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Religion & Glaube

Religion und Glaube

Die altägyptische Religion beruhte auf Mythen, Symbolen und Riten. Die altägyptische Religion hatte keine Doktrin wie Katholizismus oder Islam. Die ägyptischen Priester waren auch nicht als Missionare tätig und die Religion war nicht auf das einsame Gebet beschränkt. Vielmehr war der Pharao der oberste Priester, ab der 4. Dynastie der "Sohn des Sonnengottes Re", und hielt als Stellvertreter des Gottes Horus, das Leben auf Erden in Gang.


»Ich bin du, und du bist ich,
dein Ba ist mein Ba,
dein Lauf ist mein Lauf durch die Unterwelt!
...«

Abb. links: Re auf seiner Barke reist durch die Unterwelt. Detail aus der Jenseitsliteratur, dargestellt in Gräbern von Pharaonen.
(Bild: E. Kronlob)


Zur Zeit der Pharaonen gab es zahlreiche Götter. Einige sind Nachbildungen verwandter Gottheiten und viele weisen gemeinsame Merkmale auf. Re war zu allen Zeiten der große Sonnengott, der aus sich selbst entstanden war (vgl. Atum) und erschien dem Ägypter in vielerlei Gestalten. Osiris, Sohn des Erdgottes Geb und der Himmelsgöttin Nut, wurde dem Mythos zufolge von seinem Bruder Seth ermordet. Osiris aber wurde von seiner Schwester und Gemahlin Isis wieder zum Leben erweckt und zeugte mit ihr seinen Sohn Horus. Dieser Horus wurde später der Herr der Welt und Osiris Gott der Unterwelt sowie Richter über die Toten. Dieser Mythos prägte die altägyptische Religion die längste Zeit über, spätestens ab der 5. Dynastie wurde der verstorbene König selbst zu einem Osiris im Jenseits.

Der theologische Grundkonsens, den die Religion der alten Ägypter beschreibt, umfasst das des "Seins" und "Nichtseins". Nach dem Glauben der alten Ägypter war das irdische Leben im Diesseits etwas parallel Existierendes neben dem Leben im Jenseits, diese beiden Bereiche umfassen das sogenannte "Sein". In das jenseitige Leben geht der Ägypter als Toter und erfährt so seine Erneuerung oder auch Wiedergeburt; Er wechselt lediglich die Sphäre im "Sein". Deshalb musste der Körper für ein Leben nach dem Tode vorbereitet, sprich einbalsamiert, werden. Auch die Götter im alten Ägypten waren sterblich und existierten allesamt in jenseitiger Welt.
Das "Nichtsein" war das Chaos, das absolute Nichts, also der Zustand wie jener vor der Schöpfung. Im "Nichtsein" endeten alle, die das Totengericht nicht bestanden haben. Die Grenze zwischen "Sein" und "Nichtsein" wurde von dem Götterfeind Apophis beherrscht, einer schrecklichen Schlange.

Abb. oben: Der verstorbene Pharao weilt fortan im Jenseits und nimmt stets teil an der Reise des Sonnengottes Re, welcher sich jede Nachtfahrt durch die Unterwelt erneuerte, um am Morgen verjüngt am östlichen Horizont zu erscheinen. Der Pharao steht hier vor dem Gott Nefertem; hinter ihm steht die Göttin Maat, die Personifikation von "Wahrheit und kosmischer Ordnung". – Bildausschnitt aus dem Grab des Ramses' I., Tal der Könige. (Foto: Elke Bassler)


Die Priester des Sonnenkultes lehrten, dass der verstorbene König ins Reich des Osiris (der Westen/Amenti) einging und fortan das himmlische Boot mit dem Sonnengott Re bestieg, um diesen auf seiner täglichen Fahrt über das Firmament zu begleiten; am Tage über der Erde, des Nachts durch den Himmel unter ihr. Die Osirispriester lehrten, dass sich der tote König in der Unterwelt in ein Osiris verwandelte, um zu herrschen, wie er es auf Erden getan hatte. Diese Verwandlung wurde in späterer Zeit auch den anderen Menschen zuteil. Osiris wurde der Totengott aller Ägypter; er war aus ersichtlichen Gründen einer ihrer bedeutendsten Gottheiten und Wandlungen gegenüber weniger ausgesetzt als die Götter, die für das Leben zuständig waren.

Monotheistisch oder polytheistisch?

Heute wird noch immer in der Fachwelt darüber diskutiert ob die altägyptische Religion monotheistisch oder polytheistisch in ihrer Gesamtheit war. Offensichtlich geht die Tendenz aber in die althergebrachte Vorstellung, dass die Glaubensvorstellungen rein polytheistisch geprägt waren. Ein eindeutiger Nachweis, dass es einen einzigen Gott hinter oder über den so zahlreichen Gottheiten im Alten Ägypten gab, fehlt bislang. Allenfalls wage Andeutungen, bzw. in die Irre führende Schriftstellen der Ägypter. Denn alleine das Wort "Gott" was die Ägypter mit "netscher" definierten, besagt nun nicht, dass ein einziger anonymer Gott gemeint war. Mit "netscher" konnte jeder beliebige Gott, aber im Zusammenhang mit dem Kontext seines Genanntwerdens, gemeint sein.

Mythos und Glaube

Zu Beginn der Schöpfung, am uranfänglichen Anfang, "entstand" ein Gott, der eine Einheit war, ungeschlechtlich und als Schöpfergott Atum – aus sich selbst entstanden noch frei von Zeugen seiner selbst; also in der Tat: der Eine. Doch aus ihm folgte die Vielheit und Differenziertheit aller Götter. Obwohl es stimmt, dass man zu bestimmten Zeiten an der Spitze des ägyptischen Pantheons einen höchsten Gott findet, hatten die anderen Götter letztendlich Bestand. Die Eigenschaften des höchsten Wesens seien nicht auf irgendeinen einzigen Gott beschränkt gewesen. Und man fand sogar innerhalb des selben Zeitraumes viele Götter, die "Einziger Gott, ohne Seinesgleichen" und "Einziger" genannt wurden; jede Gottheit war einzigartig und unvergleichlich.

Zur Frühgeschichte

Aufschluß über den Jenseitsglauben der Menschen der Negade-II-Kultur (3400–3100 v.Chr.) geben mehr als einhundert Gräber, die man vor geraumer Zeit fand. Fest steht, dass die beigelegten Tongefäße der Versorgung des Verstorbenen dienten. Damals schon glaubte der Ägypter noch an eine Wiedergeburt, was man an der Lage des Verstorbenen gen Osten – zur täglich aufgehende Sonne entgegenblickend – ablesen kann. Er glaubte an den Zyklus des Werdens und Vergehens, wie man es in der Natur beobachten kann.
Als der Ägypter dazu überging den Verstorbenen statt gen Osten nunmehr gen Westen auszurichten, drückte er damit einen inzwischen vollzogenen Wandel in seinen Vorstellungen von der zyklischen Auferstehung aus: Der Westen ist zum Ort des Todes geworden. Hier ist der Verstorbene zu einem Toten geworden, das Leben aber, die »Seele« lebt im Jenseits weiter, im Überirdischen.

Abb. oben: Kanopenkasten aus Holz. Neues Reich. Bildbeschreibung: Osiris auf seinem Thron im Reich der "Toten". Direkt hinter ihm steht seine Gemahlin Isis; hinter ihr steht Nebethut (die Schwester).
Standort: Ägyptisches Museum und Papyrussammlung, Staatliche Museen zu Berlin.
Copyright: bpk / Ägyptisches Museum und Papyrussammlung, SMB. Foto: Anja Semling


Der Anfang und Osiris

Die Sonne sahen die Ägypter in Gestalt des Gottes Re, der Verkörperung der Sonnenscheibe. Mit ihm regierten Chepre, der Skarabäus, als Gott der Morgensonne und Atum als abendlicher Sonnengott. Des Nachts erschien Re in der Unterwelt als widderköpfiger Mann, seine Ba-Seele; Osiris verkörperte den Leichnam des Re im Jenseits, wo die seligen Verstorbenen weilten.

Osiris-Mythos kurzgefasst

Einer der wichtigsten Götter des alten Ägypten war Osiris. Dem Mythos nach soll er als menschlicher Herrscher gewirkt und für Landkultivierung und Zivilisation gesorgt sowie den Wein- und Getreideanbau eingeführt haben. Er galt als Fruchtbarkeissymbol. Osiris heiratete seine Schwester Isis, durch deren magische Kräfte er später zum Herrscher der Unterwelt wurde: Sein Bruder Seth, der auf Osiris' Beliebtheit neidisch war, lockte ihn in eine Kiste, die er dann in den Nil warf, und ertränkte Osiris. Isis fand den Leichnam, ließ ihn aber unbewacht, so dass Seth ihn in 14 Teile schneiden und über ganz Ägypten verteilen konnte.
Isis suchte sie wieder zusammen und ließ sie von Anubis wie eine Mumie zusammenbinden, sie nahm die Gestalt eines Falken an und schlug mit den Flügeln, wodurch sie Osiris durch ihre Magie, wieder zum Leben erweckte und zeugte mit ihm Horus, der später seinen Vater rächte. Osiris aber wurde oberster Totengott im Jenseits und jeder verstorbene Pharao im alten Ägypten wurde fortan selbst zu einem Osiriswesen.

Die Göttin Isis

»Ich bin alles, was war, was ist und was sein wird. Kein Sterblicher hat jemals meinen Schleier gelüftet.«

Isis, war eine der beliebtesten Göttinnen im alten Ägypten. Unter allen altägyptischen Gottheiten war es Isis, die am längsten verehrt wurde, bis weit ins Zeitalter der Kleopatra hinein. Zahllose Anbeter und Fürbitter umschwärmten stets ihren Tempel in Philae. Als Ehefrau des Osiris und Mutter des Horus verkörperte sie gleichzeitig Thron und Mutterschaft. Auf ihrem Kopf gibt eine von Kuhgehörn gehaltene Sonnenscheibe diese Eigenschaften wieder. Sie besaß magische Heilkräfte.


Mythologie – die Geburt von Isis: Als Atum zwischen sich und den Urwassern (Nun) eine Scheidung geschaffen hatte, indem er aus den Urwassern den bnbn-Hügel (Benben) auftauchen ließ, führte er mit seiner Hand seinen eigenen Samen zum Munde. Nachdem er so sich selber befruchtet hatte, spie er aus seinem Munde Schu und Tefnut aus, den Windhauch und die Feuchtigkeit. Dadurch ward er zum Vater und zur Mutter aller Götter. Denn Schu und Tefnut verbanden sich miteinander und zeugten Geb, die Erde, und Nut den Himmel. Geb und Nut aber, Geschwister wie ihre Eltern Schu und Tefnut, verbanden sich ebenfalls miteinander und zeugten Osiris, Seth, Isis und Nephthys.


»Noch wir Späteren leben heute vom ägyptischen Glauben
an den Sieg des Lebens über den Tod.«


(Zitat: Manfred Görg, Religionswissenschaftler)


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