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Religion & Glaube > Totenkult > Sonnenlauf

Die Nachtfahrt des Sonnengottes

Die (erfolgreiche) Nachfahrt des Sonnengottes verhilft den Toten zu neuem Leben und sichert den Weltenlauf sowie die kosmische Ordnung.

Quelle: kleiner Ausschnitt aus Totenbuch-Papyri

»Ich bin du, und du bist ich,
dein Ba ist mein Ba,
dein Lauf ist mein Lauf durch die Unterwelt!
...
Wie du bist, so bin ich auch, …
dein Wandel ist ja mein Wandel,
dein Dahineilen ist ja mein Dahineilen…
Meine Fahrt ist deine Fahrt, Re,
mein Dahineilen ist dein Dahineilen…
Ich gehe mit dem Gang des »Horizontischen«,
ich wandle mit dem Wandel Res.«


Der Sonnenlauf stand im Neuen Reich im Zentrum des Jenseitsglaubens. An ihm wollte der verstorbene König teilhaben, um in den ewigen Zyklus von Auf- und Untergang, Leben und Tod eingebunden zu sein. Den gleichen Zweck erfüllte für nicht-königliche Personen das auf Papyrus geschriebene »Totenbuch« mit seinen unzähligen Sprüchen.

Im Osten, neu geboren, tritt der Sonnengott Re abermals seine Herrschaft an, indem er in seiner Barke über den Himmel fährt. Gealtert im Westen angekommen, tritt er in die Unterwelt ein und vereinigt sich am tiefsten Punkt im Jenseits mit Osiris; um danach verjüngt und regeneriert seinen Lauf fort zu setzen.
Im sog. Amduat (= "Das, was in der Unterwelt ist"), wird von den Ägyptern ausführlich die Reise des Sonnengottes Re durch die den zwölf Nachtstunden entsprechenden zwölf 'Abteilungen' der Unterwelt bildlich und schriftlich beschrieben. In den sogenannten "Jenseitsbüchern" (Unterweltsbücher) findet sich der Sonnenlauf als zentraler und wesentlicher Bestandteil der Jenseitsvorstellungen.

Quelle: Frank Theis

Abb. oben: Die Wiedergeburt der Sonne stand im Zentrum des täglichen Sonnenlaufs durch die Unterwelt. Hier die Sonnenkugel mit den zwei Hauptgestalten des Sonnengottes darin: als "Chepri", die Morgensonne (links) und als widderköpfiger Mann ("Ba"), die Nachtsonne (rechts). Die beiden Göttinnen Isis (ganz links) und Nephthys (ganz rechts) beten den Sonnengott an, ein erster Hinweis auf die Vereinigung der Sonne mit Osiris. (Foto: Frank Theis; im Tal der Könige)


Der Lauf der Sonne erstreckt sich von Hinabstieg in die Tiefe (Unterwelt) und Wiederkehr in verjüngter Gestalt am Tagesbeginn (Sonnenaufgang im Osten über der Erde). Im nächtlichen Sonnenlauf erfährt der Sonnengott Re eine Verwandlung, Erneuerung, Verjüngung, Neugeburt. Dies gilt auch analog für alle anderen seligen Toten in der Unterwelt sowie selbstverständlich für den verstorbenen König; dieser vollzieht den Lauf des Sonnengottes nach, um den Tod zu überwinden.
Re erhellt mit seinem Licht die Unterwelt und Re vereint sich mit Osiris dem Herrscher der Toten – diese Vereinigung ist das große Mysterium dieser nächtlichen Fahrt. Osiris ist der Leichnam des Sonnengottes Re und während der sich die Ba-Seele des Re mit seinem "toten" Körper vereinigt entsteht neues Leben; der Sonnengott wird wiedergeboren. Re in der Unterwelt erscheint als widderköpfige Gestalt, als sein Ba (=Seelenwesen).
Die Verstorbenen begleiten Re auf seinem Sonnenschiff, das sie durch die Räume des Jenseits dahinträgt. Auch gab es für die Sterblichen Totenbuch-Sprüche, die den "Einstieg in das Sonnenschiff" sicherten. In dieser »Barke der Millionen« sollten eigentlich alle seligen Verstorbenen mitfahren dürfen.

Quelle: Elke Bassler

Abb. oben: Die Sonnenbarke; Re ist hier dargestellt als widderköpfiger Mann, die Verkörperung der Ba-Seele des Re im Jenseits. Re unter einem Baldachin umschlängelt von der Mehen-Schlange, die ihn bewacht. Re wird hier von seinem Herold Sia und dem Gott Heka (Gott der Magie) begleitet. – Detail aus dem sog. Pfortenbuch; eines der Jenseitsbücher.
(Foto: Elke Bassler; Tal der Könige, KV 16, Ramses I.)


Durch den Hinabstieg in die Unterwelt wird Re zu einem "Gruftbewohner" wie die anderen Toten. Fortan ist Re auch "Der Unterweltliche", "Der Dunkle", "Der Geheimnisvolle".
Re muss auf seiner Fahrt durch die Unterwelt viele Gefahren und Hindernisse überwinden, bis er schließlich in der Gruft des Osiris angelangt ist. Wie schon oben bereits erwähnt, findet in der Unterwelt eine Vereinigung von Re und Osiris statt, das Mysterium ... Durch diese Unterweltsfahrt des Re, bringt er Osiris stttets Hilfe, welcher permanent in seiner Todesmattigkeit gefährdet ist. Und von Feinden, allen voran dem größten Feind Apophis, bedroht wird.
Auferweckungsszene des "Toten" durch Re:
Re dringt durch seine Sonnenstrahlen in den Leib des Osiris, der sein eigener Körper und zugleich Osiris ist. In diesem Bild ist der komplexe Vorstellungskreis des Wiederauflebens dargestellt.

Bildquelle: Anja Semling

Durch das Sonnenlicht wird der Tote (Osiris) jede Nacht aus dem Todesschlaf erweckt und wiederbelebt (Abb links). Re zieht danach weiter und die Verbindung mit Osiris ist nur vorübergehend.


Am folgenden Tag erscheint Re verjüngt in anderer Gestalt als »Chepri am Morgen«, dann als »Harachte (=Horus am Horizont) am Mittag«, und als »Atum am Abend« sowie danach wieder als ein Osiris bei Nacht. Das sind vier wesentliche Erscheinungsformen des Re. Die Nachtfahrt des Sonnengottes war für die Ägypter ein stetiger Kreislauf und durfte nicht unterbrochen werden, denn sonst war das Leben auf der Erde sowie die Welt der Toten in Gefahr.

Sonnenbarke (Sonnenschiff)

Bereits in Gräbern der 1. Dynastie fanden sich große echte Schiffe als Grabbeigaben. Mit diesen Schiffen sollte der verstorbene und ins Jenseits gelangte König den Sonnengott Re begleiten. Da solch ein Schiff ihm dies ermöglichte, nannte man es »Sonnenschiff«. Und in der Vostellung der alten Ägypter war das Jenseits wie im Diesseits mit zahlreichen Wasserwegen durchzogen; deshalb wohl auch eine Barke als "Fahrzeug". Ebenso sollte das Schiff den Toten befähigen, sich außerhalb des Grabes zu bewegen. Das Ziel dieser Reisen des Toten waren beispielsweise die großen Götterfeste.

Ein echtes Sonnenschiff wurde 1954 südlich der Cheopspyramide entdeckt und wurde zu jener Zeit in der 4. Dynastie, dem Pharao mit in seinen riesigen Grabkomplex gegeben. Die Barke ist aus Zedernholz, Sykomore und Jujube, sie ist ca. 43 Meter lang und in der Mitte etwa 6 Meter breit. Ausgestattet ist das Schiff auch mit mehreren Ruderpaaren.

Das "Sonnenschiff" von Pharao Cheops an seinem heutigen Platz, in einem extra errichteten Museum nahe der Gizeh-Pyramiden. (Copyright Foto: Jon Bodsworth)



Buch-Tipp

Der renommierte Ägyptologe (em.) Erik Hornung hat sich intensiv mit dem Amduat – wo die 12-stündige Nachtfahrt des Sonnengottes erstmalig ausführlich beschrieben wird – auseinandergesetzt. Und sein Werk einem breiten Publikum über die Fachwelt hinaus, erklärend zugänglich gemacht. Eine sehr ausführliche Interpretation und Übersetzung des Amduats sowie des Pfortenbuches, ist in dem Buch "Die Nachtfahrt der Sonne" von Erik Hornung nachzulesen:

  • Die Nachtfahrt der Sonne
    Eine altägyptische Beschreibung des Jenseits
  • von Erik Hornung
  • Artemis & Winkler Verlag (Patmos)
  • 238 Seiten
  • mit 72 sw-Abbildungen
  • Broschiert
  • Erscheinungsdatum: Januar 2005
  • ISBN: 978-3491691308
  • Gibt's bei Amazon


Ein wesentlicher Aspekt altägyptischer Kultur sind die Jenseitsvorstellungen der alten Ägypter, die sich in einer einzigartigen Fülle von visuellen Darstellungen und Inschriften auf Trägern wie Grabwänden, Papyri oder Sargtexten heutzutage noch vorfinden. Die ganze Literaturgattung dieser Werke sind die sogenannten Unterweltsbücher. Ihr Ziel ist es, die Sonne auf ihrer nächtlichen Fahrt durch das Jenseits zu begleiten; insbesondere in den beiden bedeutenden Unterweltsbüchern Amduat und Pfortenbuch, wird dieses gigantische und für den Weltenlauf unabdingbare Szenario detailgenau von den Ägyptern beschrieben – in Wort und Bild. Der Laie heute, kann diese zum Teil abstrusen Darstellungen garnicht oder wenig deuten. Mit vorliegendem Buch "Die Nachtfahrt der Sonne" wird Abhilfe geschaffen.

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