Der Aton-Kult

Der Sonnengott Aton sollte der höchste aller Götter sein
»
Der Atonkult Echnatons geht vermutlich auf einen Atonkult in Heliopolis zurück, in dem die Sonnenscheibe als Erscheinung des Re verehrt wurde. Re war bis zur Zeit der 18. Dynastie so bedeutend geworden, dass ihn zahllose Identifikationen umgaben: Amun-Re, Sokar-Re, Atum-Re oder Re-Harachte, »der jubelt im Horizonte ist in seinem Namen Schu«, um nur einige zu nennen. Der Schritt Echnatons erscheint darum wie ein logischer Schlußpunkt, nämlich nur einen Gott gelten zu lassen und die anderen Kulte zu unterbinden.« (nach W. Beltz)

Abb. links: Echnaton und Nofretete unter der Strahlensonne.


Pharao Echnaton konnte sich in Achet-Aton ganz dem Gott Aton hingeben. Wenn man den Darstellungen in den Gräbern und Tempelresten glauben darf, dann lag Echnatons Hauptbeschäftigung sicherlich darin, der göttlichen Sonnenscheibe (Aton) seine Verbundenheit zu zeigen und Verehrung zu erweisen.
Oft sieht man Echnaton mit Nofretete und seinen Töchtern den Weg zum Tempel nehmen, um dort die Opfergaben darzubringen umringt von Priestern und Gläubigen. Die kultischen Riten wurden von liturgischen Gesängen begleitet, die das Schöpfungswerk und die lebenerhaltende Kraft des Sonnengottes Aton verherrlichten. In den Gesängen wird Aton gepriesen als die göttliche Vorhersehung.

Ein Ziel, das Echnaton verfolgte: Er führte Aton, die lebensspendende Sonnenscheibe, als Hauptgott ein, weil er den starken Jenseitsglauben verdrängen wollte. So versuchte er den Ägyptern beizubringen, dass das Leben im Diesseits stattfindet und nicht in der Totenwelt. Allerdings ist er mit diesem großen Gedanken gescheitert.

Mit den fortschreitenden Jahren gab Echnaton seiner Lehre einen immer ausschließlicheren Charakter, er ging in seinem Fanatismus soweit, dass er in Tempeln den Namen und die Gesatlt des Gottes Amun ausmeißeln ließ. Er schaffte die Vielgötterei ab und zwang den Ägyptern den Glauben an nur einen Gott auf. Trotzdem war dies kein echter Monotheismus. denn: Der König rückte lediglich den Sonnengott Aton – den es auch vor der Reform schon gab – in den Vordergrund und schob die anderen Götter in den Hintergrund. Sie existierten jedoch neben Aton weiter.


Echnaton veränderte den lehrhaften Namen des Aton, um die letzten Elemente auszumerzen, die immer noch einen mythologischen Bezug auf andere Götter hatten. So wurde der alte Name: »Es lebe Re-Harachte, der im Lichtland frohlockt, in seiner Eigenschaft als Schu, der in der Sonnenscheibe ist« ersetzt durch »es lebe Re, der Herrscher des Lichtlandes, der im Lichtland frohlockt, in seiner Eigenschaft als Re der Vater, der wiedergekommen ist als Sonnenscheibe«.
Durch den Willen Echnatons, drückte sich auch in der Kunst die Atonlehre aus: sichtbare Formen, die Tendenzen einer Lebensauffassung ausdrückten, die von Empfindsamkeit und Liebe zur Natur durchdrungen war. Alte Traditionen wurden gebrochen und in kurzer Zeit entstand ein neuer Kunsstil. Die Gebäude in Achetaton wurden mit Malereien und Reliefs mit Formen und Themen, die die Atonlehre ausmachte, geschmückt.

»Zu Echnatons Lehre gehörte die Liebe seines Gottes zu allen Geschöpfen der Erde. Der große Sonnengesang, vom König selbst verfaßt, schildert eindrücklich das Wesen des Aton und zeigt einen Gott, der sich um seine Schöpfung kümmert und sich für sie abmüht. Echnatons Religion der Liebe, wie es Erik Hornung ausgedrückt hat. So sehen wir in Abbildungen den König, die Königin und die Prinzessinnen in einem liebevollen, ja geradezu zärtlichen Umgang miteinander. In diesen Bildern wird eine menschliche Liebe dargestellt, die für alle Welt Vorbild und Verpflichtung sein sollte.« (nach H.Schlögl)


Wandrelief (Ausschnitt): Echnaton als Sphinx huldigt dem Gott Aton.
Oben links in Abbildung: Königstitulatur mit einleitenden Titeln. (Bildquelle: Stefan Eggers)


Der Nährboden für die Atonreligion wurde schon von Amenophis III., der Vater von Echnaton, gesät – dafür gibt es zahlreiche Belege so auch den Vorläufer des »Großen Sonnenhymnus«. Indem Amenophis III. die religiöse Ideologie seines Hofes zunehmend auf den Sonnenkult hin ausrichtete, setzte er die Politik seines Vaters (Thutmosis IV.) fort. War aus dem Reichsgott Amun im Neuen Reich durch die Vereinigung mit dem Sonnengott Ägyptens höchste Gottheit Amun-Re entstanden, so erhielt das Bild der Sonne nun eine noch größere Bedeutung. Aton, die Sonnenscheibe, wurde jetzt als Gottheit verehrt. Amenophis III. nannte eines seiner Staatsschiffe »Strahlenglanz des Aton«, den gleichen Namen gab er seinem Palast in Theben.

Aton-Tempel
Die Atonheiligtümer wichen vom Schema anderer ägyptischer Tempel ab. Die Tempel des Aton waren so gebaut, dass es keine dämmerigen oder dunklen Räume gab, denn Aton sollte ja als Sonne des Tages überall in seinen Gotteshäusern Zutritt haben und gegenwärtig sein. So erübrigte sich auch ein eigenes Kultbild. Der große Tempel des Aton stand an einem zentralen Platz neben anderen Heiligtümern, die alle dem Aton geweiht waren. Dieser Tempel war für die Andacht der Bevölkerung des Reiches bestimmt. Im Gegensatz zu den traditionellen ägyptischen Tempeln, wo man vom Tageslicht in die tiefe Dunkelheit des Allerheiligsten schritt, ließ der Aton-Tempel mit seiner offenen Decke den Sonnenstrahlen bis zu dem mit Opfergaben beladenen Altar freien Lauf.

Worte Echnatons aufgeführt auf einer Grenz-Stele:

Ich baue den großen Tempel für Aton,
meinen Vater, in Achetaton an dieser Stelle!
Und ich baue den kleinen Tempel für Aton,
meinen Vater, in Achetaton an dieser Stelle!
Ich baue die Sonnenschatten[kapelle]
für die große königliche Gemahlin …
dem Aton, meinem Vater, in Achetaton an dieser Stelle!
Ich baue einen Jubliäumstempel für Aton,
meinen Vater, auf der Insel des Aton,
[namens] »die die Jubiläumsfeste emporhebt«
in Achetaton an dieser Stelle!
Ich baue einen zweiten Jubiläumstempel für Aton,
meinen Vater, auf der Insel des Aton,
[namens] »die die Jubiläumsfeste emporhebt«
in Achetaton an dieser Stelle!
Ich werde alle Arbeiten verrichten,
[die nötig] und die zu machen sind für Aton,
meinen Vater, in Achetaton an dieser Stelle …


Der Atonglaube faßte in Ägypten niemals festen Fuß, das Volk betete weiterhin zu den alten Göttern. . Eine solche Revolution, wie Echnaton sie entfesselte konnte nicht "ungestraft" bleiben und während seiner Regierung hat das Land – sowohl politisch als auch wirtschaftlich – gelitten.

Beschreibung Aton:
Die Sonne als sichtbare Naturerscheinung. Nur das Gestirn allein ohne jedes mytologische Beiwerk, wird zum einzigen Gott – im Gegensatz zum bisherigen Sonnengott Re mit seinen vielen menschlichen dargestellten Erscheinungsformen. Von Heliopolis ausgehend entstand um 1350 die Aton-Verehrung, die unter Echnaton (Amenophis IV.) zur allgültigen Aton-Religion in Gesamtägypten wurde. Dargestellt wird Aton stets als Sonnenscheibe, von der nach unten Strahlen ausgehen, die in geöffneten Händen enden und dort, wo sie auf Nasen treffen, das Zeichen für »Leben« spenden. Atons Hauptheiligtum stand in Amarna.

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