Amenophis IV.
Echnaton Nefer-cheperu-Re Ua-en-Re

Echnaton – Pharao der »Beiden Länder«

Diese heute umstrittene Gestalt sollte einer der bedeutendsten Pharaonen in der ägyptischen Geschichte werden, ja sogar des ganzen Altertums! Eigentlich die faszinierendste Persönlichkeit Altägyptens. An ihr spalten sich aber die heutigen Geister, einige sehen in ihm eine weitsichtige, intelligente und fortschrittliche Person, andere drücken ihm den Stempel von Radikalismus und Verrücktsein auf. Nachdem was man bislang von ihm weiß, dürfte ersteres wohl eher zutreffen.

Abb links: Echnaton mit "Blauer Krone" (altägyptisch: cheperesch).
Ägyptisches Museum, Kairo. (Foto: Jon Bodsworth)


Daten und Ereignisse:

Herkunft:

Ägypten.

Epoche:

Neues Reich, 18. Dynastie.

geboren:

Jahr unbekannt.Vermutlich in Theben, im 18. Regierungsjahr seines Vaters.

Vater:

Amenophis III. (Amenhotep III.)

Mutter:

Teje, »Große Königsgemahlin« von Amenophis III.

Geschwister:

Thutmosis (V.), Satamun, Isis, Henut-Tau-Nebu, Nebet-Ah.

Geburtsname:

zuerst Amenophis, später selbst umbenannt in Echnaton was soviel bedeutet wie: »dem Aton wohlgefällig« (in englisch: Akhen-Aten)

Vokalisation "Echnaton"

"Achanjati" (nach Schlögl)
Namensübersetzung "Echnaton": Verklärter des Aton

Thronname ab etwa dem 6. Regierungsjahr:

Nefer-cheperu-re Uaenre
= Mit vollkommenen Gestalten, ein Re, Einziger des Re
(oder: Vollkommen sind die Erscheinungen des Re, Einziger des Re)

Thronname in
ägyptologischer Umschrift:

Thronbesteigung:

kurz nach dem Tod von Amenophis III., wohl um 1353 v.Chr., vermutlich in Theben.

Regierungszeit:

17 Jahre, etwa von 1353–1336 v.Chr. (nach Helck)

Königsgemahlinnen:

Nofretete und Kija (und weitere Nebenfrauen)

Kinder:

mindestens sechs Kinder mit Nofretete:
Meritaton, Maketaton, Neferneferuatontascherit, Neferneferure, Setepenre, Anchesenpaaton (Anchensenamun).

weitere Kinder:

Tutanchamun (?) und Semenchkare (?)

geehelichte Töchter:

Meritaton, Maketaton, Anchesenpaaton

Gestorben:

vermutlich in seinem 17. Regierungsjahr.

Todesursache:

unbekannt

Nachfolger

womöglich Semenchkare, welchen Echnaton kurz vor seinem Ende zum Mitregenten (?) ernannt hatte. Semenchkare regierte nur wenige Jahre (vier–sechs) und nach ihm folgte der junge Tutanchamun.

Grabstätte:

Echnaton hatte während seiner Regierungszeit, bei seiner Stadt Achet-Aton mehrere Gräber für sich und seine Familie fertigen lassen. Vermutlich wurde er in einem der königlichen Felsengräber beigesetzt.

Mumie:

bisher nachweislich nicht entdeckt.

Besonderheiten Echnatons:

Achetaton:

verläßt Theben u.a. aufgrund schwerwiegender Differenzen mit der Amunpriesterschaft, und gründet in etwa seinem 6. Regierungsjahr in Mittelägypten seine neue Hauptstadt "Achet-Aton"

Namesänderung:

ändert etwa zeitgleich mit der Gründung von Achet-Aton seinen Eigennamen Amenhotep in Echnaton. (Siehe dazu Rubrik: Königstitulatur.)

Götterverfolgung:

verfolgt das Andenken an die thebanischen Götter Amun und Mut, sowie die Vorstellung der "Götter" und ersetzt diese durch den Glauben an die sichtbare Sonnenscheibe Aton.

Atonkult:

schafft die Vielgötterei ab und zwingt den Ägyptern den Glauben an nur einen Gott auf – Aton. Verehrt fortan nur noch Aton und gibt sich als Sohn und Mittler des Aton.

Kunststil:

prägt einen neuen Kunststil: naturalistischer, aber auch bizarrer als jemals zuvor. Traditionelle Formen werden zu bizarren Formen. Personen zeigen sich auf Malereien und Reliefs in lockerer und familiärer Pose.


Nach dem Tod von Amenophis III. um 1353 v.Chr., bestieg sein Nachfolger, ein junger Prinz, den Thron beider Länder Ägyptens. Die Thronerbschaft fiel auf ihn, da sein älterer Bruder (Thutmosis) früh und unerwartet verstorben ist. Zuvor hat Amenophis IV. seine Jugend vermutlich in dem Palast seines Vaters in Malkata auf dem Westufer von Theben, verbracht. Desweiteren war er wahrscheinlich auch einige Zeit in Heliopolis; die uralte Stadt des Sonnengottes Re.

Wahrscheinlich wurde Amenophis IV. in Theben gekrönt mit der normalen offiziellen Königstitulatur und in Theben verbrachte er auch die ersten Jahre seiner Herrschaft.
Umstritten ist allerdings, ob Amenophis IV. eine Mitregenschaft mit seinem Vater ausübte. Der neue König Amenophis läßt sich, wie üblich, beim Opfer vor dem Reichsgott Amun darstellen.

Abb. links: Echnaton. (Zeichnung nach einem Relief: AS)


Gott Amun wird prächtig gefeiert. Luxor ist der Geburtsort; von hier aus hat er die Welt erschaffen. Das alljährliche Opet-Fest bestätigt den Pharao als Amuns Sohn, erneuert durch die Verbindung mit dem Göttlichen seine Herrschaft. Es ist das Jahr eins der Ära des Königs Amenophis IV. Ägypten ist Weltmacht. Die 18. Dynastie, deren zehnter Herrscher Amenophis IV. ist, hat weit über das Kernland hinausgegriffen. Gut ist es der Dynastie bekommen, sich mit Amun, dem Mächtigsten der Götter, zu verbünden. In dessen Namen sind die Feldzüge geführt worden – denn Amun ist der Sieg. Gerecht ist, dass ihm ein zugehöriger Anteil an der Beute zusteht und dass man das Ansehen des Gottes im Lande durch Tempelbau und Schenkungen hebt. Auch Amenophis III., der verstorbene Herrscher, hatte seine Regierungspolitik darauf aufgebaut.

Doch der jugendliche Amenophis sieht das anders! Und er bevorzugte neben Amun eine Gottheit Aton, die er zunächst als Erscheinungsform des alten Sonnengottes Re-Harachte verehrte.
»Das Wort »Aton« bezeichnet ursprünglich die Sonne als Himmelskörper. Später wurde Aton zum Thron des Sonnengottes Re und zu seinem Beinamen. Keinesfalls aber war damit der Gott gemeint, den Amenophis IV. in das Pantheon einführte, denn dieser hat einen längeren Namen: »Es lebt Re-Harachte, der im Horizont jubelt, in seinem Namen als Licht, das der Aton ist«. Das Hervortreten diese Namens im dritten Regierungsjahr muß als die Geburtsstunde des neuen Gottes gesehen werden. Das theologische Programm, das darin zum Ausdruck kommt, besagt, dass sich Aton ausschließlich in der Erscheinung des Lichts offenbarte. Er war das Licht, das die Welt durchdrang und überall Leben spendete« (nach Schlögl)

Noch in Theben in seinem dritten Regierungsjahr ließ Amenophis IV. mehrere Heiligtümer für Aton erbauen, eines davon, bezeichnet mit dem Namen »Gem-pa-aton« (= der Aton ist erfunden). Amenophis IV. bezeichnete sich selbst als Hohepriester des Aton. Der Bruch mit der religiösen Tradition führte notgedrungen zu einem Bruch mit der Beamtenschaft. Nach und nach wechselte der König die meisten seiner höchsten Beamten aus. Seinem Schwiegervater (?) Eje, der den Titel »Gottesvater« trug, vertraute er wichtige Ämter an. Nofretete, seine große königliche Gemahlin, behauptete sich in Kult und Staat fast gleichberechtigt neben dem König. Sie war an allen politischen und religiösen Aktionen von ihm beteiligt.

Abb. rechts: Statuenbüste Echnatons. Der Pharao trägt die Insignien der Macht: Nemes, Bart, Zepter, Uräus, Krone.
(© Foto: Stefan Eggers)

(Foto: Stefan Eggers)


Im vierten Regierungsjahr Amenophis' wird der Hohepriester des Amun an der Spitze einer Steinbruchexpedition in die Ostwüste geschickt. Damit wird dieser vom Geschehen in Theben eine zeitlang ferngehalten.

Amenophis IV. ließ bald darauf Tempel im Land schließen, führte einen aufgezwungenen Monotheismus ein und zog während seines sechsten Regierungsjahres aus Theben fort, um eine neue Stadt zu gründen: Achetaton (= »Verklärter des Aton«), das heutige Tell el-Amarna, in Mittelägypten, etwa 380 km von Theben entfernt. Man führte eine neue Bauweise ein, um schneller fertig zu werden und verwendete kleine Kalksteinblöcke, die sogennanten »talatat«. Bald schon konnte Aton in seinen Tempel einziehen und die königliche Familie in den Palast. Während des sechsten Regierungsjahres führte Amenophis IV. auch die neuen Bezeichnungen ein und änderte seinen Geburtsnamen, von nun an hieß er Echnaton, benannt und vom Volk gekannt war er allerdings unter dem Thronnamen Nefer-chepru-re Uaenre (= »Vollkommen sind die Erscheinungen des Re, Einizger des Re«).
Namen und Abbildungen des Gottes Amun wurden überall im Lande entfernt oder verstümmelt. Viele Jahre muß es gedauert haben, denn der angerichtete Schaden war so groß, dass die Wiederherstellung unter dem soviel später regierenden Ramses II. noch nicht abgeschlossen war.


In den Regierungsjahren sechs bis neun setzte der König seine »Revolution von oben« konsequent fort. Der Atonglaube faßte aber in Ägypten niemals festen Fuß, das Volk betete weiterhin zu den alten Göttern. Der Atonglaube blieb die Privatreligion von Echnaton. Eine solche Revolution, wie Echnaton sie entfesselte konnte aber nicht ungestraft bleiben und während seiner Regierung hat das Land sowohl politisch als auch wirtschaftlich gelitten.
Es gab unter Echnaton kein Jenseits mehr, an das die Religion zuvor gebunden war. Die Seelen der Toten zeigten sich ab nun im Diesseits und weilten mit den Lebenden solange das Licht der Sonne den Tag erhellte.

Nach dem 13. Regierungsjahr erscheint auf den uns erhaltenen Denkmälern der Name der Königin Nofretete nicht mehr. Entweder ist sie gestorben oder in Ungnade gefallen. Sollte Nofretete sich zurückgezogen haben, so wohnte sie vermutlich in ihrem eigenen Palast bis wahrscheinlich zu ihrem Tod, der bis heute im Dunkel liegt. Die Königinmutter Teje starb während der Blütezeit Echnatons.
Über die letzten Regierungsjahre Echnatons weiß man leider sehr wenig. Das 16. Regierungsjahr brachte für Ägypten eine angespannte außenpolitische Lage, denn zwei wichtige vorderasiatische Verbündete wechselten zu den Hethiter über. Es folgte eine militärische Strafaktion seitens der Ägypter, welche aber vom Hethiterkönig Suppiluliuma zurückgeschlagen wurde. Dieser griff daraufhin eine Provinz in Nordsyrien an.


Das 17. Regierungsjahr Echnatons sollte sein letztes gewesen sein. Woran er starb und ob er eines natürlichen Todes gestorben ist, ist noch immer ungewiss. Vermutlich wurde er in seinem eigens errichteten königlichen Felsengrab bei Achet-Aton (= »Horizont des Aton«) bestattet. Und später vielleicht umgebettet ins Tal der Könige?


Echnatons Namen (Königstitulatur):

Echnatons Königstitulatur, ab etwa dem 6. Regierungsjahr, zeitgleich mit der Gründung der neuen Stadt Achet-Aton (Übersetzung):

Horusname: Starker Stier, von Aton geliebt
Nebtiname: Mit großem Königtum in Achetaton
Goldhorusname: Der den Namen des Aton erhebt
Thronname: Vollkommen sind die Erscheinungsformen des Re, Einziger des Re
Eigenname: Verklärter des Aton


Echnaton änderte zwar seinen Geburtsnamen, wurde aber während seiner Regierungszeit überwiegend bei seinem Thronnamen Nefercheperure Waenre genannt. Er hieß auch nie Amenhotep IV., sondern lediglich Amenhotep (bzw.: jmn-htp = imen-hetep). Die Numerierung vieler Königsnamen ist eine moderne Angewohnheit von den Wissenschaftlern, hat aber im alten Ägypten keine Bedeutung gehabt.

Grafik: Anja Semling

Abb. oben: Echnatons Thronname: Nefer-cheperu-Re Ua-en-Re

Übersetzung: Mit vollkommenen Gestalten, ein Re. Einziger des Re

B U C H T I P P :

Echnaton – Ägyptens falscher Prophet

  • von Nicholas Reeves
  • Verlag Philip von Zabern
  • Erscheinungsdatum: Januar 2002
  • 238 Seiten
  • Gebundenes Buch
  • mit 116 SW-Abbildungen, 16 Farbtafeln
  • Format: 25,9 x 18 x 2,2 cm
  • ISBN: 978-3805328289

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Fakten und Spekulationen machen dieses Buch aus.
Mal unabhängig von der ganz individuellen Sicht des Autors liefert das Buch ausgezeichnete Informationen über die Zeit Echnatons. Eine Bereicherung auch die zahlreichen Abbildungen, welche ausführlich in einem Beitext erläutert sind. Durch die chronologische Abfolge der geschichtlichen Geschehnisse damals – vom Beginn bis zum Zerfall der "atongeprägten" Zeit – liest sich das Buch wie eine spannende Geschichte... die nicht nur auf Fakten beruht logischerweise, sondern auch auf Spekulationen ja sogar Phantasie(?). Was dem Buch aber keinen Abbruch tut, ganz im Gegenteil, der Leser wird umso mehr angeregt zum Nachdenken, und man ist wiederum um eine Version bereichert rund um Echnatons Welt. Man kann sich das Buch getrost zurhand nehmen, denn für Jeden ist was dabei. Und nicht zuletzt Reeves Anmerkung im Vorwort: "... Die Leser müssen selbst entscheiden, wie erfolgreich ich die Spreu vom Weizen schied – und wie überzeugend das Resultat ist".
(Kurzrezension im Februar 2004, Anja Semling)

Umschlagtext: Wer war der Mensch hinter dem Namen Echnaton und was wollte dieser wirklich? Dieser Frage geht Nicholas Reeves in seinem neuesten Werk über eine der schillerndsten und umstrittensten Figuren der ägyptischen Geschichte, den als "Ketzerkönig" bekannten Pharao Amenophis IV./Echnaton nach. Der Autor lässt gängige Echnaton-Interpretationen Revue passieren und kommt zu einer gänzlich neuen Beurteilung der dramatischen, 17 Jahre währenden Regierung. Reeves hält Echnaton für einen machtbesessenen, stahlhart kalkulierenden Politiker, der zusammen mit seiner schönen Frau Nofretete die Religion - und die darauf fixierten Menschen - für seine eigenen Interessen manipuliert und missbraucht hat. Manifest werden diese Veränderungen in der Aufgabe Thebens und der Gründung Amarnas als neuer Hauptstadt, in der Verordnung der Verehrung nur eines einzigen Gottes und am augenscheinlichsten in der Kunst, die mit der heraldischen Königsdarstellung der Vergangenheit total bricht und mit ihrem manierierten Stil wilde Spekulationen über die körperliche Befindlichkeit des Königs hervorgerufen hat.

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