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Krieg und Armee

Die Zivilisation der alten Ägypter war allen Nachbarvölkern überlegen. Dennoch blieb das Land am Nil nicht von inneren Wirren und Fremdherrschaft verschont.

Spuren von einigen Kriegen hat erstmals das prädynastische Reich hinterlassen. Die wichtigste Folge davon war die Vereinigung von Ober- und Unterägypten durch König Narmer (0. Dynastie).

Kriegerische Auseinandersetzungen beschränkten sich im Alten Reich auf "Polizeieinsätze" gegen die Beduinen – die Nomadenstämme der Wüste bedeuteten immer eine Bedrohung für Ägypten. Das fruchtbare Niltal zog sie an, immer wenn die Zentralmacht stark war, versuchten sie dort friedlich einzudringen, aber in Zeiten der Schwäche des Staates fielen sie in Banden ein. Kriege gegen die Asiaten fanden seltener statt, denen auch jedesmal eine Massenerhebung voranging.
Vereinigungskriege mit der Folge des Sieges der thebanischen Fürsten über Ägypten standen am Anfang des Mittleren Reiches. Danach glichen die Kriege wieder Razzien: Ernten wurden verbrannt, Frauen verschleppt und das Vieh geschlachtet – sogenannte Strafexpeditionen. Befestigungsanlagen wurden errichtet in denen sich die Gefolgsleute des Pharao nach den Bestrafungen innerhalb der Region wieder zurückzogen. – Der Imperialismus des Neuen Reiches veränderte die Kriegsmethoden. Ziel war immernoch große Beute zu machen aber jetzt noch viel mehr Provinzen zu schaffen, und diese dem Pharao untertan zu erhalten.
Bei Feldzügen bildete der König die Spitze der Armeen. Die Truppenverbände marschierten oft geteilt. So unterschied man z.B. zwischen der Armee des Amun und der Division des Re, des Ptah und des Seth – jede unter einem anderen Kommandant. Der Pharao traf die Entscheidungen, hielt aber auch oft Kriegsrat mit seinem Stab.

Abb. oben: Gefangene Feinde Ägyptens, dargestellt auf dem Tempel von Luxor.
(Foto: Carmen Wolfram)


In Kriegsszenen, welche Tempelmauern zieren, wurde der Pharao dargestellt, wie er seine Soldaten und seine Feinde durch seine riesige Gestalt beherrschte. Damit wurde eine Tradition weitergeführt, die schon auf der Palette des Narmer zum Ausdruck kommt. Der König überragt immer seine niedergestreckten Feinde durch seine immense Größe.

Armee (Militär)

Im Alten und Mittleren Reich hatte jeder Gau seine eigenen Milizsoldaten. Eine staatlich organisierte Armee gab es wohl noch nicht. Die Truppen des Pharaos waren wenige: Palastwachen, Soldaten, welche Schiffe des Königs nach Syrien begleiteten, und Krieger, die als Wüsten-Polizei fungierten oder den Frondienst beaufsichtigten, der an den gigantischen Konstruktionen der Pyramidenerbauer geleistet wurde.
In der ersten Zwischenzeit wurden dann Gauarmeen aufgestellt, die in (Vierer-)gruppen dem Rang nach mit größter Disziplin marschierten. In dieser Zeit und im Mittleren Reich wurde auch eine Rekrutierung durchgeführt.
Die großen Könige der 12. Dynastie führten einige Feldzüge durch, bei denen sie von Gaufürsten begleitet wurden, die Truppenverbände anführten. Die häufigsten Aufgaben der Soldaten waren aber Polizeioperationen im Lande. Z.B. Expeditionen zu den Minen um diese zu schützen oder See-Expeditionen nach Punt. Die permanenten Truppen bezogen in den Festungen Stellung, welche die Grenzen beschützten.
Die imperialistische Politik des Neuen Reiches hatte die Aufstellung einer Berufsarmee zur Folge.
Truppenverbände, die Namen wie "Amun", "Garde des Pharaos", "Schönheit der Sonnenscheibe", etc. trugen formierten sich ab der 18. Dynastie. Zurzeit des Haremhab war die Armee in zwei große Verbände eingeteilt, von denen einer im Delta, der andere im Süden einquartiert war. Unter den ersten Ramessiden trifft man auf einen Truppenverband, der sich aus 1900 ägyptischen Soldaten und 3100 Söldnern zusammensetzte. Diese Söldner waren Asiaten, Beduinen der Wüste (in den Truppen die meisten Bogenschützen) oder Nubier vom Stamm der Meza. Weitere Söldner waren aus Libyen und von den Seevölkern (=Bewohner der "Inseln inmitten des Großen Grünen" / Ägäer).


»Sein Marsch geht aufwärts durch die Berge. Er trinkt Wasser jeden dritten Tag ... Sein Leib ist von Krankheiten gezeichnet. Der Feind kommt, umkreist ihn mit Wurfgeschossen ... man sagt ihm: "Auf, vorwärts, tapferer Soldat!"«

Der Oberbefehlshaber der Armee war der Pharao
Der Wesir hatte die Verantwortung für die Rekrutierung der Truppen, ihren Unterhalt und ihr Training. Leutnants befehligten die Militärzonen, und königliche Komissare waren verantwortlich für die Garnisonstruppen im Ausland. In der Regel waren die höheren Offiziere, die aus der Schreiber-Schule kamen. Wagenoffiziere machten in der Regel die steilsten Karrieren.
"Liniensoldaten" waren in der Regel mit mehreren Waffen ausgerüstet: Standardbogen mit Köcher, Sichelschwert, Axt, Kurzschwert aus Bronze. Kompositbögen wurden aus mehreren Schichten Birkenholz, Stiersehnen und Ziegenhörnern angefertigt und mit Fischleim verleimt. Die Pfeile bestanden aus Schilfrohr und hatten Spitzen aus Stein und Metall.

Ramses II. führte eine große Schlacht bei Kadesch gegen die Hethiter
Durch eben diese Schlacht wurde die Stadt Kadesch in den Annalen so berühmt. Die Schlacht ist deswegen so bekannt, weil der Pharao auf die Wände des Tempels von Karnak und des Ramesseums (Detail Abbildung unten) diese eingravieren ließ:

Abb. rechts: Pharao Ramses II. auf seinem Streitwagen mit Pferdegespann; Ramesseum. (Foto: Bernadett Andics)

Die Schlacht bei Kadesch:
Der König der Hethiter hatte gegen Ägypten die stärkste Koalition gebildet, die es je gegeben hatte. An der Spitze der vier Armeen des Amun, des Re, des Ptah und des Seth marschierte Ramses gegen Syrien.


Zwei von den Hethitern geschickte Spione täuschten den König, indem sie ihn glauben ließen, die Feinde hätten sich nach Norden gegen Aleppo zurückgezogen. Unvorsichtigerweise führte Ramses seinen Weg nach Kadesch fort, indem er die vier Armeen getrennt marschieren ließ. Nachdem er den Orontos überquert hatte, lagerte er vor der Stadt, um auf den Rest der Truppen zu warten. Er wußte nicht, dass die Feinde sich hinter der Stadt versteckt hielten. Diese warteten ab, bis die Armee des Re vorbei marschiert war, um anzugreifen und schlugen die Ägypter in die Flucht, die zum Feldlager liefen, wo sich Ramses mit der Armee des Amun aufhielt.

Die Übertreibungen des Gedichts lassen vermuten, dass Ramses seine Männer sammelte, sie durch seinen Mut anspornte, die Angreifer zurückschlug und so eine Niederlage verhinderte, die durch die Ankunft der Armee des Ptah in einen Sieg verwandelt werden konnte. Die Bündnispartner sollen nach einigen Quellen 2500 Wagen (oder 1000 nach anderen Quellen, die wohl näher bei der Wahrheit liegen) auf einer Linie aufgereiht haben.

In dieser Schlacht fiel die Blüte der hethitischen Jugend und die syrischen Prinzen, und Muwatalli (König der Hethiter) zog sich aus Furcht vor der Armee des Seth schließlich zurück. Die ägyptischen Verluste müssen schwer gewesen sein, und die Folge dieser Schlacht war der berühmte ägyptisch-hethitische Friedensvertrag. Muwatalli blieb jedoch Herr von Kadesch, was wohl die wahren Verhältnisse dieses Sieges zeigt, dessen sich Ramses so rühmte. Diese Schlacht fand im 5. Regierungsjahr von Ramses statt, 1274 v.Chr. (Quelle: Schlacht bei Kadesch, G. Rachet, Lexikon des Alten Ägypten)

Quelle und Copyright: Anja Semling


»Fliegen der Tapferkeit« = militärische Auszeichnung
Eine Auszeichnung wurde vom König einem verdienstvollen Krieger verliehen, der seine Feinde traktiert und ihm quasi wie eine lästige Fliege zugesetzt hatte. Im Grab der Königin Ahhotep (17./18. Dynastie) fand man eine herrliche goldene Kette mit drei Fliegenamulette als Anhänger (Grafik oben).
Die Soldaten empfingen vom Pharao auch Waffen, Gold, einen Teil der Beute, auch Sklaven und vererbbare Ländereien, die sie ihrem ältesten Sohn vermachten, der dann anstelle seines Vaters dem Herrscher weiter diente.


Buch-Tipp

  • Die Macht der Pharaonen
    Waffen und Militär im alten Ägypten
  • Autor: Peter W.F. Heller
  • Verlag: Engelsdorfer Verlag
  • Erscheinungsdatum: 2013
  • Auflage: 1.
  • deutschsprachig
  • Seitenzahl: 468
  • Ausgabe: broschiert
  • mit zahlreichen SW-Abb.
  • ISBN: 978-3954881598
  • Gibt's bei Amazon


Dieses Buch beschreibt sehr anschaulich die Waffen und das Militär im alten Ägypten. Die erfolgreiche Entwicklung hinsichtlich Kultur und seiner 3000-jährigen Beständigkeit, verdangte das alte Ägypten mitunter seiner hervorragenden Verteidigung und Armee; der Oberbefehlshaber der Armee war immer der Pharao.
Kriegerische Auseinandersetzungen, Vereinigungskriege, Feldzüge, Schlachten, Polizeioperationen und Kriege, prägten das Land von Anfang an, was der Autor des Buches Peter Heller eindrucksvoll schildert. Sachlich und reich bebildert, liegt der Leserschaft hiermit ein umfassendes Werk vor, das detailliert auf das Waffen- und Militärwesen eingeht.
Eingeteilt in elf große Kapitel, die in zahlreiche Unterkapitel gegliedert sind, ergibt sich für den Leser ein genaues Bild über die ganze Thematik: Die strategische Lage (1), Das steinerne Zeichen der Macht (2), Die schwarzen Bogenschützen (3), Mit Pferd und Wagen (4), Der Herr der beiden Augen (5), Die Soldaten des Pharaos (6), Der Mythos vom Schwert (7), Festung Ägypten (8), Feldherren, Ketzer, Ränkeschmiede (9), Die Eroberer (10), Götter des Krieges (11).

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