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Schreiber & Schule

Thot und Seschat
Thot als Gott der Schreibkunst und seine Gefährtin Seschat als Herrin der königlichen Archive.

"Auf das Schreiben sollst du deine Gedanken richten ...
Ich kenne keinen Beruf, der
(mit dem des Schreibers) zu vergleichen wäre...
Ich werde dich die Bücher lieben lehren mehr als deine Mutter,
und ich werde ihre Vortrefflichkeit vor dir ausbreiten."


Schreiber im alten Ägypten

Die Schreiber waren die Privilegierten der ägyptischen Gesellschaft. In einem Land in dem nur sehr wenige Menschen lesen und schreiben konnten, war das Beherrschen der Schrift mit großem Prestige verbunden. Einem Schreiber war es möglich im Dienste des Pharaos einen angesehenen Beruf zu ergreifen.

Von allen Berufen war der des Schreibers einer der ehrenvollsten (wenigstens auf dem tiefsten Niveau der Verwaltungs-Hierarchie).

Abb. links: Schreiberfigur des Dersenedj.
4. Dynastie (Zeichnung: Anja Semling)

Abb. oben: Hieroglyphen-Schreibung für das Wort "Schreiber", altägyptisch: Sesch


Schreibzeug

Das Handwerkszeug eines Schreibers war klein und leicht. Es bestand aus drei Teilen: einem Behälter mit Schreibbinsen (Binsenköcher), einer meist rechteckigen Palette aus Stein oder Holz, auf deren Oberseite sich zwei Vertiefungen für rote und schwarze Farbe befanden, und einem kleinen Beutel, in dem man die Farbbrocken aufbewahrte.

Dieses dreiteilige Schreibzeug wurde ab dem Mittleren Reich modernisiert, das wichtigste Utensil war dann eine hölzerne Palette mit integriertem Binsenbehälter. Wie die alten Paletten enthielten auch die modernen auf ihrer Oberseite zwei Näpfe für die beiden zum Schreiben nötigen Farben.

Abb. links: dreiteiliges Schreibzeug. Altes Reich.
(Bildquelle: Stefan Eggers)


Abb. oben links: Zwei Farbnäpfe in Kartuschenform, rechts: Schreibbinsen
Colombi-Museum, Freiburg. (Foto: Anja Semling)


Farben

Das Schwarz bestand weitgehend aus Ruß (wurde teils von den Kochtöpfen abgekratzt), das Rot dagegen aus Ocker, einem Mineral, das in großen Klumpen in den ägyptischen Wüstengebieten gefunden wurde und von gelber, oranger, roter oder brauner Farbe sein konnte.
Anfangs verwendete man nur die vier Grundfarben, später erst mischte man sie hell oder dunkel und fand Zwischentöne. Die Farben wurden stets symbolträchtig angewendet: Blau für Amun = Himmelsgott, Grün für Osiris als Jüngling, Schwarz, wenn er den Totengott verkörperte, Rot für Seth und überhaupt für böse, schlecht, hinterhältig und für alles Störrische, also auch für Bilder von Eseln oder Hunden oder auch für die Fehler, die der Schreiber Rot notierte. Rot oder Gelb für Unsterblichkeit dekorierte man gern die Gräber, Gelb (=> Goldfarben) war auch beliebt für Hintergründe bei Szenen zum Totenbuch.

Vermutliche Farbskala der alten Ägypter

Wadj

Kek........Kem

Descher

Hedj

. . . . . . ... . . . .

(Skala nach: Ägyptische Wandmalerei, Francesco Tiradritti)

Altgyptische Bezeichnungen

Wadj

Wadj bezeichnet im weiteren Sinne den Lebensraum Wasser. Die Vegetation (Grün) mit eingeschlossen, denn das Wasser bringt ja erst die Vegetation hervor.

Kem

Das Fruchtland, das jedes Jahr unter dem Nil versank, insofern umfaßt der Begriff Kem alle Schattierungen des Erdbodens, also auch Braun, Grau, usw. Dominiert wird Kem aber von Schwarz. Kem ist somit lebensspendend und lebendig.

Kek

Kek charakterisiert die Finsternis, das Gegenteil von Hedj (Helligkeit). Kek ist unbelebt und vage.

Descher

Descher verweist auf die Wüste und bezeichnet die diversen Facetten des Sandes am Tage. Die wesentliche Komponente dieser Farbe ist allerdings Rot, z.B. Sonnenuntergang.

Hedj

Hedj benennt das Sonnenlicht und im übertragenen Sinne alles Glänzende (z.B. Silber). Hedj bedeutet Helligkeit. Hedj muss als eine Art Nichtfarbe angesehen werden. Das Gegenteil von Kek, die Finsternis, ist Hedj.


Herstellung der Farben

Die Farbpigmente wurden zu Puder vermahlen, mit Harz und Wasser angerührt und anschließend in Tablettenform getrocknet und auf die Palette des Schreibzeugs gesetzt. Ersatztabletten zum Nachfüllen lagen immer bereit.

Schreiben

Der Schreiber tauchte, ähnlich wie beim Malen mit modernen Wasserfarben, die Binse ins Wasser, strich damit über die Farbe und schrieb durchschnittlich zehn Zeichen bis zum nächsten Eintauchen. Mit Rot schrieb er zur Betonung und zur Hervorhebung von Titeln und Überschriften.

Malpaletten benutzten Maler, etwas größer als die der Schreiber-Palette, da sie zahlreiche Farben benötigten. Wie moderne Malkästen für Wasser- oder Aquarellfarben enthielten sie etwa zehn Vertiefungen für unterschiedliche Farb-Pasten.


Schule im alten Ägypten

Lesen und Schreiben zu können war eine sehr wertvolle Fähigkeit. Zur Elite, die diese Fähigkeit besaß, gehörten höchstens ein oder zwei Prozent der ägyptischen Bevölkerung.

Der Unterricht bestand vor allem aus dem Lernen von Schriftzeichen. Wenn die Kinder schreiben konnten ließ man sie Kopien anfertigen – überwiegend Erzählungen und Lehren. Wegen der großen Anzahl verschiedener Zeichen benötigten ägyptische Schüler relativ viel Zeit, bis sie alle Arten von Texten lesen und niederschreiben konnten. Bei der "Abschlussprüfung" mussten die angehenden Schreiber dann einen langen Text auf Papyrus wiedergeben.

Schreibmaterialien

Geschrieben wurde auch auf Stein- oder Tonscherben. Beliebt waren bei Schülern Schreibtafeln, die mit Stuck überzogen waren, einer Mischung aus Gips und Leim.

Diese konnten gelöscht werden oder für die täglichen Übungen wieder und wieder überzogen werden. Das gebräuchlichste Schreibmaterial war jedoch Papyrus.

Abb. links: "Ostraka", beschriftete Scherben zerbrochener Tonkrüge oder flache Kalksteinplatten

Papyrus

Man erfand den Papyrus, von dem sich unser Wort "Papier" herleitet, indem man das Mark der Papyrusstaude in Streifen schnitt und zwei kreuzweise übereinander gelegte Lagen zu einem dünnen Blatt zusammenpreßte. Ein ausgezeichneter, elfenbeinfarbiger Stoff, der sich mittels einer am Ende pinselartig zerfaserten Binse und einer aus Ruß und Gummiwasser hergestellten Tinte beschreiben ließ. Die sorgfältig beschnittenen Blätter klebte man mit den Schmalseiten aneinander und rollte sie auf.

Man schrieb von rechts nach links, anfangs in senkrechten, später seit dem Mittleren Reich in waagrechten Kolumnen und rollte die auf dem Schoß liegende Rolle mit der Linken nach links auf.

Abb. links: Papyrus-Pflanze und Papyri als Beschreibmaterial..


Neben dem Schreibunterricht wurde in der Schule auch Mathematik gelehrt. Die Schüler lernten das Addieren und Subtrahieren, das Multiplizieren und Dividieren sowie auch das Rechnen mit Brüchen. Ferner übten sie das Berechnen von Flächen und Körpern. In den Tempelschulen erfuhren die Schüler zudem Wissenswertes über das Wesen der Götter sowie die wichtigsten Gebete und Riten.
Ägyptische Schulen waren keine selbständigen Einrichtungen, sondern verschiedenen Institutionen angegliedert. In der Verwaltung des Königspalastes befanden sich die wichtigsten ebenso in den Tempeln des Landes. Eine schulische Ausbildung war wohl nicht nur den Jungen vorbehalten; zumindest die Königstöchter lernten ebenfalls lesen und schreiben. Wahrscheinlich auch die Töchter von Hofbediensteten. Etwa ab dem Alter von fünf Jahren wurden die Kinder durch Beamte unterrichtet, um mit 15 oder 16 Jahren in das Verwaltungssystem eingegliedert zu werden. Auch eine Möglichkeit war Karriere in den Geiteswissenschaften oder in dem Beamtentum zu machen. Militärs, Priester und Ärzte kamen alle aus den Schreiberschulen.
Tempelschulen sind aus dem Neuen Reich bekannt, man nimmt an dass im Alten Reich der Vater seinen Sohn ausbildete, bzw. dass ein Schüler bei einem Beamten eine Lehre absolvierte.

Papyri-Herstellung im alten Ägypten

Das königliche Material wurde aus den dünnen Streifen des Marks aus den dreieckigen Halmen der großen Papyrusstaude hergestellt, die im Stromgebiet des Nils wuchs. Das Stengelmark der Pflanze, weiß und schwammig, wurde in dünne Streifen geschnitten, auf einem Tisch ausgebreitet und an den Rändern angeklebt. Auf diese Schicht wurde kreuzweise eine zweite aufgetragen, benäßt und dann an der Sonne getrocknet. So erhielt man das Blatt, das erst gepreßt und dann abgeschabt wurde, um es dünner zu machen. Die einzelnen Blätter wurden daraufhin aneinander geklebt und so entstand ein langer Streifen, der zusammengerollt wurde und auf dem man in nebeneinanderstehenden Zeilen schrieb. Man beschrieb den Papyrus mit schwarzer Tinte, doch manche Titel auch mit roter. Von daher stammt das Wort "Rubrik", abgeleitet von dem lateinischen ruber: rot.

Die Ägypter benutzten keine Gänsefedern, sondern sie verwendeten Schilfrohrhalme, deren eines Ende sie weichkauten; so entstanden kleine Pinsel.


Ratschläge an die Schüler, aus der Spätzeit des Neuen Reiches:

"Du musst deine Übungen jeden Tag erledigen.
Sei nicht faul.
Du fängst an ein Buch zu lesen, und du rechnest schnell.
Lass aus deinem Mund keinen Ton hören, schreib mit deiner Hand,
lies mit seinem Mund.
Frag unermüdlich die, die mehr wissen als du.
Und versuch zu verstehen, was dein Lehrer will, hör auf seine Anweisungen."

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