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Stein-Architektur > Pyramiden

Pyramiden – Zeugen für die Ewigkeit

»Die Angst der Welt ist die Zeit. Aber der Zeiten Angst sind die Pyramiden«

Vor etwa 4700 Jahren entstand die erste Pyramide in Ägypten, die Archäologen vor immer neue Rätsel stellte. Was war der eigentliche Zweck dieser monumentalen Denkmäler? Galt der unvorstellbare Aufwand lediglich der Verherrlichung gottähnlicher Herrscher? Der königliche Leichnam in dem Grabmal hielt nach dem Glauben der alten Ägypter das Chaos von der Welt fern.

Abb. links: Die Große Pyramide von Gizeh. Auch genannt Cheops-Pyramide.
Cheops war ein Pharao in der 4.Dynastie zur Zeit des Alten Reichs. Er regierte ca. 2579 - 2556 v.Chr. Und war der Erbauer dieser monumentalen Pyramide aus Stein.
(Foto: Jon Bodsworth)


Die Zeit des Pyramidenbaus für Grabstätten der Pharaonen umfasst die großen Epochen: Altes Reich (3.–6. Dynastie) und Mittleres Reich (12. Dynastie). Jede Pyramide war ein Königsgrab, ein sakrales Bauwerk mit dem Sinn, den für das Überleben des Staates und Volkes notwendigen Gottkönig rituell so beizusetzen, dass er auch aus dem Jenseits weiterhin für Wohl und Wehe des Landes wirken könne. – Die monumentalen Grablegen aus dem Alten Reich der Pharaonen waren die größten Steinbauten der Welt und noch heute faszinieren ihr Ebenmaß, ihre präzise Ausrichtung, ihre perfekte Form. Niemals vorher und niemals danach haben Menschen Bauten wie die Pyramiden errichtet. Das Alte Reich, um 2670 – 2160 v.Chr., ist die produktive Hoch-Zeit des Pyramidenbaus; es gab aber auch danach im sog. Mittleren Reich weitere Pyramidenbauten, allerdings nicht so mächtig wie jene aus der 4. Dynastie:

Bild

Hieroglyphen für das Wort Pyramide. Ägyptologische Aussprache: Mer


Den Anfang im Pyramidenbau markiert die Stufenmastaba von König Djoser, 3. Dynastie, die heute vielfach als sog. Stufenpyramide bezeichnet wird, weil sie von außen betrachtet sich aus riesigen Stufen, nach oben verjüngend, zusammensetzt (Abbildung auf Seite ganz unten).

Die 4. Dynastie (um 2600–2475 v.Chr.) der altägyptischen Geschichte aber, ist wegen ihrer kolossalen Pyramiden eine der berühmtesten Epochen Ägyptens, und trotzdem liegt hier immer noch vieles im Dunkeln.
Die großen Pyramiden aus der 4. Dynastie bezeichnen vornehmlich jene auf dem Gizeh-Plateau (nahe Kairo) mit den Namen: Cheops-Pyramide, Chefren-Pyramide und Mykerinos-Pyramide. Desweiteren gehören die drei Pyramiden des Königs Snofru (Vorgänger von Cheops), gleichfalls 4. Dynastie, auch zu den monumentalsten in Ägypten; sie liegen in Dahschur und Meidum. Und heißen: Meidum-Pyramide, Knick-Pyramide und Rote Pyramide.
Merkwürdigerweise baute sich der letzte König, Schepseskaf, der 4. Dynastie, keine Pyramide mehr, sondern er griff auf das System der Mastaba zurück; wenn auch die Größe seines Baues die einer normalen Mastaba übertrifft. Die sogenannte Mastaba ist der Vorläufer zur klassischen Pyramide. (Mastaba: siehe weiter unten).

Pyramiden

Eine der großartigen Gizeh-Pyramiden
Die "perfekte" Pyramidenform gelang erst nach mehreren Anläufen.

Abb. links: Große Pyramide "Cheops-Pyramide"
(Foto: Isabella / Pixelio.de)


Seit der 4. Dynastie hat sich ein Pyramiden-Kanon entwickelt, der ideal etwa so aussehen kann: Eingang in die Pyramide stets von Norden, zu den Zirkumpolarsternen (die "Unsterblichen") hin, in die Flugrichtung der Seele des Toten; ein Gang gewunden oder abgeknickt zu einer Halle, von der nach Westen ein anderer zur Sargkammer (Westen = Reich der Toten / Osiris) abgeht, ein anderer Gang nach Osten zur Kultstatue (Osten = Reich der Lebenden / Re).

Der Abfolge der Kulthandlungen beim Ablauf des Bestattungsrituals entsprechen die zur Pyramide gehörenden Baukomplexe:

Der Taltempel am Rande vom Fruchtland zur Wüste, die Pforte zum Totenreich und der Platz für die Beisetzungszeremonien, der gedeckte Aufweg zum Verehrungstempel (Totentempel) im Osten vor der Pyramide und meist durch die Umfassungsmauer mit ihr direkt verbunden, Königinnen- und Nebenpyramiden und ggf. Sonnenschiffe. Beispielhaft ist der Taltempel der Chefren-Pyramide (Abb. rechts).

Abb. rechts: Säulenhalle des Taltempels von König Chefren, Altes Reich, 4. Dynastie. (Foto: Stefan Eggers)


Die Könige der 5. Dynastie, die für den Bau von Tempeln für den Sonnengott Re berühmt sind, erbauten wiederum Pyramiden, aber in weit bescheideneren Ausmaßen. Die bedeutungsvollste, leider äußerlich sehr zerstörte Pyramide ist diejenige des Königs Unas südwestlich des Djoser-Bezirkes. An den Wänden der Grabkammer sind die berühmten Pyramidentexte, Ritualtexte für das Begräbnis der Könige, zum ersten Male aufgezeichnet. Die Pyramiden, die vor der 5. Dynastie erbaut wurden, blieben beinahe inschriftslos. C. Mahdy (Ägyptologin) meint dazu:

(…) Wenn wir zum ersten Korpus religiöser Texte in Ägypten, den Pyramidentexten, zurückgehen, die am Ende der 5. Dynastie und zu Beginn der 6. Dynastie in eine Reihe von Pyramiden eingemeißelt wurden, geht sowohl aus dem Inhalt der einzelnen »Kapitel« als auch aus dem Sprachstil klar hervor, dass sie Glaubensinhalte in sich bergen, die Hunderte, wenn nicht Tausende von Jahren umspannen. Es sieht so aus, als seien diese Traditionen weitgehend mündlich überliefert worden bis gegen Ende des Alten Reiches erstmals der Beschluss gefasst wurde, sie aufzuschreiben. (…)


Nach der 6. Dynastie, während derer einige Pyramiden entstanden, wurden für nahezu 200 Jahre keine Pyramiden mehr gebaut! Das Alte Reich zerfiel, und Ägypten machte eine Zeit der Wirren und des gesellschaftlichen Verfalls durch. Hingegen blühte der Pyramidenbau in der Zeit des Mittleren Reiches, 12. Dynastie (ab ca. 1970 v.Chr.), geradezu wieder auf; wenn auch in anderer Bauweise, die Stützmauern und Ziegel beinhaltete. Eine Reihe von Pharaonen mit Namen Amenemhet oder Sesostris ließen ihre Grabstätten wieder als Pyramide errichten.

Hinzu kommen dann noch die zahlreichen Königinnen-Pyramiden, die aber weitaus bescheideneren Ausmaßes als die der königlichen und gottgleichen Herrscher waren.

(© Foto: Stefan Eggers)

Wuchtige Giebelbalken über dem Eingang der Cheops-Pyramide.
(© Foto: Stefan Eggers)


Es ist offensichtlich, dass die Entwicklung der Form der Pyramiden große Zeiträume beanspruchte. Man weiß, dass die Pyramiden nicht nur die Jetztzeit interessieren, sondern schon in den vergangenen Jahrhunderten die Neugier des Menschen weckten. Doch all die symbolischen Deutungen und die Mystifikationen früherer Zeiten, die teilweise bis heute weiterleben, wurden durch die Wissenschaft, die sowohl die Bauentwicklung wie die Konstruktionsformen aufdeckte, in keinem Fall bestätigt.

Mastaba

Genaue Untersuchungen belegen, dass die Pyramide aus einer Mastaba (arabisch = Bank) entstanden ist. »Mastaba«, ein arabisches Wort, bezeichnet einen 5 bis 10 Meter hohen rechteckigen künstlichen Berg, dessen Seiten mit Steinen geböscht wurden und unter dem sich ein tiefer Schacht befindet, der den Sarg aufnahm. Dieser Schacht wurde nach dem Begräbnis mit Steinen verschlossen. Im Laufe der Entwicklung wurde die Mastaba ausgehöhlt, d.h. es wurden Kammern ausgespart, die immer grösser und vielfältiger angelegt und mit Reliefs geschmückt wurden, die das tägliche Leben des Begrabenen schilderten.

Mastaba-Komplex von Königin Chentkaus I. in Giseh
Südostecke der zweistufigen Mastaba. In diesem Bereich der Mastaba lagen zwei Vorkammern, welche heute jedoch vollkommen offen liegen. Es ist nur noch die Öffnung zu einer dritten Vorkammer zu erkennen.

Abb. rechts: Mastaba-Komplex von Königin Chentkaus I. in Giseh. Gesamtansicht der Ecke, Blick nach Nordwesten.
(© by fröse multimedia / cheopspyramide.de)


Der erste Monumentalbau der Geschichte und Vorläufer der klassischen ägyptischen Pyramide: Die Stufenmastaba von Sakkara
Dieser Monumentalbau war ursprünglich begonnen als einfache Mastaba, die dreimal vergrößert und zweimal überbaut wurde, mit zunächst vier Stufen danach mit sechs Stufen. Dieser Grabkomplex des Königs Djoser, 2630 bis 2611 v.Chr., 3. Dynastie, der als Stufenmastaba bezeichnet wird, besitzt eine rechteckige Grundform von ca. 110 Meter auf 121 Meter. Die Stufen steigen bis zu einer Höhe von ca. 60 Meter empor. Unter der Mastaba, im Felsboden, befindet sich ein ganzes System von Kammern und Gängen. Die Mastaba selbst liegt asymmetrisch in einem großen, von einer Mauer umsäumten Gelände in der Nekropole von Sakkara.

© Foto: Stefan Eggers

Stufenmastaba in Sakkara von König Djoser. In Schichtbauweise erbaut.
(© Foto: Stefan Eggers)

»Die Götter, die diese Pyramide und diesen Bau des Königs gut und robust sein lassen – ihnen ist alles zu verdanken, sie werden geehrt, sie zeitigen Eindruck, in ihrer Hand liegt alles Gedeihen, […] ihnen allein gebührt die Krone.«

( Pyramidenspruch 1650 )

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