immer wieder neue Berufe hinzu, denn im Alten Reich war das Staatswesen lange nicht so komplex wie später im Neuen Reich. Auch die Schrift entwickelte sich stets weiter und die Schreiber lernten immer mehr Hieroglyphen dazu. Verallgemeinert kann man wohl sagen, dass sich die großen Berufsgruppen wie folgt zusammensetzten: es gab eine große Anzahl an Priestern, eine nicht minder hohe Anzahl an Beamten – wobei oft ein Beamter auch ein Priester war und umgekehrt.

Dann gab es die große Gruppe der Handwerker, welche die Bauten und zahlreichen Objekte erschufen, die noch heute ihre meisterliche Handwerkskunst demonstrieren. Gerade in dem Bereich der Schmuckherstellung sowie der Erschaffung von Statuen, Reliefs und Plastiken, waren die alten Ägypter wahre Künstler.

Sehr hart traf es die Bergbauarbeiter, denn sie schufteten wohl wirklich extrem unter der sengenden Sonne Ägyptens, sorgten aber dafür, dass eine Unmenge an Baumaterial aus Stein (Granit, Alabaster, Kalkstein, Diorit u.a.) zu den Baustellen abtransportiert werden konnte. Um weitere Tempel, Pyramiden, Obelisken oder Riesenstatuen für die Pharaonen und die Götter zu errichten.

Eine große Anzahl der ägyptischen Bevölkerung waren natürlich die Bauern, welche dem Staat ihre Steuern in Form von Naturalien abgeben mussten; auch ihren kleinen Lohn bekamen sie in Naturalien ausbezahlt.

War die Ernte eingebracht wurde der Bauer aber oft umgehend zu einer Großbaustelle des Pharaos abkommandiert. Viele Bauern hatten Frondienste (unbezahlte Zwangsarbeit) zu leisten.

Im Neuen Reiche trug es sich zu, dass es dem Lande unter der Herrschaft Ramses' III. schon so "schlecht" ging, dass die Arbeiter einen Streik anzettelten, den ersten Streik in der Geschichte der Menschheit.


Ein Beamtenhaushalt beschäftigte Diener und Dienerinnen, die bestimmte Tätigkeiten ausübten, für die sie ausgebildet waren. Frauen dienten z.B. als Kammermädchen, spielten im Alltag auf der Harfe oder Flöte, tanzten bei Anlässen, wuschen die Wäsche, backten, kochten oder arbeiteten auf dem Feld. Viele der Diener waren auch als Hirten oder Feldarbeiter beschäftigt. Auf dem Feld gabs vor allem während der Erntezeit sehr viel zu tun. Viele ägyptische Diener waren kriegsgefangene Asiaten oder Nubier.

Andere die bei einem reichen Beamten arbeiteten holten die Weinlese ein und verarbeiteten diese zu Wein. Abbildung rechts.


Da der königliche Hof ein großer Komplex war, vor allem im Neuen Reiche, fanden sich auch dort zahlreiche Bewohner mit den unterschiedlichsten Berufen und Aufgaben. Der ganze Haushalt des Pharaos und seiner Gefolgschaft musste ja erhalten und gepflegt werden. Tempelschaften und deren Besitztum sowie große Ländereien, die von Beamten geführt wurden, und auch weiterhin zum "Besitz" des Pharaos, bzw. des Staates, gehörten, unterhielten ebenso ein großes Personal (Diener, Koch, Gärtner etc.) welches spezifische Tätigkeite ausübte.
Es gab aber auch zahlreiche freie Berufe, die nicht an ein Besitztum gebunden waren, sondern dem allgemeinen Volke, vorzugsweise in den Städten, dienten.
Eine weitere große Gruppe waren zu allen Zeiten im Alten Ägypten, die Priester, welche auch als Ärzte fungierten. Auch sie hatten ein hohes Ansehen genossen. Auch die Einbalsamierer waren gefragt, denn schließlich wurden all jene Verstorbenen, die es sich leisten konnten zu einer Mumie präpariert, für ihr ewiges Leben im Jenseits. Die Einbalsamierer übten ihre Tätigkeiten ausserhalb der Stadt aus, bzw. am Nilufer (weil dies keine Angelegenheit war, die angenehm roch) und sie hatten ein eigens dafür errichtetes "Zelt" das sogenannte Wabet.

Aus der Lehre des Cheti für seinen Sohn namens Pepi:
(Anmerkung: Die Verse dürften sehr subjektiver Wahrnehmung sein)

[…]
Jeder Holzarbeiter, der den Dechsel führt, der ist müder als ein Bauer auf dem Feld.
Sein Acker ist das Holz, seine Hacke die Bronzeaxt.
Es gibt keinen Feierabend für ihn.

Der Töpfer ist bereits unter der Erde, obwohl er noch am Leben ist.
Er wühlt sich in den Sumpfboden mehr als die Schweine,
um seine Töpfe brennen zu können.
Seine Kleidung ist steif vom Schlamm, sein Gürtel nur ein Fetzen.

Ich erzähle dir auch noch von dem Maurer:
Seine Nieren sind krank, da er ständig draußen im stürmischen Wind sein muß.
Er mauert ohne Bekleidung, sein Schurz ist ein Strick aus der Weberei,
nur eine Schnur für den Hintern.

Der Mattenhersteller in der Webstube; ihm geht es schlechter
als einer gebärenden Frau, denn seine Knie drücken auf seinen Magen,
und er bekommt keine Luft.

Dem Schuster, geht es sehr elend, unter seinen Ölbottichen bis in Ewigkeit.
Ihm ist wohl, sofern einem unter Leichen wohl ist;
was er beißt ist hartes Leder!

Ich spreche dir auch noch vom Fischer:
er ist elender dran als alle anderen Berufe. Seine Arbeit findet auf dem Fluß statt,
in dem es vor Krokodilen nur so wimmelt.

Merke dir:
Es gibt keinen Beruf ohne einen Vorgesetzten, außer dem des Schreibers –
denn dieser ist selbst sein eigener Vorgesetzter!«


Schreiber

Die Schreiber waren die Privilegierten der ägyptischen Gesellschaft. In einem Land in dem nur wenige Menschen lesen und schreiben konnten, war das Beherrschen der Schrift mit großem Prestige verbunden.

Einem Schreiber war es möglich im Dienste des Pharaos einen angesehenen Beruf zu ergreifen. Von allen Berufen war der des Schreibers einer der ehrenvollsten – wenigstens auf dem tiefsten Niveau der Verwaltungshierachie.

Abb. inks: Schreiberfigur des Gauverwalters Henka. Kalkstein. 5. Dynastie, um 2450 v.Chr. Mit Papyrusblatt als Beschreibstoff auf dem Schoß. Der Schreiberberuf war einer der angesehendsten während der gesamten pharaonischen Zeit. (Zeichnung: AS)


Schreibzeug: Das Handwerkszeug eines Schreibers war klein und leicht. Es bestand aus drei Teilen: einem Behälter mit Schreibbinsen (Binsenköcher), einer meist rechteckigen Palette aus Stein oder Holz, auf deren Oberseite sich zwei Vertiefungen für rote und schwarze Farbe befanden, und einem kleinen Beutel, in dem man die Farbbrocken aufbewahrte. Dieses dreiteilige Schreibzeug wurde ab dem Mittleren Reich modernisiert, das wichtigste Utensil war eine hölzerne Palette mit integriertem Binsenbehälter. Wie die alten Paletten enthielten auch die modernen auf ihrer Oberseite zwei Näpfe für die beiden zum Schreiben nötigen Farben.

Abb. rechts: Feder- und Tuschebehälter aus Holz und Leder (links); Doppelnapf zum Anrühren der Tusche, aus Fayence. Griechisch-Römische Zeit.

»Auf das Schreiben sollst du deine Gedanken richten ...
Ich kenne keinen Beruf, der (mit dem des Schreibers)
zu vergleichen wäre...
Ich werde dich die Bücher lieben lehren mehr als deine Mutter,
und ich werde ihre Vortrefflichkeit vor dir ausbreiten.«


Wesir (Beamter)

Höchster Verwaltungsbeamter im Staate Pharaos

Höchste Kontrollinstanz, Oberster Richter, Innenminister, Wirtschaftsminister, Finanzminister, Polizeipräsident, Oberster Bauleiter.

Der Wesir unterstand nur dem König. Bei ihm flossen die Fäden aller Bereiche der Reichsverwaltung zusammen. Der Wesir führte auch die Oberaufsicht über das Militär im administrativen Bereich, ohne im Kriegsfall eine aktive militärische Funktion auszuüben. Kurzum, der Wesir hatte einen vielfältigen Aufgabenbereich. Die Ursprünge dieses Amtes des Wesirs lassen sich bis in die 2. Dynastie zurückverfolgen. Der Begriff "Wesir" tritt aber erst im Alten Reich, in der 4. Dynastie, in Erscheinung. Im Alten Reich fungierten zunächst lediglich Mitglieder der Königsfamilie als Wesir. Seit dem Ende des Alten Reiches und im Mittleren Reich wählte der König den Wesir aus dem Kreise seiner Vertrauten aus.
Amtskleidung des Wesirs: einfacher, gerade geschnittener Rock, der von den Fußknöcheln bis unter die Arme reichte und von zwei Bändern im Nacken gehalten wurde, ein Amtsstab oder ein "Cherep-Zepter" und ein kleines Bildnis der Göttin Maat an einer Kette. (Maat = die göttliche Weltenordnung, Gerechtigkeit und Wahrheit.)

Bauern

Von der unteren sozialen Schicht waren die meisten Ägypter Bauern

Diese waren sicherlich keine Sklaven, sondern freie Bauern, die das Land der Beamten, der Tempel oder das des Pharao bewirtschafteten. Der Löwenanteil des Weizens, der Gerste und des Flaches, den sie produzierten, mußten sie ihren Pachtherren abliefern. Für sie selbst blieb nur ein geringer Teil übrig. Was sie und ihre Familie nicht verbrauchten, konnten sie gegen bescheidene Luxusgegenstände wie eine kleine Statue oder ein Amulett eintauschen. Auf jeden Fall waren sie in der glücklichen Lage, auch in Notzeiten nicht immer Hunger leiden zu müssen.

Abb. oben: Oberes Register: Frauen und Männer bei der Feldarbeit. Unteres Register: Schreiber, die das Ernteergebnis aufschreiben. Wandszenen aus dem Grab des Menna (TT 69). Neues Reich. (Foto: Elvira Kronlob)


Im großen und ganzen war ihr Leben eine eintönige Angelegenheit. Sie breiteten den frischen Schlick des Flusses auf den Feldern aus, pflügten und säten auf diesen, schafften Wasser zur Bewässerung herbei, ernteten, droschen, lieferten Getreide in den Speicher, reparierten die Deiche und reinigten verstopfte Kanäle während der Trockenzeit.

Abb. links: ein Paar – Mann und seine Frau – das auf dem Feld arbeitet. Er schneidet die Ähren, sie hilft ihm dabei. Szene aus einer Wandmalerei in einem Grab.


In der Flutzeit wurden sie in der Regel zu den vielen Bauplätzen des Pharao gerufen. Im Grunde waren die Bauern von den Herren abhängig, denen das Land gehörte. Ihr Los war die Routine des bäuerlichen Lebens, das dem Bauern in den anderen Ländern glich, aber durch den heiteren Himmel und das angenehme Klima Ägyptens mehr als anderswo erleichtert wurde. Sie müssen froher Natur gewesen sein und sehr fleißig, nach überlieferten Inschriften und Malereien in Gräbern, die von ihren Herren dort angebracht worden sind (wobei diese Malereien oft idealisiert sind). Die Routine ihres Lebens wurde durch regelmäßig wiederkehrende Abwechslungen unterbrochen. Die Flutzeit war auch die Zeit der religiösen Feste.

Über das Säen und Ernten im alten Ägypten
Ägyptens Fruchtlandstreifen war für den Getreideanbau bestens geschaffen; und wie man aus Abbildungen verschiedener Zeitepochen im alten Ägypten, die Feldarbeit darstellen, ersehen kann, waren die damaligen Arbeitsgeräte für die Feldarbeiten den heutigen fast gleich.


Grabmalereien, auch Papyri, zeigen Schritt für Schritt, wie Getreide angebaut wurde:

  • Nachdem die Saat im Nilschlamm ausgesät war, trieb man Schafe über die Äcker, damit sie die Körner eintraten. (Abbildung oben)
  • War das Getreide reif, kamen Aufseher mit Meßstricken (ein langes Seil oder Strick), um die Höhen der Abgaben festzusetzen; in der gesamten pharaonischen Zeit wurde Weizen hoch besteuert.
  • Danach schnitten die Männer mit Sicheln die Ähren ab und warfen sie in die Körbe und Netze, die zur Tenne gebracht wurden. Die Körbe waren sehr groß, zwei Mann trugen je einen an einem Stock befestigt, übers Feld.
  • Die mit Rufen und Stöcken angetriebenen Ochsen oder Esel traten das Korn aus. Männer schoben mit hölzernen Gabeln von den aufgeschütteten Haufen immer wieder Ähren unter die Hufe nach.
    Dann wurde geworfelt (worfeln = Getreidekörner von der Spreu trennen), wobei man das Haar mit Kopftüchern vor dem aufgwirbelten Staub schützte. Das Getreide wurde mit hölzernen Kellen in die Luft geworfen, um die Spreu von den Körnern zu trennen.
  • Proben des gesäuberten Korns wurden dem Herrn zur Prüfung vorgelegt, dann wurde es mengenmäßig registriert und zum Kornspeicher gebracht.

Das Getreide, das der Herstellung von Brot diente, und die Gerste, die zum Bier brauen benutzt wurde, waren die Grundnahrungsmittel der Ägypter und der Getreideanbau ihr größter Reichtum.

Antike Werkzeuge

Meißel

Dechsel

Hammer (Schlegel)

Säge


Handwerker

Schutzpatron der Handwerker war der Gott Ptah

Ägypter arbeiteten beispielsweise als Maurer, Maler, Steinmetze oder Zimmerleute wenn sie auf Bauplätzen tätig waren. Während der Pyramidenzeit im Alten Reich gab es ausgebildete Kräfte und solche, die bloss saisonweise auf den Pyramidenbauplätzen schufteten. Diejenigen die ganzjährig an den Pyramiden tätig waren, aber wohl auch die Saisonkräfte, lebten in unmittelbarer Nähe, z.B. in einem Dorf. Bei Giseh entdeckten die Wissenschaftler vor noch nicht allzu langer Zeit, Gräber der Baumeister und Arbeiter, welche die Pyramiden dort errichtet haben.

Das Arbeiterdorf Deir el-Medine (heutiger Name), das am Eingang zum Tal der Könige (Nekropole) aus dem Neuen Reich, ausgegraben wurde, beherbergte einst zahlreiche Handwerker und Künstler, die die Gräber für die Pharaonen im Tal der Könige bauten und ausschmückten. Das Dorf wurde vermutlich unter König Amenophis I. gegründet und stets erweitert (bis zur Ramessidenzeit). Diese eigentlich nicht armen Arbeiter hatten eine 10-Tage-Woche und während sie im Tal der Könige ihre Arbeit verrichteten, lebten sie nicht mit ihrer Familie im Arbeiterdorf, sondern direkt bei den Gräbern. Natürlich wurde all dies strengstens beaufsichtigt, wer wann ein und aus ging, da Grabräuber immer wieder ihr Unwesen trieben. Diese Handwerker gingen auch privaten Tätigkeiten nach im handwerklichen Bereich, nämlich sie stellten Körbe, Krüge und Möbelstücke her, die sie an andere verkauften.

Drillbohrer (The British Museum, London. Foto: A. Semling)


Die Handwerker waren stets eine angesehene Berufsgruppe, arbeiteten diese doch meist unter dem Pharao oder eines Lehnsherrn. Mit ihrem auch künstlerischen Geschick und Talent gab es viele, die als Zeichner oder Maler tätig waren, aber auch viele Bildhauer waren zugegen. Diese kann man allgemein als die Künstler unter den Handwerkern bezeichnen. Die zweite Gruppe widmete sich mehr den gröberen Tätigkeiten, wie tischlern, zimmern, sägen, hobeln usw. Diese handwerklichen Fertigkeiten waren unverzichtbar für den Bau von Gräbern, Tempeln und die Pyramiden (im Alten Reich).

Werkzeuge mit denen u.a. die Gräber der Pharaonen errichtet wurden: Dechsel, Meißel, Axt, Schlegel, Polierstein, Säge. (Abbildungen weiter oben und unten)

Quelle und Copyright. Anja Semling


Grafik oben: Aus Kupfer oder aus Dolerit (sehr hartes Gestein) waren die meisten Werkzeuge verfertigt, die benutzt wurden um Stein und Holz zu bearbeiten. Aus Holz waren oft die Griffe der Werkzeuge sowie die meisten Meßinstrumente. Auf Bauplätzen und in Steinbrüchen wurden Metallarbeiter beschäftigt wo sie für den Werkzeugbestand zu sorgen hatten.

Dechsel: zum Glätten von Holz und auch bei der Herstellung von Statuen in Gebrauch; gebräuchlichstes Werkzeug des Zimmermanns.
Axt: Werkzeug in der Schreinerei und für den Schiffsbau für den Holzarbeiter.
Meißel: überwiegend für weiche Steine in der Steinbearbeitung; sogenannte Spitz- und Flachmeißel.
Schlegel: verschiedene Formen: 1. aus Holz in Form einer Glocke mit abgesetztem Griff; verwendet im Holzhandwerk. 2. Ungeschäfteter, eiförmiger Steinhammer in der Metallbearbeitung. 3. mit Schäftung (seltener) in der Steinbearbeitung.
Polierstein: zum Glätten von Stein- und Holzoberflächen.
Säge: in der Holzbearbeitung und auch Steinbearbeitung benutztes Werkzeug. Zwei Formen: 1. Blatt und Griff aus einem Stück. 2. Griff mit Holz verkleidet.

Priester – Diener der Götter

Altägyptisch: hem netscher = Priester, "Diener" der Gottheit
(Femininum:) hemet netscher = Priesterin, "Dienerin" der Gottheit

Abb. links: Priester mit Leopardenfell, ein Hinweis auf einen hohen Rang im Priestertum. Solche Priester führten Tempelrituale durch. Priester hatten immer eine Glatze. Statue aus Diorit, Spätzeit.
(© Foto: The Art Walters Museum, Baltimore)


Im alten Ägypten predigte der Priester nicht und er wachte auch nicht über die öffentliche Moral, noch nicht einmal war er bestrebt, Gläubige um sich zu scharen. Er folgte den Interessen der Gottheit, der er diente und seinen eigenen. Ein Priester war ein "Diener der Gottheit" (hem-netjer) und sollte der Gottheit sowie ihrem Haus zur Verfügung stehen. Er musste den Tempel und die göttlichen Insignien von jedem Schmutz rein halten und er musste die im Dunkel des Allerheiligsten eingeschlossene Statue vor den Blicken der Unreinen schützen. Ebenso musste der Priester den Opferdienst verrichten und das Ritual des Götterkultes vollziehen. So konnte der Gott und sein Tempel ihrer Funktion nachkommen.

Das Priestertum umfasste verschiedene Mitglieder, die man als Priester bezeichnen kann: da gab es die Totenpriester, die Priester für die Mumifizierung und solche, die bei Begräbnisfeiern auftraten. Das geweihte Personal (Priesterschaften) der Göttertempel bestand aus sogenannten "Propheten" oder auch Gottesdiener (– hemu netscher) – genannt, welche die hohe Priesterschaft bildeten an deren Spitze der Hohepriester ("erste Prophet") stand, dann den Priestern der niedrigen Priesterschaft, den Stundenpriestern und dem weiblichen Personal.

Zu den Aufgaben des Hohepriesters, der nach dem Willen des Pharaos ausgewählt wurde, zählte die Durchführung der Kultfeiern im Namen des Königs und die Oberaufsicht über die Verwaltung der Tempelgüter. Seine Stellvertreter war der zweite Prophet, welcher von dem dritten und dem vierten und den einfachen Propheten unterstützt wurde.

Es gab den Sem-Priester, der bei der Begräbnisfeier eine wichtige Rolle spielte: Sem-Priester ist die Bezeichnung des Priesters, der im Königsritual den Thronfolger spielte.

Zu sehen bei Darstellungen des sogenannten Mundöffnungsritual, wobei der Sem-Priester dem verstorbenen Pharao den "Mund öffnete", bzw. magisch dessen Sinne wiederbelebte. Der Sem-Priester trug als Abzeichen seit frühester Zeit ein Pantherfell. Ursprünglich war der Sem-Priester der Königssohn selbst.
Die von ihm durchzuführenden Handlungen wurden im Laufe der Geschichte zu einem Ritual und dadurch seine Person zu einer "Rolle", die von Priestern gespielt werden konnte.

Abb. rechts: Sem-Priester, Priester mit Tierfell und Räucherwerkzeug. Bildausschnitt im Grab des Roy. (Bild: Elvira Kronlob)


Die niedrige Priesterschaft hatte verschiedene Aufgaben: Pflege der Kultinstrumente und der heiligen Gegenstände. Sie hielten den Tempel rein und schminkten und schmückten die Statue des Gottes. Bei Prozessionen trugen sie die Statue des Gottes oder seine heilige Barke.
An der Spitze der niedrigen Priesterschaft standen der Vorsteher der wab-Priester und der große wab-Priester. Nicht alle Priesterschaften im alten Ägypten besaßen einen Hohepriester und wurden deshalb von einem großen wab geleitet.

Die wabu rezitierten Hymnen während kultischer Handlungen bei Zeremonien. Die "Stundenpriester" mußten die Stunden jeder Zeremonie durch Beobachtung der Sterne und des Sonnenlaufes bestimmen.
Viele Priester nahmen nur während eines Monats ihre religiösen Pflichten wahr und lebten in der restlichen Zeit wie gewöhnliche Bürger.
Das weibliche Tempelpersonal unterstand bis in die Spätzeit, der Königin. In der Spätzeit ersetzte die "Gottesgemahlin des Amun" als stärkstes politisches Amt, die Königin in ihrer Funktion und regierte über die gesamte thebanische Priesterschaft. Die uabut (wabut), zum Tempel gehörige Frauen, formierten eine eigene weibliche Priesterschaft. "Prophetinnen", besonders der Hathor und der Neith, sind seit alters her überliefert. Am zahlreichsten sind zu allen Zeiten Sängerinnen und Musikantinnen im Tempeldienst, und Frauen, die dem Harim eines Gottes angehörten.

Während sakraler Handlungen trugen die Priester vermutlich Tiermasken, wenn sie einen bestimmten Gott darstellten, denn jeder Gott besaß nicht nur menschliche Eigenschaften, sondern auch die jeweiligen Merkmale eines Vogels oder sonstigen Tieres.
Bevor der Priester mit dem Gott, bzw. der Statue des Gottes, in Berührung kam hatte er sich sorfältig zu reinigen. Nur ein kleine Elite-Einheit durfte das Allerheiligste eines Tempels betreten. Um als "rein" im religiösen Sinne gelten zu können, mußte der Priester alle Haare an seinem ganzen Körper abrasiert haben. Auch bestimmte Waschungen waren ein wichtiger Bestandteil der rituellen Reinigung.

Die "Astrologen-Priester" beobachteten nicht etwa den Lauf der Sterne und Planeten, um daraus das irdische Geschehen vorherzusagen, wie dies gewöhnlich unsere heutigen Astrologen tun; die ägyptischen Astrologen-Priester waren vielmehr die Hüter eines mythologischen Kalenders, in dem Verhaltensmaßregeln für jeden einzelnen Tag des Jahres niedergelegt waren. Denn einem jeden Tag war ein Ereignis zugeordnet, von dem es abhing, ob er sich günstig oder ungünstig anließ. Die entsprechenden Ratschläge sagten einem, was man an dem betreffenden Tag am besten tat bzw. nicht tat.


Ärzte – Priesterärzte, Laienärzte, Heilkundige

Die Heilkunde war im Alten Ägypten eng mit dem Glauben an die Magie verknüpft – obwohl man schon mit großem Können und Geschick an die Behandlung physiologischer Leiden äußerlicher Wunden heranging.
Die Ägypter waren das erste Volk, das die Bedeutung des Pulsschlages erkannte und maß. Sie nannten ihn »die Stimme des Herzens«.
Arzt heißt auf Altägyptisch: sunu und Ärztin heißt: sunut.
Der Vorsteher der Ärzte nennt sich: imi-ra sunu

Die Ärzte, die das höchste Ansehen genossen, waren Priester. Da die löwenköpfige Sachmet die Schutzpatronin der Heilkunde war, kamen die Ärzte hauptsächlich aus den Reihen der Sachmet-Priester. Verwunderlich ist allerdings, dass ausgerechnet dieser Göttin diese Funktion zugeschrieben wurde, da sie in allen Epochen des pharaonischen Ägyptens wegen ihres unberechenbaren Zornes gefürchtet war. Die Priester der Sachmet führten oft mehrere Titel, von denen sich einer auf ihre ärztliche Tätigkeit bezog. Nedjemu zum Beispiel hatte den Titel »Oberster Priester der Sachmet« und zugleich »Oberster der Ärzte«.
Während sowohl die Priester-Ärzte als auch die Laienärzte bei der Behandlung von Kranken wissenschaftliche Methoden anwandten und daneben auch Magie zu Hilfe nahmen, arbeitete eine dritte Klasse von Heilkundigen, die keine eigentliche medizinische Ausbildung erfahren hatten, nur mit Zaubersprüchen, Amuletten und anderen Formen der Magie.

Frauen im Beruf

Tätig waren die ägyptischen Frauen vorwiegend im Haus, aber auch außer Haus, wie z.B. Werfen des Getreides auf dem Felde und Dreschen. Das waren reine Frauenarbeiten. Viele Frauen waren auch im Bereich der Kleidungsherstellung in Weberei und Spinnerei tätig. Ebenso in den Bereichen Kosmetik und Schmuckherstellung sowie als Musikantin.

Ein Beamtenhaushalt, auch der königliche Hof, hatte eine Dienerschaft. Einige, die für den Dienst im Haus ausgebildet waren, die Dienerinnen, dienten als Kammermädchen, spielten die Harfe oder Flöte oder warteten den Gästen auf. Weitere wurden auch außerhalb des Hauses beschäftigt. Ihre Aufgaben waren: kochen, backen, waschen oder auch Feldarbeiten.

Abb. links: Frauen aus dem Harem, die keine ranghohe Position inne hatten übten auch solche dienerischen Tätigkeiten aus.
British Museum, London (Foto: Anja Semling)


In dem rein männlichen Bereich der Verwaltung tauchten Frauen nicht auf. Vermutlich hat es keine Beamtinnen gegeben. Anders im religiösen Bereich. Es gab nicht nur Priesterinnen für die weiblichen Gottheiten; Jede vornehme Frau im Neuen Reich trug auch einen Priesterinnentitel. Bei den Männern war es üblich, dass ein Beamter auch irgendwo eine Priesterfunktion bekleidete.

Eine eindeutige Trennung zwischen Beamten und Priestern gab es nicht. Das reine Priestertum taucht erst in der Spätzeit auf.

Abb. rechts: kleine Skulptur, die eine Frau beim Teigrollen zeigt.
(Foto: Anja Semling, Museum Hildesheim)


Ein wichtiges Priesterinnenamt im Neuen Reich war die »Gottesgemahlin des Amun« und wurde von der Gemahlin oder einer Tochter des regierenden Königs ausgeübt. Die Gottesgemahlin übernimmt die gleichen Funktionen wie der Hohepriester und trägt dazu bei, den Gang der Welt zu erhalten. Ihrem Amt gehörte ein ganzer Stab an. Dieses Amt wurde zwischen 700 und 600 v.Chr. so wichtig, dass es das höchste Priesteramt im ganzen Reich darstellte mit enormer politischer Macht.

Auch Ehefrauen übten ihre Berufe aus (sie brauchten keine Erlaubnis von ihrem Ehemann dazu) und waren stets dem Mann als gleichwertiges Wesen gegenübergestellt, was heißen soll, dass die Frauen keinesfalls unterdrückt wurden im Alten Ägypten; obwohl sie trotz allem nicht die gleichen Rechte hatten, je nachdem ob sie aus den unteren, mittleren oder oberen Schichten stammten. Sie besaßen im Grunde eine gewisse Freiheit sowie Eigenständigkeit, wobei sie aber oft auch vom Mann abhängig waren in wirtschaftlicher Hinsicht. Im Hause hatte jeder seinen Bereich oder man bestritt die Haus- und Feldarbeit gemeinsam. Auch außerhalb des eigenen Haushalts waren Frauen tätig, wie oben schon erwähnt. Weitere Infos zu Frauen im Beruf...

Weiter zu Kleidung ...

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