Mein-Altägypten-Rezension

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Osiris.
Das Geheimnis der Götter
(Band 4)

Historischer Roman

  • von Christian Jacq
  • Verlag: Limes
  • Dt. Erstausgabe
  • Erscheinungstermin: September 2006
  • Paperback
  • 480 Seiten
  • ISBN: 978-3-8090-2509-2
  • 12,95 Euro

    Bestellmöglichkeit :

Mit diesem Band »Das Geheimnis der Götter« liegt der Leserschaft der vierte und damit letzte Teil der opulenten vierteiligen Ägypten-Saga “Osiris” vor; geschrieben vom bekannten französischen Buchautoren und Ägyptologen Christian Jacq.
Auch in diesem vierten Teil ist Vieles reine Fantasie, eingebettet in eine historische Hintergrundkulisse aus dem alten Ägypten, dessen wahre Geschichte noch bis heute einiges an faszinierenden Mythen und Mysterien aufzuweisen hat; was gerade in dieser Ägypten-Saga mitunter im Vordergrund steht.
Etliche Figuren, die im Roman spielen sind frei erfunden, doch einige gab’s einst wirklich; so beispielsweise der mächtige König Sesostris welcher zurzeit des Mittleren Reiches (12. Dynastie) über das Land Ägypten herrschte und in diesem Roman eine prägnante Rolle spielt.

Immer noch bedrohen finstere Mächte das Land Ägypten – Maat, die Weltenordnung soll endgültig zerstört werden, so will es der so genannte Prophet. Dieser hat nicht nur außerordentliche Fähigkeiten sowie magische Kräfte im Zeichen des Bösen, sondern er hat auch eine ganze Heerschar an Verbündeten und Anhängern um sich geschart oder in feindlichen Gebieten versteckt, in Form eines Netzwerks. All seine Untergebenen haben seinen neu verkündeten Glauben angenommen. Ein Glaube der vom Propheten als "wahrer Glaube" bezeichnet wird und alles was Ägypten an uralten Ritualen und Glaubensvorstellungen zu bieten hat, als falsch deklariert. Und somit auch die sich immer wiederholende Auferstehung des Osiris, des großen Gottes des Jenseits' und des ewigen Lebens. Bereits in der Vorgeschichte (Bände 1 bis 3) hat der Prophet einiges dafür getan, dass der Baum des Lebens, welcher für Osiris' Auferstehung steht, dem Verfall preisgegeben wird und somit Ägypten dem drohenden Untergang geweiht ist.

Doch wie in wohl jeder dramatischen Situation gibt es einen Retter bzw. einen Helden. In dieser Geschichte ist es der junge Schreiber Iker, mittlerweile Königlicher Sohn und Einziger Freund des Königs. Er und seine frisch angetraute Frau Isis, die Oberpriesterin von Abydos – der Ort an dem Osiris wirkt – setzen alles daran den Propheten aufzuspüren. Doch dies gestaltet sich alles andere als einfach. Jene finstere Gestalt ist bereits ins religiöse Zentrum Ägyptens, Abydos, eingetroffen. Unbemerkt eingeschlichen um die Mysterien des Osiriskults zu entweihen und um das Unantastbare zu zerstören. Leider gelingt ihm dies bald darauf und zu allem hin tötet er auch noch Iker, der eigentlich Ägypten retten sollte. Trotzdem ist es noch nicht zu spät – schließlich war für die Ägypter der Tod nur bedingt ein unüberwindbares Schicksal.
Nicht nur der heilige Ort Abydos ist nun geschwächt, auch die Hauptstadt Memphis wo der König residiert. Dieser macht sich auf den Weg um Isis bei ihrer Rettungsaktion zu helfen, die für sie zunächst darin besteht sämtliche Reliquien (Körperteile) des Osiris in den Provinzen Ägyptens zusammenzutragen. Isis, ausgestattet mit wundersamen Zauberkräften, könnte die zerstörte Mumie des Osiris' retten und damit Ikers Leben. Der Prophet ist alsbald informiert über diese Rettungsmaßnahmen, die Iker zur Wiederbelebung verhelfen sollen, und schmiedet schon einen neuen teuflischen Plan. Doch seine Tage sind gezählt, denn eine Vielzahl seiner Anhänger kam derweil ums Leben. Das ganze Netzwerk wurde von Ägyptens Sicherheitskräften enttarnt.
Sollte es der Priesterin Isis doch noch gelingen ihren geliebten Mann Iker ins irdische Dasein zurückzuholen? Und sollte es auch gelingen den Propheten für immer ins Nichts zu befördern?

Dies erfährt der Leser im Schlußteil dieses Romans. Und somit ist er nicht nur um einige geschichtlichen Ereignisse bewanderter, sondern quasi eingeweiht in die Mysterien des Osiris, die allerdings vom Autoren sicherlich nicht authentisch wiedergegeben sind. Sondern nach seiner eigenen Fassung mehr oder weniger interpretiert worden sind – so scheint es jedenfalls. Denn gehören doch die Mysterien des Osiris bis heute zu den faszinierenden Geheimnissen Ägyptens, wo selbst nur wenige Priester darin eingeweiht waren.

Um diesen vierten Band der Saga noch besser zu verstehen ist es wohl unabdingbar ebenso die Bände 1 bis 3 gelesen zu haben; da eine Saga letztlich vom Gesamten lebt. Obwohl sich die Kernsituation, nämlich die Bedrohung Ägyptens in Form von dunklen Mächten, personifiziert im Propheten, durch jeden Band wie ein roter Faden hindurchzieht, kann der Leser jedem Band Neues abgewinnen. Christian Jacq ist ja auch bekannt dafür, spannende Handlungsabläufe eingebettet in fundiertem geschichtlichen Rahmen aus Bereichen der Gesellschaft, Religion oder Politik, mit einer gewissen Portion an Fantasie, so zusammenzufügen, dass ein stimmiges Ganzes entsteht sowie Spirituelles nicht zu kurz kommt.

Auffallend in der Saga ist der Bezug zur Gegenwart; schon in den Bänden 2 und 3 fällt dies auf, denn es werden die bösen Mächte (Prophet und Anhänger), die die damalige Weltmacht Ägypten in dieser Geschichte immer wieder bedrohen, so dargestellt, dass man unschwer eine Parallele zum heutigen Konflikt terroristischer islamistischer Gruppen und deren heutiges Wirken, erkennen kann. In Band 4 wird dies noch deutlicher wobei auch all die Glaubensgrundsätze des Propheten stets betont werden, so z.B.: Unterwerfung der Frau dem Mann, die Vielfrauenehe, Steinigung als Strafe, es gibt nur einen Gott, Verzicht auf sinnliche Genüsse, u.a.
Ebenso liegt die Betonung immer wieder auf dem Begriff "die Ungläubigen" und damit sind im Roman die Ägypter gemeint.

Besinnt sich der Leser allerdings auf das Nachwort des Autoren, so läßt dieses vermuten, dass es Jacq in allererster Linie nicht um heutige Konflikte politisch-religiöser Art geht, sondern vielmehr darum wie wir heutzutage mit dem Tod umgehen, da wir diesen im Gegensatz zu den alten Ägyptern verschleiern. Und er wirft unserer Zivilisation vor, dass diese in Sachen Spiritualität die Botschaft ihrer Mutter, des Ägyptens der Pharaonen, vergessen hat?! "Die alten Ägypter glaubten nicht an Gott, vielmehr lebten und erfuhren sie ihn", so Jacq. Und er hat wohl recht, wie sonst hätte ein Volk so vertraut sein können mit dem Mysterium das den irdischen Tod umgibt. Es zeichnet das alte Ägypten schon seit jeher aus, wie für die Ägypter das Leben nach dem Tode aussah und die Mysterien des Osiris waren über Jahrhunderte hinweg wesentlicher Bestandteil.
Kennt man die altägyptischen Mythen so weiß man um die sagenhafte Legende oder auch der Lehre von Tod u. Auferstehung, die durch Isis und Osiris (der Sage nach einst menschliche Wesen) symbolisiert wird; jene die den Tod besiegten und dabei Osiris als "Erster der Westlichen" ins Reich der Ewigen einging indem Isis ihn zuvor mumifizierte und wiederbelebte.
Die Idee der Wiederauferstehung war schon im vorchristlichen Zeitalter vorhanden und war Inspirationsquelle zur christlichen Wiederauferstehung.

Auch wenn der Roman vieles an Erfundenem beinhaltet so ist es gerade dies, das mitunter die Brücke zwischen dem Realen und den Mysterien schlägt, denn man darf hierbei die Grenzen beim Lesen nicht so scharf ziehen. Insgesamt spürt der Leser beim Lesen des Romans wie der Autor ein Faible für diese Mysterien hat und er entläßt die Leserschaft seiner fulminanten Saga keineswegs mit vielen Fragen dazu, sondern gibt Antworten und Denkanstöße im Nachwort mit auf den Weg. Das Buch käme ohne all dies, ansonsten doch etwas flach daher.
Was vielleicht für den einen oder anderen ziemlich kompliziert rüberkommt sind die Beschreibung und Interpretation der Wiederbelebungsrituale, die sich über viele Seiten hinziehen. Stellenweise schwer nachvollziehbar und langatmig. Es wirkt vielmehr wie ein Versuch solch' eine mystische Angelegenheit zu beschreiben …

Die Zielgruppe für diese Saga stelle ich mir sehr gemischt vor, da etliche Bereiche umfassend angesprochen werden: Religiöses in Form der Mysterien und Rituale kommt den Tiefsinnigen zu Gute; Bedrohliches in Form des Propheten und dessen Anhänger finden bei jenen, die Spannung und Action mögen Anklang; Romantisches wie die Liebe zwischen Isis und Iker, erfreuen die Harmoniesüchtigen; Kulturgeschichtliches läßt die Ägyptenfans nicht unberührt …

Fazit: vorteilhaft für "Osiris. Das Geheimnis der Götter" ist sicherlich das verstärkte Interesse an den altägyptischen Mysterien (rund um Osiris), denn in keinem Band wird soviel davon erzählt, wie in diesem.

(© Mein-Altaegypten.de, im Oktober 2006, Rezensentin Anja Semling)

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