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Die Pharaonen > Amenhotep III. (Amenophis III.)

Amenhotep Nebmaatre

Geboren vor mehr als 3400 Jahren, um 1400 v.Chr. – 18. Dynastie, Neues Reich. Die Regierungszeit Amenhoteps III. war eine einzigartige Epoche. Der König wurde zu einem Vorbild, an dem sich viele späteren Pharaonen maßen.

Abb. links: Oberteil einer überlebensgroßen Sitzstatue von Amenhotep III. (=Amenophis III.),
(c) The British Museum, London.
Foto: Anja Semling


Amenhotep heißt: "(der Gott) Amun (ist) zufrieden".
"
Amenophis" ist der gräzisierte Name aus dem Griechischen.

Nach außen hin tritt Amenhotep III. als prunkliebender, allen Lebensgenüssen huldigender und paschahafter, aber doch frommer Amun-Sohn auf, der in bestem Einvernehmen mit dem Gott und seinem mächtigen 'Gotteshaus' steht.
Kein Pharao vor ihm hat das Karnak-Heiligtum so glänzend erweitert. Und unmittelbar südlich davon, im heutigen Luxor, entstand ein weiterer Tempel des Gottes mit Säulengängen von bis dahin nicht erreichter Monumentalität. Riesenhafte Sitzbilder des Königs, die sogenannten Memnonskolosse, stehen am Eingang seines – natürlich Amun geweihten Totentempels in Theben-West.

Abb. oben: Theben-West. Diese beiden Sitzstatuen von Amenhotep III., die sog. "Memnon-Kolosse", flankierten einst ihrer Größe würdig, den Totentempel des Pharaos in Kom el-Hetan, der schon seit langem verschwunden ist. Gewaltig und unbeweglich sitzen sie, mit den Händen auf den Knien über der Ebene zum Nil. Das ganze Areal wurde in der pharaonischen Zeit während der Nilüberschwemmungszeit (Achet) geflutet, bis an die Tempelmauern. Dies symbolisierte einst die Urflut mit dem Erdhügel der aus den Wassern des Nun hervorkam.
(Foto: Carmen Wolfram)

Namen und Titel von Amenhotep III.

Der Pharao übernahm den fünffachen Titel der Könige, versehen mit Attributen, die seine politischen Ambitionen widerspiegelten.

Geburtsname

Imen-hetep,
mer-chepesch

Amun ist zufrieden, der die Kraft liebt

Thronname

Neb-maat-Ra

Der Herr der Wahrheit ist Re

Horusname

Ka-nacht,
cha-em-maat

Starker Stier, der in Wahrheit erschienen ist

Nebtiname

Semen-hepu,
sege-rech-taui

Der die Gesetze dauern lässt und die Beiden Länder befriedet

Goldhorusname

Aa-Chepesch,
hu-Setiu

Groß an Kraft, der die Asiaten schlägt


Titel von Amenhotep III. von einem seiner vielen Gedenkskarabäen:
Es lebe Horus »Starker Stier, erschienen in Wahrheit«, die beiden Herrinnen, »der die Gesetze festigt und die beiden Länder beruhigt«, Goldhorus, »Groß an Kraft, der die Asiaten schlägt«, König von Ober- und Unterägypten, Nebmaatre, Sohn des Re Amenhotep Herrscher-von Theben, dem Leben gegeben werde.


Lebenslauf Amenhoteps III.

Um 1403 v. Chr.: Amenhotep III. kommt zur Welt.
Vor mehr als 3400 Jahren kommt Amenhotep III. in einem königlichen Palast zur Welt. Seine Mutter hieß Mutemwia (nach der Göttin Mut benannt), eine Frau des jugendlichen Prinzen Thutmosis IV., und dieser wiederum einer der Söhne des regierenden Amenophis' II. – ein starker und oft rücksichsloser Herrscher – und seiner zweiten Frau Tiaa. Mutemwias Sohn erhielt den Namen nach seinem Großvater: Amen-hetep = »Amun ist zufrieden«.


Um 1402 v. Chr.: Amenhotep III. ist nun 1 Jahr alt.
Als sich die Regierungszeit Amenhoteps II. ihrem Ende näherte genoß das alte Ägypten die größte Wohlstandsepoche, die es je erlebt hatte. Der kleine Amenhotep wurde der Obhut treuer Ammen und Pfleger anvertraut, während sein Vater, Prinz Thutmosis, das Regierungsgeschäft erlernte und dem Jagen nachging.


Um 1401 v. Chr.: Amenhotep III. ist 2 Jahre alt.
Der kriegerische Pharao Amenhotep II. starb in seinem 26. Regierungsjahr mit Mitte vierzig. (Nach ägyptischem Glauben war er bereits mindestens 500 Jahre alt, und die Seele des Königs war gen Himmel aufgefahren um sich mit Aton zu vereinigen.) In seiner Regierungszeit hatte sich der König für den im Norden des Landes in Heliopolis beheimateten Sonnenkult interessiert. Seine Mumie wurde im Tal der Könige beigesetzt.

Nach der Bestattung wurde der junge Thutmosis zum König gekrönt. Thutmosis' Geburtsname (Sa-Re-Name) bedeutet »von Thot geboren«, und bei der Thronbesteigung nahm er noch vier weitere Namen an, und zwar zunächst »Starker Stier«, »Nebti« und »Goldhorus«.

Abb. links: Thutmosis IV.


Als König von Ober- und Unterägypten schließlich nahm er den Thronnamen Men-cheperu-re an (»Immerwährend sind die Erscheinungen des Re«). Diese Namenwahl sollte Thutmosis' Verbindung mit dem Sonnengott unterstreichen – ein Glaube, der sich in der wachsenden Bedeutung der Sonnenscheibe manifestierte. Jetzt, da der Thutmosis zum König gekrönt war sollte sich auch das Leben des kleinen Prinzen Amenhotep stark verändern.


Um 1400 v. Chr.: Amenhotep III. ist 3 Jahre alt.
Memphis ist die neue Residenz des neu gekrönten Königs Thutmosis IV. Ein Königspalast lag in der Stadt Gurob, der Landsitz der Familie. Amenhotep scheint dort einen Teil seiner Kindheit verbracht zu haben. Für den jungen Prinzen wurde ein Aufseher und Erzieher ernannt: Sobekhotep. Amenhotep hatte viele Geschwister: die Schwestern: Tiaa, Imen-emipet, Ta-net-Imen und Petepihu sowie seine Brüder: Amenemhet, Aa-cheperu-ra und Saatum.

König Thutmosis selbst war damit beschäftigt weiter nördlich von Giseh, zu Ehren der Götter eine Reihe von Stelen aufzustellen. Während seiner gesamten Regierung machte Thutmosis deutlich, dass er nicht nur dem Amun, sondern auch dem Sonnengott ergeben war – eine Politik, die sein Sohn Amenhotep später weiterverfolgen sollte.

Abb. links: Amenophis III. trägt die Doppelkrone. Kopf einer überlebensgroßen Statue.
British Museum, London.
Foto: Anja Semling


Um 1399–1396 v. Chr.: Amenhotep III. zwischen 4 und 7 Jahre alt.
Nachdem Thutmosis seine Stellung als König auf diese Weise bestätigt hatte, konnte er sich dem Reich widmen. Er führte Kriege und kümmerte sich um die Hauptstadt Theben, wo er im Tempelkomplex des Amun Arbeiten begann. Er ließ Obelisken aufrichten und einen Alabasterschrein für Amun errichten. Amun war inzwischen mit dem Sonnengott Re vereint worden, und daraus war eine neue höchste Gottheit entstanden – Amun-Re.
Die Priesterschaft war auch weiterhin ein Machtfaktor, besonders jene Priester, die mit dem Kult des Amun verbunden waren.

Die Erziehung des Prinzen Amenhoteps war Heqa-er-neheh anvertraut worden, der schon zu seinen »Ammen« gehört hatte. Der Prinz wurde ebenso wie seine Brüder und Schwestern gemeinsam mit dem Nachwuchs der begünstigten Beamten unterrichtet: den »Kindern der königlichen Kinderstube«. Der junge Amenhotep erlernte wahrscheinlich die hieratische Schrift, die »Kurzschrift«-Variante der Hieroglyphenschrift. Die Kinder übten diese Schrift, indem sie Teile von Texten kopierten und Diktate schrieben und sie wurden ermutigt, viele verschiedene Textarten zu lesen. Amenhotep hatte ebenso Mathematikunterricht, wobei sich die Übungen zwischen elementaren Additionsaufgaben und der Flächenbestimmung bewegten.
Der kleine Prinz Amenhotep trug sein Haar in einem Seitenzopf, der so genannten »Seitenlocke der Jugend«. Die Kleidung, die Amenhotep trug ähnelte der der Erwachsenen: Lendenschurze und Tuniken meist aus Leinen manche mit abnehmbaren Ärmeln sowie Sandalen.
Gespielt hatte Amenhotep mit Spielzeug und Spielen. Mit kleinen Elfenbeinfiguren, Tieren, Wagen und Modellschiffen aus Holz, Lederbällen, Kegeln und Kreiseln wurde gespielt; und ebenso war das Malen beliebt. Kinderspiele waren: Verstecken, Bockspringen und »Gänsestechen«.


Um 1395–1392 v. Chr.: Amenhotep III. zwischen 8 und 11 Jahre alt.
Amenemhet, der älteste Sohn von Thutmosis' IV. war gestorben und Amenhotep wird im Alter von acht Jahren zum Thronerben ernannt. Zur gleichen Zeit ernennt Thutmosis IV. seine eigene Schwester Iaret zur "Großen königlichen Gemahlin". Als Thutmosis zu Felde zog gegen seine Feinde in Nubien, nahm er seinen Sohn Amenhotep mit – auch Iaret, die inzwischen die Stiefmutter von Amenhotep war.


Um 1391 v. Chr.: Amenhotep III. ist 12 Jahre alt.
Thutmosis IV., der Vater von Amenhotep starb im 10. Jahr seiner Herrschaft, wahrscheinlich zwischen 25 und 40 Jahren alt; und Amenhotep war gerade einmal zwölf Jahre alt.
Eine imposantes Staatsbegräbnis leitete Amenhotep unter der Aufsicht seiner richtigen Mutter Mutemwia. Er nahm an allen Bestattungsritualen teil und vollzog auch das Ritual der Mundöffnung, wie es seine Pflicht als Sohn des toten Pharao war. Thutmosis IV. wurde im "Tal der Könige" in einem prächtigen Quarzitsarkophag bestattet. Auch seine beiden Kinder: Amenemhet, sein Sohn, und Ta-net-Imen, seine Tochter, – zwei Geschwister von Amenhotep III. – wurden mitbestattet. Die Wände im Grab dekoriert mit Göttern, die nach seinem Tode eine wichtige Rolle spielten, ebenso zahlreiche Grabbeigaben wie Kanopen, Uschebtis, Keramik, Schmuck, Kleidung, Waffen, u.a., die mitgegeben wurden für ein Leben im Jenseits.

Abb. oben: Amenhotep III. Überlebensgroßer Kopf einer Statue.
(c) The British Museum, London. (Foto: Anja Semling)


Krönungszeremonie

Nach der Bestattung von Amenhoteps Vater wurde er zum Pharao ausgerufen. In der alten Hauptstadt Theben wurde er bei einer großen Staatszeremonie gekrönt. Amenhotep kniet vor den Göttern nieder, um von Amun-Re die Krone zu empfangen.

Amenhotep übernahm den fünffachen Titel der Könige, versehen mit Attributen, die seine politischen Ambitionen widerspiegelten.

  • Sein Geburtsname (Sa-Re-Name) lautete »Imen-hetep, mer-chepesch« (Amun ist zufrieden, der die Kraft liebt).
  • Sein Thronname war »Neb-maat-Ra« (Der Herr der Wahrheit ist Re).
  • Sein Horusname »Starker Stier, der in Wahrheit erschienen ist«.
  • Sein Nebtiname »Der die Gesetze dauern lässt und die Beiden Länder befriedet«.
  • Sein Goldhorusname »Groß an Kraft, der die Asiaten schlägt«.

Als Amenhotep III. den Thron bestieg, erbte er ein 1600 Jahre altes Königreich, aus dem seine Vorgänger aus der 18. Dynastie ein riesiges Imperium geschaffen hatten. Als mächtigster Staat der alten Welt pflegte Ägypten gute Beziehungen mit anderen Mächten, ebenso herrschte noch Frieden im Land. Das Herrscherhaus des Landes Ägypten hatte zuvor das selbständige Fürstentum Kusch (Nubien) annektiert und dort eine straffe Verwaltung unter einem ägyptischen Vizekönig eingerichtet.
Das nubische Gebiet mit seinen Steinbrüchen war für den wirtschaftlichen Aufschwung dieser Epoche von entscheidender Bedeutung. Ebenso herrschte Frieden mit dem Reiche der Mitanni, das durch eine Heirat Thutmosis' IV. mit einer mitannischen Prinzessin besiegelt wurde.

Abb. links: Pharao im Königsornat. Zeichnung: A. Semling


Aufgrund der Jugend des neuen Königs wurde Amenhoteps Mutter Mutemwia zur Regentin ernannt. Nach den Bestattungs- und Krönungszeremonien folgte die prunkvolle Hochzeit des jungen Königs mit der jungen Teje, in seinem ersten Regierungsjahr. Teje die Tochter eines Provinzbeamten aus Achmim namens Juja, der den Titel »Priester- und Rindervorsteher des Min« und »Herr von Achmim« trug. Die Mutter Tuja war »Sängerin des Amun« und »Oberste Harimsdame des Min«. Amenhotep erhob seine Schwiegereltern zu neuen Ehrentiteln: Juja: »Vorsteher der Pferde« und »Stellvertreter Seiner Majestät bei der Streitwagentruppe« und Tuja: »Königliche Mutter der Großen Königlichen Gemahlin«.


Um 1390–1385 v. Chr.: Amenhotep III. ist zwischen 13 und 18 Jahre alt und in seinem 2.–7. Regierungsjahr
Er erfüllte die traditionellen Pflichten eines legitimen Sohnes und Nachfolgers, indem er die von Thutmosis begonnenen Bauprojekte zum Abschluss brachte. Zu den neuen Bauvorhaben des Königs gehörte eine Erweiterung des Tempels von Karnak. Die Vollendung des Schreins von Thutmosis IV. für die Barke des Amun-Re; Nebengebäude, Obeliske, Pylone und viele (Kolossal-)Statuen. Während seiner ersten Regierungsjahre ließ Amenhotep auch einen Kalksteintempel in Heliopolis (Iunu) errichten, dem großen Kultzentrum des Sonnengottes in Unterägypten. Die Arbeiten an seinem Grab hatten bereits begonnen als Amenhotep erst 14 Jahre alt war.

Ein erster Tempelbau entstand auch in dieser Zeit, ein kleines Heiligtum für die Geiergöttin Nechbet (Landesgöttin von Oberägypten). Gemeinsam mit ihrer Schwestergottheit, der Kobragöttin Uadjet, war sie für den Schutz des Königs verantwortlich. Amenhotep Nebtiname, der sich direkt auf diese beiden Göttinnen bezog, lautete »Semen-hepu, segerech-taui« – »Der die Gesetze dauern lässt und die Beiden Länder befriedet«.
Wie auch sein Großvater und Vater liebte Amenhotep den Sport und die Großwildjagd, vor allem die Stierjagd, ebenso empfand er eine große Begeisterung für Streitwagen.

Abb. oben: der Eigenname (links) und der Thronname (rechts) in Kartuschen geschrieben, von Amenhotep III. Sein Eigenname: Amenhotep (= Amun ist zufrieden) und sein Thronname: Neb-maat-re (= Herr der Göttin Maat ist Re).


In seinem 5. Regierungsjahr ist Amenhotep damit beschäftigt einen Aufstand im tiefen Süden seines Reiches niederzuwerfen. Hier siegte der 16-jährige König im einzigen wichtigen militärischen Konflikt seiner knapp 40-jährigen Herrschaft; wobei die Leitung dieser Aktion wohl nicht in der Hand des Königs selbst, sondern der des Vizekönigs von Kusch, Merimose, lag.
Amenhotep III. scheint zukünftig mehr repräsentiert als regiert zu haben; unter ihm entfaltete der königliche Hof seine größte Pracht.

In den ersten Jahren seiner Regierung trug Amenhotep sich schon mit dem Gedanken seine Hauptresidenz aus Memphis, der traditionellen Hauptstadt, weiter südlich nach dem in Oberägypten gelegenen Theben zu verlegen. Dem jungen König muss klar gewesen sein, dass dies einen Konflikt mit den auf ihre Macht bedachten Amunpriestern des Tempels von Karnak bedeutete. Der Reichtum und die Macht der Priester war inzwischen fast so groß wie die des Königs. Wie sein Großvater und Vater förderte Amenhotep den Sonnenkult. Dabei verfolgte er eine systematische Religionspolitik, die darauf abzielte, das ägyptische Pantheon umzustrukturieren, indem die Sonnenattribute der einzelnen Götter hervorgehoben wurden. Auch die traditionelle Architektur und der Schmuck der ägyptischen Tempel veränderten sich. Er delegierte aus seinem engen Umfeld seine engsten Vertrauten in zentrale religiöse Machtpositionen und zu Priestern.


Um 1384–1382 v. Chr.: Amenhotep III. ist zwischen 19 und 21Jahre alt und in seinem 8.–10. Regierungsjahr
Einen großen Tempel für den Krokodilgott Sobek ließ Amenhotep in Sumenu errichten. Er ließ zahllose Statuen zu Ehren der Götter und Göttinnen aufstellen. Die Skulpturen trugen Inschriften, auf denen der König als »Neb-maat-Ra, geliebt von« der jeweiligen Gottheit bezeichnet wurde. Im ganzen Reich in den Tempeln standen dieses Götterstatuen neben den Statuen des Königs selbst, um die Einheit der Gottheiten auszudrücken, zu denen Amenhotep als ihr Sohn gehörte.

Als pflichtbewußter Sohn zeigte der König sich unglaublich großzügig gegen seine göttliche Eltern, so konnte er bezüglich der Opfer für den großen Amun von sich sagen: »Ich habe ihm tausende von Rindern zugewiesen, um für erlesene Stücke Fleisch zu sorgen.« Die wichtigste Göttin zurzeit Amenophis' war Hathor (»Haus des Horus«). Auch brachte Amenhotep den weiblichen Gottheiten viel Verehrung bei, denn eine Vielzahl von weiblichen Statuen zeugt davon. Auch erscheint der König auf Bildern oft in weiblicher Begleitung.

Abb. rechts: der Götterkönig Amun; Ramesseum
(Foto: Bernadett Andics)


Indem er die religiöse Ideologie seines Hofes zunehmend auf den Sonnenkult hin ausrichtete, setzte Amenhotep die Politik seines Vaters fort. War aus dem Reichsgott Amun im Neuen Reich durch die Vereinigung mit dem Sonnengott Ägyptens höchste Gottheit Amun-Re entstanden, so erhielt das Bild der Sonne nun eine noch größere Bedeutung. Aton, die Sonnenscheibe, wurde jetzt als Gottheit verehrt.

Verkündigung der Hochzeit des Königs mit der mitannischen Prinzessin Giluchepa auf einem Skarabäus

Im 10. Regierungsjahr unter der Herrschaft
des Horus, Starker Stier, der in Wahrheit erschienen ist;
Nebti, der die Gesetze dauern lässt und die Beiden Länder befriedet;
Goldhorus, Groß an Kraft, der die Asiaten schlägt;
König von Ober- und Unterägypten, Herr der Beiden Länder;
Neb-maat-Ra, Erwählter des Re, Sohn des Re;
Amenophis, Herrscher von Theben dem Leben gegeben sei;
und der Großen königlichen Gemahlin Teje, möge sie leben!
Die Wunder, die vor Seine Majestät gebracht wurden, waren die Tochter von Sutarna,
des Königs von Nahrina [Mitanni], Giluchepa und die Hauptfrauen ihres Harems,
insgesamt 317 Fauen.

In späteren Jahren nahm Amenhotep aus politischen Gründen noch weitere Prinzessinen aus Mitanni und Arzawa zu Nebenfrauen.


Um 1381 v. Chr.: Amenhotep III. ist nun 22 Jahre alt und in seinem 11. Regierungsjahr
Nach der Eheschließung mit der Prinzessin Giluchepa aus Mitanni, der ersten seiner ausländischen Frauen und im elften Jahr seiner Regierung beschloss Amenhotep, für seine Große königliche Gemahlin Teje einen See, ca. 2 km lang und 0,3 km breit, in der Stadt Djarucha anzulegen. Aus vielerlei Gründen: um Teje zu ehren, auch als Teil eines Bewässerungssystem. Der See war ein Signal an die Öffentlichkeit dafür, dass Tejes Position als Königin von keiner ausländischen Prinzessin anzufechten ist.

Königin Teje spielte eine aktive Rolle in der Politik und korrespondierte selbständig mit ausländischen Würden-Trägern, die ihren weisen Rat zu schätzen wussten. Sie war das ideale Gegengewicht zu Amenhotep. Zahlreiche Figuren von Göttinnen trugen ihre Gesichtszüge. Sie wurde beispielsweise oft mit den Attributen der Göttin Hathor porträtiert.

Abb. rechts: Portraitkopf der Königin Teje. 18. Dynastie, Eibenholz, Höhe 5 cm. Standort: Ägyptisches Museum und Papyrussammlung, Staatliche Museen zu Berlin.
Copyright: bpk / Ägyptisches Museum und Papyrussammlung, SMB. Foto: Anja Semling


Teje gewann nach ihrer Heirat mit Amenhotep III. rasch an Macht und Einfluss. Während ihrer gesamten Regierungszeit wurde ihr Name immer zugleich mit dem des Königs genannt. Auch auf Gedenkskarabäen steht ihr Name gleich hinter dem des Königs. Es heißt darauf nach der Titulatur des Königs: »Die große Königsgemahlin Teje, sie lebe! Der Name ihres Vaters ist Juja und der Name ihrer Mutter ist Tuja. Sie ist die Gemahlin des starken Königs, dessen südliche Grenze bis Krj, dessen nördliche bis Naharina reicht.«
Sogar die Namen ihrer Eltern werden auf einigen dieser Skarabäen festgehalten. Die Hochzeit fand wie schon erwähnt im ersten Regierungsjahr Amenhoteps statt. Beide waren wohl kaum älter als zwölf Jahre. Indem Amenhotep Teje heiratete brach er mit der Tradition seines Großvaters und Vaters, denn beide hatten Frauen aus dem Königshaus. Teje stammte aber aus einer Familie von Provinzbeamten aus Achmim in Mittelägypten.

Abb. oben: Gedenkskarabäus.
(Replik, Fotos: Anja Semling)

Unterseite beschriftet mit Hieroglyphen.


Um 1380–1372 v. Chr.: Amenhotep III. ist zwischen 23 und 31 Jahre alt und in seinem 12.–20. Regierungsjahr
Ägypten erreichte den Zenit seiner Macht während der Regierungszeit Amenhoteps. Im 12. Regierungsjahr hatte er bereits eine starke militärische Position, denn nach seiner siegreichen Kampagne sieben Jahre zuvor hatte er Nubien vollkommen unter Kontrolle.

Auch der Frieden in Vorderasien hielt. Der König unterhielt gute Beziehungen zu Mitanni. Die Assyrer, Babylonier und Hethiter stellten für seine Herrschaft keine Gefahr dar. Die vorderasiatischen Vasallenstaaten hatte Amenhotep ebenfalls fest im Griff. Sie bildeten eine Pufferzone gegen entferntere Bedrohungen und waren zudem mit ihren Tributen eine reiche Einnahmequelle.

Damals hatte Ägypten eine Bevölkerung von schätzungsweise drei bis vier Millionen Menschen, die fast alle im fruchtbaren Niltal lebten. Die traditionelle Hauptstadt war Memphis, in Unterägypten südlich des Nildeltas gelegen. Die größte Stadt des Landes war jedoch Theben in Oberägypten. Im 13. Regierungsjahr des Königs befand sich Ägypten auf dem Höhepunkt des Wohlstandes und der Macht. Unter Amenhotep III. gab es vier lange Jahrzehnte Wohlstand ohne Unterbrechung durch einen Krieg. Ein goldenes Zeitalter unter einem goldenen König, für das ägyptische Volk war es eine Zeit der Sicherheit und der Zuversicht.

Das Grab des Amenhoteps III. im Westtal gegenüber von Theben, mit dessen Bau schon während der Regierungszeit seines Vaters begonnen worden war, näherte sich nun der Vollendung. 80 Meter tief wurde das Grab (das in unserer Zeit mit WV22 betitelt wird; WV = West Valley) in die Kalkfelsen gehauen. Es ist damit eines der größten ägyptischen Königsgräber.

Das Grab barg einen Sarkophag von drei Meter Länge aus rotem Assuan-Granit. Zwei weitere Kammern in dem riesigen Grab galten der Königin Teje und Sitamun, Amenhoteps Tochter und späteren Ehefrau. Die Männer, die das riesige Grab des Königs im Westtal erbauten, waren unter dem Namen »Diener des Ortes der Wahrheit« bekannt.

Abb. links: heutiger Eingang zum Grab Amenhoteps III. (Foto: Carina Felske - www.selket.de)


Abb. oben: im sogenannten West-Tal, wo das Grab WV22 (West Valley 22) von Amenhotep III. liegt. (Foto: Carina Felske - www.selket.de)


In jener Zeit als Amenhotep Ägypten regierte, hatte das Volk genug an Nahrungsmitteln. Die Ernten waren gut, das Essen reichlich. Es gab Brot, Fisch, Gemüse, Obst, Bier und bei den Reichen auch Fleisch, Geflügel und Wein. Der größte Teil der Bevölkerung arbeitete auf dem Land.

Von all seinen Ministern stand ein Namensvetter Amenhotep III. am nächsten: der Schreiber Amenophis, Sohn des Hapu. Er hatte auch das Amt inne, Vorsteher aller Arbeiten des Königs zu sein. Als Architekt bedeckte er Ägypten mit prächtigen Gebäuden. Er errichtete dem König einen berühmten Totentempel, der bei den Griechen unter dem Namen "Memnonium" bekannt wurde.
Amenhotep ernannte viele Beamte in der traditionellen Hauptstadt Memphis, wo sein Hofstaat und er tagten. Auch ihre Namen, Titel und Portraits verewigte er in Monumenten, die er errichten ließ. Kein anderer Pharao hat so viele Baudenkmäler und Statuen hinterlassen wie Amenhotep III. Sein einziger Konkurrent diesbezüglich wäre noch Ramses II.

Um 1371 v. Chr.: Amenhotep III. ist nun 32 Jahre alt und in seinem 21. Regierungsjahr
Seinen Status des Landes Ägypten als herausragende Großmacht hielt er durch die hohe Kunst der Diplomatie aufrecht – weniger durch eine Aggressions- und Unterwerfungspolitik. Truppenteile, die nicht mehr für Feldzüge gebraucht wurden, wurden zum Schutz der Grenzen wie auch der Handelsstraßen und Minen eingesetzt, denen Ägypten seinen Reichtum verdankte. Für seine gigantischen Bauprojekte verwendete er nun die Gelder, die früher in militärische Unternehmungen geflossen waren.

Abb. links: Statuen von Amenhotep III., die bei einer Ausgrabung nach 2000 entdeckt wurden. Westtheben.
(Foto: Elvira Kronlob)


Um 1370 v. Chr.: Amenhotep III. ist nun 33 Jahre alt und in seinem 22. Regierungsjahr
Amenhotep III. und seine Große königliche Gemahlin Teje hatten in zwanzig Ehejahren mehrere Kinder hervorgebracht. Der älteste Sohn und Thronerbe war Thutmosis (benannt nach seinem Großvater Thutmosis IV.). Amenhotep verlieh seinem geliebten Sohn zahlreiche Titel ebenso ließ er sich mit ihm künstlerisch darstellen wobei beide eine offizielle Funktion ausüben. Thutmosis war Hohepriester des Ptahtempels in Memphis. Als Hohepriester des Ptah unterstütze er seinen Vater Amenophis bei der Begräbniszeremonie des ersten Apisstieres in Sakkara.
Doch dann starb der Prinz vor seinem Vater – (in dessen 26./28. RJ., siehe auch Seite 5) –, und die Thronfolge ging auf dessen zweiten Sohn Amenophis über. Später nannte sich dieser "Echnaton" (heute bekannt als Ketzer- oder Sonnenkönig). Die Vermutung Amenhotep und Echnaton hätten zusammen eine zeitlang regiert ist noch nicht bewiesen.

Vier seiner Töchter waren mit großer Bestimmtheit: Satamun (die Älteste), Henut-tau-nebu, Isis und Nebet-ah. Womöglich hatte er noch eine Tochter namens Beketaten. Amenhotep ließ sich wie auch mit seiner Mutter Mutemwia, seiner Hauptfrau Teje, auch mit seinen Töchtern oft durch Reliefs und Statuen darstellen. Satamun wurde im 30. und Isis im 34. Regierungsjahr zur Großen königlichen Gemahlin ernannt. Somit war symbolisch eine Dreierkonstellation vorhanden, die als Mutter, Frau und Tochter mit der Göttin Hathor – Amenhoteps Lieblingsgöttin – gleichzusetzen ist. Wahrscheinlich hatte Amenhotep noch zahlreiche weitere Kinder von seinen Nebenfrauen.


Um 1367 v. Chr.: Amenhotep III. ist nun 36 Jahre alt und in seinem 25. Regierungsjahr
In den mittleren Jahren seiner Regierungszeit begann Amenhotep mit dem Bau des Tempels »Südliches Ipet« (Ipet resut), dessen spätere arabische Bezeichnung el-Aksur der heutigen Stadt Luxor ihren Namen gab. Um eine kleine Opet-Kapelle herum (von der Pharaonin Hatschepsut erbaut), ließ Amenhotep einen gewaltigen Tempel errichten:

Abb. oben: Tempel von Luxor. Ipet resut hieß der Tempel im Alten Ägypten. (Foto: Elvira Kronlob)


Dem Amun geweiht, wurde er als der »südliche Harim« (in der Bedeutung von »Privatgemach«) des Gottes bezeichnet. Dieser großartige Tempel ist 260 Meter lang. Dem Gott Amun huldigten die Ägypter indem sie für jeden Sieg und jeden Triumph dem Gott neue Tempel errichteten. Der Tempel war das Kultzentrum für die göttliche Lebenskraft »Ka«, die dem König zu Eigen war. Mit Hilfe des Gottes Amun erneuerte dieser hier seine Kräfte beim jährlichen Opetfest.

Das Opetfest

Der Tempel von Luxor, das »Südliche Ipet«, wurde eigens für das jährliche Opetfest (Ipetfest) erbaut. Während des zweiten Monats der Nilüberflutung feierten die Ägypter dieses Fest. Bei dem von Hatschepsut gestifteten Fest erneuerte der Pharao seine Kräfte durch den Kontakt mit dem Reichsgott Amun. Bei den Zeremonien wurden die Kultstatuen von Amun, dessen Gemahlin Mut und deren gemeinsamem Sohn Chons auf heiligen Barken aus dem Tempel von Karnak getragen und nach Luxor gebracht.

Im Allerheiligsten des Tempels von Luxor fand anschließend die rituelle Vereinigung von Amun mit der Mutter des regierenden Monarchen statt, damit diese erneut die königliche Lebenskraft ka gebären konnte. Auf dem Höhepunkt des Festes betrat der König selbst das Heiligtum, verschmolz bei einem geheimen Ritual mit seinem neugeborenen ka und erschien wieder als Sohn des Amun-Re, erfüllt mit göttlicher Kraft.

Die im großen Säulengang plazierte Doppelstatue aus weißem Kalkstein mit der Darstellung der Götter Amun und Mut. (Foto: Elvira Kronlob)

Auf Tempelreliefs sind die einzelnen Phasen dieses bedeutsamen Ereignisses dargestellt. Reliefs in dem von Amenhotep III. erbauten Säulengang zeigen die Barken der thebanischen Göttertrias bei ihrer Reise über den Fluss. Unter den Augen einer großen Menschenmenge wurde sie dann im Tempel von Luxor von Tänzerinnen begrüßt und erhielt Opfergaben in Form von Fleisch und Brot. Hatten die Götter ihr Mahl empfangen und genossen, wurde es an die wartende Menge verteilt.
Das dunkle Allerheiligste des Tempels ist mit Szenen der geheimnisvollen Rituale dekoriert, darunter die Szenen der göttlichen Geburt, bei der Amun sich mit der Königinmutter vereinigte. (nach J. Fletcher, Ägyptologin)



Auch ließ Amenhotep III. die beiden Tempel Luxor und Karnak durch einen in Nord-Südrichtung verlaufenden Prozessionsweg verbinden, den einst vollständige Sphinxen mit Widderköpfen flankierten.

Abb. oben: Widder-Sphingen-Allee / Prozessionsweg (Foto: Elvira Kronlob)

Abb. rechts: Bei Luxor. Teil der Allee mit Widder-Sphingen und Pylon. (Foto: Carmen Wolfram)

Foto: Carmen Wolfram


Um 1366 –1364 v. Chr.: Amenhotep III. ist nun zwischen 37 und 39 Jahre alt
und in seinem 26.–28. Regierungsjahr
Die Bautätigkeit des Amenhotep war sehr rege, überall in Ägypten ließ er Heiligtümer errichten oder umgestalten. Einige der neuen Tempel ersetzten ältere Bauten an uralten Kultstätten.
Hier war er am Werk: für Re in Heliopolis, Ptah in Memphis, den Apisstier in Sakkara, Horus in Hebenu, Thot in Hermopolis, Sobek in Sumenu, Chnum auf der Insel Elephantine und Neb-maat-Ra in Soleb. Amun hingegen wurde im ganzen Land verehrt.

Sein Sohn Thutmosis stirbt.
Ganz plötzlich stirbt Amenhoteps erstgeborener und geliebter Sohn Thutmosis. Dies war nicht nur eine persönliche Tragödie für Amenhotep, sondern erschütterte auch die ägyptische Weltsicht: Wenn der Sohn vor dem Vater starb, war das Chaos an die Stelle der natürlichen Ordnung getreten. Die Königsfamilie sowie das ganze Volk betrauert den Tod des Prinzen. Die Trauerriten nahem ihren Lauf, Erde wurde in die Luft geworfen und Haare nicht mehr gekämmt dafür wachsen zu lassen um daran zu rupfen. Warum Thutmosis starb weiß man nicht. Bestattet wurde er wohl in Theben im Grab seines Urgroßvaters Amenhoteps II.?

Je länger Amenhotep regierte, desto würdiger wurden die Denkmäler, die seine Bildhauer für ihn schufen. Im 28. Regierungsjahr entstand ein gewaltiger Koloss aus Granit, die gößte Statue, die je in Ägypten errichtet wurde. In dieser Gestalt zeigt sich Amenhotep als "leuchtender Aton". Von den über tausend erhaltenen Monumentalstatuen, die Amenhotep als König oder Gott darstellen, sind mehr als 45 höher als drei Meter.

Um 1363 –1362 v. Chr.: Amenhotep III. ist nun zwischen 40 und 41 Jahre alt
und in seinem 29.–30. Regierungsjahr
Endgültig nach Theben zog Amenhotep mit seinem Hof am Ende seines dritten Herrscher-Jahrzehnts. Dort hatte er den »Palast der leuchtenden Sonne« erbauen lassen. Traditionell kamen die Pharaonen früher (vor Amenohotep III.) nur einmal im Jahr nach Theben, um zu den dort stattfindenden religiösen Festen zu kommen. Da sich aber Amenhotep nun einen eigenen Palast (Malkata – arabischer Name für diesen Palast) gebaut hat auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses, distanzierte er sich.

Alltagsgegenstände zur Zeit von Amenhotep III., 18. Dynastie:
Stuhl, Holztruhe, Trinkgefäß (c) The British Museum, Foto: A. Semling


Der Palast beherbergte die Gemächer des Königs und seiner Gemahlin Teje sowie ihrer Tochter Sitamun und Quartiere für den Rest der königlichen Familie und königlichen Frauen. Es gab einen Verwaltungssitz und königliche Werkstätten. Ebenso eine Siedlung, die die Versorgung des Palastes sicherstellte. Zum Totentempel von Amenhotep waren es von Malkata 1,5 km. Auch lag ein 1,6 km breiter Hafen direkt vor dem Palast, der ihn mit dem Nil verband. Sehr effizient für den Handels- und Verwaltungsverkehr.

Die Palasträume waren in lebhaften Farben ausgemalt. Neben naturalistischen Szenen mit Tieren und Pflanzen finden sich Götterfiguren und Amulettmotive. Die Audienzräume hatten geflieste und bemalte Fußböden. Manche Decken waren mit stilisierten Stierköpfen dekoriert in Rot, Blau und Gelb. Im Palastinneren befanden sich excellent gearbeitete Möbel und Dekorationsgegenstände: Betten mit Intarsien aus Ebenholz und Gold, vergoldete Stühle und Sessel, hölzerne Schemel, große Federkissen, Wandbehänge, Schmuckkästchen, Brettspiele und Kerzenleuter (u.a.). Es gab sogar eine Bibliothek in dem Palast.

Sed-Fest – Amenophis wird ein "lebender" Gott

Mit seinem 30. Regierungsjahr veranstaltete Amenhotep das erste seiner drei großen Feste zum Regierungsjubiläum (sed). Bei diesen Feierlichkeiten erklärte er sich zum lebenden Gott Ägyptens – zum Stellvertreter des Sonnengottes auf Erden. Während der Feierlichkeiten verlieh Amenhotep seiner Tochter Sitamun den Rang einer Großen Königsgemahlin.
Das Sedfest war dazu gedacht, dem König frische Kraft zu verleihen, deshalb Sedfest der Erneuerung und der Regeneration, und somit sein Recht zu bestätigen, auch nach 30-jähriger Regentschaft noch weiter zu herrschen.

Im Rahmen des Sedfestes musste der König seine körperliche Stärke beweise: Zu den rituellen Prüfungen gehörte, dass er zwischen zwei Grenzmarkierungen, welche die Grenzen Ägyptens symbolisieren, hin und her laufen musste, um seinen Anspruch auf das Land zu erneuern. Auch musste er den großen Djed-Pfeiler – ein Stabilitätssymbol, das für das Rückgrat des Osiris stand – aufrichten. Nachdem er diese und andere Aufgaben bewältigt hatte, erhielt der König die Herrschaftsinsignien und die Embleme von Ober- und Unterägypten, die für seine Herrschaft über ein vereintes Land standen. Bei den Ritualen trug der Herrscher knielange Gewänder, darunter einen traditionellen, eng um den Körper geschlungenen Jubiläumsumhang.
Abläufe beim Sedfest: "Belohnungen wurden vergeben. Sie bestanden aus Ehrengold, Goldfiguren von Fischen und Enten, sowie Bändern aus grünem Leinen. Alle Anwesenden mussten sich der Rangfolge nach aufstellen. Sie erhielten ein königliches Frühstück aus Brot, Bier, Rindfleisch und Geflügel. Dann wurden sie zum See seiner Majestät geführt, wo sie die Barke des Königs ruderten. Alle zogen die Barken zu dem großen Palast und hielten an den Stufen des Thrones an." Vor der versammelten königlichen Familie haben Musiker und Tänzer ihren Auftritt.

Unter Amenhotep III. erhielt der Sonnenkult eine immer größere Bedeutung.
Re, die höchste Sonnengottheit vergangener Zeiten, war in Verbindung mit Amun zu Amun-Re geworden. Bezüge zur Sonne hatte auch der Schöpfergott Atum; Chepri und Horus waren die Götter der aufgehenden Sonne und der Sonnenscheibe Aton. Als eigenständige Gottheit erhielt Aton in der alten Sonnenstadt Heliopolis erstmals seinen eigenen Tempel. Zahllose Inschriften aus der Zeit von Amenhotep III. erwähnen diesen »neuen« Gott. Sich selbst bezeichnete der König gern mit dem Beinamen Aten-Tjehen, »strahlender Aton«.


Um 1361 –1356 v. Chr.: Amenhotep III. ist zwischen 42 und 44 Jahre alt
und in seinem 31.–33. Regierungsjahr
Das Monument für die Ewigkeit. Die Arbeiten am Totentempel von Amenhotep in Kom el-Hetan (auch: Kom el-Hatton) waren inzwischen weit vorangekommen. Dieser Totentempel (Millionenjahr-Tempel) sollte den Namen des Königs für die Ewigkeit bewahren und seine Seele für immer am Leben erhalten. Jener riesige Tempel sollte als Ort der Erneuerung für Amenhotep dienen.
Es war wohl der größte jemals in Ägypten gebaute Tempelkomplex! Ägyptologen berechneten, dass der Tempel einst sogar größer gewesen sein soll, als der Karnak-Tempel. Leider ist der Tempel infolge wiederholter Plünderungen und Erdbebenschäden weitgehend von der Bildfläche verschwunden. Nur noch die beiden berühmten Memnon-Kolosse (Abbildung weiter oben) stehen an ihrem alten Ort. Sie waren ursprünglich »Herrscher der Herrscher« genannt worden.

Abb. oben: grafische Rekonstruktion des Totentempels von Amenhotep III. in Kom el-Hetan.
(Grafik: Anja Semling)


Im letzten Jahrzehnt von Amenhoteps Regierungszeit bestattete der König seine Mutter Mutemwia. Sie war mindestens 50 Jahre alt als sie starb. Amenophis III. trauerte sehr um die »Gottesmutter«, denn sie hatte ihn auch nach dem Tod seines Vaters (Thutmosis IV.) durch das Labyrinth der protokollarischen Erfordernisse geführt. Wahrscheinlich wurde sie im »Tal der Königinnen« – in den Hügeln westlich von Qurna – begraben. Auch die Schwestern von Amenhotep, Tiaa und Imen-em-ipet, starben während seiner Regierungszeit. Seine Schwiegereltern, Tuja und Juja, sind wohl schon in der Frühphase von Amenhoteps Regierungszeit gestorben.

Amenhotep verdrängte seine Trauer nach den Todesfällen in der Familie, um sich auf seine Pflichten als König zu konzentrieren. Er regierte Ägypten mit Härte, aber auch unter Beachtung der Rituale. Seine klugen Verhandlungen mit anderen Monarchen sind auf kleinen Tontäfelchen zu ersehen. Er korrespondierte mit großen ausländischen Potentaten aus Babylon, Mitanni und Arzawa – mit dem Ziel: den Erwerb von Gold, denn Ägypten stand im Ruf des großen Reichtums. Im Austausch für dieses wertvolle Produkt gaben ausländische Könige oft ihre Schwestern und Töchter.
Amenhotep verfolgte mit auswärtigen Heiraten einen doppelten Zweck: Zum einen schätzte er die Schönheit der Frauen an seinem Hof, zum anderen brachte die Ankunft ausländischer Prinzessinnen am Hof auch handfeste politische Vorteile mit sich.

Amenhotep verfolgte die etablierte dynastische Politik, mittels diplomatischer Heiraten internationale Kontakte zu sichern. Um 1382 v.Chr. heiratete er bereits Giluchepa, die Tochter von Sutarna II. (König v. Mitanni), und nun zwanzig Jahre darauf nahm er die Tochter Taduchepa von König Tuschratta (König v. Mitanni) zur Gemahlin. Neben seinen beiden Ehen mit Mitanni-Frauen schloß Amenhotep weitere Allianzen durch Ehen mit Angehörigen der Königshäuser in Arzawa (Südwestanatolien) und Babylon. Gegen Ende seiner Herrschaft hatte er drei Große königliche Gemahlinnen: Königin Teje, Satamun und Isis (beide Töchter aus seiner Ehe mit Teje). Hinzu kamen fünf Nebenfrauen; u.a. Giluchepa und Taduchepa.

Um 1358 –1357 v. Chr.: Amenhotep III. ist zwischen 45–46 Jahre alt
und in seinem 34.–35. Regierungsjahr
Das zweite Sedfest feierte Amenhotep im Jahr 1358 v.Chr. Mit der roten und weißen Doppelkrone, als Symbol der Herrschaft über ganz Ägypten. Er war prachtvoll gekleidet und geschmückt. Er trug pompösen Halsschmuck, goldene Armspangen und Armreife, prunkvolle Pektorale sowie extravagante Kleidung. Mit jedem Sedfest trug er noch mehr Goldschmuck.
Während des Festes ernannte er seine zweite Tochter Isis anstelle seiner verstorbenen Mutter (Mutemwia) zur »Großen königlichen Gemahlin«. Das letzte Sedfest feierte er zum 30. Jahrestag seiner Krönung vor erst vier Jahren. Bei den Riten zum Sedfest wurde Amenhotep III. zum Sonnengott. Er trug dann eine Krone mit Sonnen- und Mondscheibe sowie die Hörner des Amun-Re.

Um 1356 –1354 v. Chr.: Amenhotep III. ist zwischen 47–49 Jahre alt und in seinem 36.–38. Regierungsjahr
Um 1356 v.Chr. sandte der mitannische König Tuschratta eine Statue der Ischtar, der babylonischen Göttin der Liebe und Fruchtbarkeit, nach Ägypten. Sie war ein Geschenk zur Hochzeit seiner Tochter Taduchepa mit Amenhotep. Die Statue sollte vermutlich das Bündnis zwischen Ägypten und Mitanni segnen.

Drittes Sedfest

Während Amenhotep mit seiner jungen mitannischen Gemahlin Taduchepa ein neues Eheglück genoss, sonnte Ägypten sich im Glanz des Pharaos. Die Zeit des Friedens und des Wohlstandes, schien es, würde ewig währen. Der riesige königliche Palast von Malkata wurde noch einmal erweitert, offenbar, um Taduchepas Gefolge aus 270 Frauen und 30 Männern Platz zu bieten, das zu einem Teil des ständig wachsenden Harims aus Frauen und Kindern wurde.
Im 37. Regierungsjahr entschloss sich der Gottkönig bei einem dritten Sedfest seine Kräfte zu erneuern; nur drei Jahre nach dem voran gegangenen!


Amenhotep III. stirbt

Nach heutiger Rechnung wohl im Januar 1354 v.Chr. starb Amenhotep III. im siebten Monat seines 38. Regierungsjahres. Vermutet wird als Todesursache sein Alter; zu einer Zeit, als die Lebenserwartung in Ägypten etwa 35 Jahre betrug, war er fast 50 Jahre alt geworden.
Während sein Volk mit der traditionellen siebzigtägigen Trauerzeit begann, wurde der Leichnam des Königs in feierlicher Prozession aus dem Palast von Malkata zu seinem imposanten Totentempel in Kom el-Hetan gebracht.
Hier machten sich die Einbalsamierer an das hochkomplizierte Ritual der Mumifizierung. Die präparierte Mumie legte man in ihren Satz aus goldenen Särgen, der bis zur Bestattung in einem goldenen Schrein ruhte. Im Westtal wartete das prächtige Grab des Königs. In Anwesenheit des Thronerben Prinz Amenhotep und der »Großen königlichen Gemahlin« Teje, Satamun und Isis verließ die Prozession den Totentempel um über den Nil ins Westtal zu gelangen. Am Grab wurden unter Wolken aus reinigendem Weihrauch die Bestattung vollzogen. Die Mundöffnung erfolgte. Beim Darbringen reicher Opfergaben rezitierte man den alten Spruch:

»Tausend Gefäße mit Parfüm, Räucherwerk, Salben und jederlei Kräutern, ja allen Arten von Opfergaben, von denen die Götter leben«.

Dann rief man dem König zu:

»Lebe von neuem!
Du bist wieder jung geworden!
Du bist wieder jung, auf immer und ewig!«

Sobald die Seele des Königs wieder erweckt war, brachte man die Mumie in die tief im Innersten des Grabes gelegene Grabkammer, wo sie in einen massiven Sarkophag aus rotem Granit gelegt wurde.

Amenophis Neb-Maat-Re, Herrscher von Theben.

Nach dem Abschluss der Bestattungsriten trat der älteste lebende Sohn des Pharaos dessen Nachfolge an. Benannt nach seinem Vater bestieg Amenophis IV., der später den Namen Echnaton annahm, den Thron von Ober- und Unterägypten.

Das Grab Amenhoteps III. (WV 22) befindet sich nicht im Tal der Könige, sondern in dem nahe gelegenen "West Valley", noch einsamer und eindrucksvoller als das Tal der Könige. Zu der Anlage des großen Felsengrabes gehört eine Reihe von Säulenhallen, außerdem besitzt es zwei Kammern für seine Gattin Teje und seine Tochter Sitamun.

Abb. oben: Das Tal der Könige und das Westtal, wo Amenhotep III. bestattet wurde. Das Grab heißt heute WV22 (= West Valley Nr. 22)


Die Regierungszeit von Amenhoteps III. war eine einzigartige Epoche. Der König wurde zum Vorbild, an dem sich alle späteren Pharaonen maßen. Auf Herrschertafeln wird sein Name hervorgehoben; auf den Darstellungen in den Gräbern der Ramessiden erscheint er als Objekt der Verehrung.

Der Nachfolger von Amenophis Neb-Maat-Re war:
Amenhotep IV. –
der Sonnenkönig Echnaton

Nach dem Tod von Amenhotep III. um 1353 v.Chr., bestieg sein Nachfolger, ein junger Prinz, den Thron beider Länder Ägyptens. Die Thronerbschaft fiel auf ihn, da sein älterer Bruder (Thutmosis) früh und unerwartet verstorben war.

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