Mein-Altägypten-Rezension

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Magazin

MAAT
Archäologie Ägyptens ( No 2 / 2005 )

  • von Mirco Hüneburg, Thomas Schneider (Hrsg.)
  • Verlag: Books on Demand GmbH
  • Umfang: 52 Seiten
  • broschierte Ausgabe (Magazin)
  • Erscheinungsdatum: 2005
  • ISBN: 978-3833437977
  • 9,50 Euro

    Bestellmöglichkeit :

Es gibt mittlerweile eine immens hohe Anzahl an Büchern rund um das Alte Ägypten, aber längst nicht so viele Zeitschriften, die das Thema auch behandeln. Das Magazin MAAT gehört zu den wenigen solcher Art von Publikation für die interessierte Öffentlichkeit. Ein kleines Tor zur Vergangenheit eröffnet »MAAT – Ärchäologie Ägyptens« der Leserschaft und richtet sich an Ägyptologen, Hobby-Ägyptologen sowie interessierte Laien. Die Zeitschrift, die eigentlich als Reihe konzipiert ist, möchte das Begreifen der altägyptischen Kultur als Ganzes fördern und sorgt mit den Fachartikeln für die Vermittlung von archäologischen Erkenntnissen.

Der Titelname der Zeitschrift MAAT ist übrigens keine Abkürzung, sondern die ägyptologische Umschreibung für die Werte: Wahrhaftigkeit, Gerechtigkeit und kosmische Ordnung, die im alten Ägypten eine große Bedeutung hatten. Maat war aber keine menschliche Tugend in unserem Sinne, sondern eine Eigenschaft der Welt, die von den Göttern eingebaut wurde in dem Augenblick der Schöpfung. Maat wurde als Göttin personifiziert, die ebenfalls Maat hieß.

Vorliegende Zeitschrift ist von den beiden Ägyptologen Mirco Hüneburg und Thomas Schneider im Jahre 2005 als Heft Nummer 2 herausgegeben worden. Insgesamt sind fünf Autoren, alle professionelle Ägyptologen (K. Cooney, T. Schneider, H. Jenni, M. Bommas, K. Dohrmann), die Verfasser der unterschiedlichen fünf Themenartikel, die mit diesem großformatigen (19 x 27 cm) Heft behandelt werden. Diese fundierten Berichte verteilt auf 52 Seiten – mit sage und schreibe 94 Fußnoten – sind teils mit farbigem Bildmaterial aufgelockert bzw. angereichert. Insbesondere im letzten Artikel wo es um die Herstellung von Kalksteinstatuen geht, ist die illustrative Ergänzung sehr von Vorteil. Desweiteren finden sich einige Schwarzweiß-Strichzeichnungen und Grafiken darin.

Einleitend mit einem kurzen Vorwort des Herausgebers, wird schon ein kleiner Einblick in die Themenfelder gegeben, die den Leser in MAAT erwarten. So zum Beispiel das Leben der einfachen Menschen im alten Ägypten – welches offensichtlich oft zu Unrecht von den Medien, der Tourismus-Industrie und den Museen, übergangen wird.
Beginnend mit dem Artikel "Zwischen Ägyptologie und Afrozentrismus" untersucht die Autorin Kathlyn Cooney die Verbindung selbiger. Haben die Afroamerikaner einen Anspruch auf Ägypten was ihre kulturellen Ursprünge anbelangt? Welche Hautfarbe hatten eigentlich die alten Ägypter, war sie "schwarz"? Diesen Fragen und weiteren geht die Ägyptologin in ihrem bemerkenswerten Artikel nach.
Das nachfolgende Thema "Ägyptische Geschichte von unten" beleuchtet die Erforschung der mittleren und unteren Gesellschaftsschichten im alten Ägypten, sprich die einfachen Menschen. Die niederste Schicht konnte sich kaum mehr als eine (Lehm)Hütte zum Wohnen, ein bißchen Feld und wenig zu essen leisten. Immerhin machten diese Menschen-Klassifikationen den allergrößten Anteil der Bevölkerung aus, nämlich gut 98%. Leider sind wenige Quellenmaterialien der Nachwelt erhalten geblieben, die von jenen Personen erzählen. Was es aber beispielsweise gibt sind antike Prozeßakten, wo es um die Anklage etlicher Diebe und deren Vergehen geht. Solch eine Inschrift ist in einer dt. Übersetzung in MAAT vorzufinden. – Das Untersuchungsergebnis des gesamten Artikels zeichnet für den Leser ein eher trauriges Bild ab: "Ein Leben im Schatten der Pharaonen, war in der Regel kurz, hart und ohne Perspektive auf eine bessere Zukunft", so der Ägyptologe Thomas Schneider im letzten Absatz seines Berichts.
Ein weiterer sehr interessanter knapper Forschungsbericht für die Öffentlichkeit, beinhaltet der dritte Artikel "Arbeit im Tal der Könige". Hierbei erfährt der Leser Wesentliches zu Tätigkeiten im Tal der Könige, die das Archäologische Seminar in Basel realisiert(e). Das Projekt "MISR: Mission Siptah – Ramses X." umfaßt nun schon mehrere Kampagnen, mit Erlaubnis sowie Unterstützung der ägyptischen Antikenverwaltung. Das Projekt hat zum Ziel: vollständige Ausgrabung und Untersuchung der Gräber und ihrer Umgebung; wissenschaftliche Beschreibung und Interpretation des Befundes; zeichnerische und fotografische Dokumentation. Der Artikel von Hanna Jenni liefert fundierte Informationen zu den königlichen Gräbern der Könige Siptah (KV 47) und zu Ramses X. (KV 18) sowie zur Königin Tiaa (KV 32) deren Grab während der Kampagne 2000/2001 ausgegraben wurde. Die drei Gräber sind miteinander in unmittelbarem Zusammenhang zu sehen, was der Untersuchungsbericht in MAAT verdeutlicht.
Die beiden letzten Berichte im Magazin handeln vom "Tempel Sesostris' III. von Medamud als Sinnbild des ägyptischen Kosmos" und vom "Produktionswesen der Kalksteinstatuen-Herstellung im frühen Mittleren Reich". Letztgenannter ist der längste Artikel in MAAT und beschreibt die Rekonstruktion eines Arbeitsverfahrens anhand von Werkspuren am Statuenkomplex Sesostris' I. aus Lischt.

Im Großen und Ganzen fällt das Fazit lobenswert aus, da die Texte in einem sehr gut verständlichen Stil verfaßt worden sind, der jeden geneigten Leser mühelos eintauchen läßt in die Welt der Ägyptologen und deren Forschungsergebnissen. Eine weitere Nummer in der Reihe wäre wünschenswert, doch dann gerne mit mehr Seitenumfang aufgrund des Kaufpreises.
Der Kaufpreis von MAAT, der als Schutzgebühr nämlich 9,50 Euro ausmacht, scheint aber trotz qualitätsvoller Inhalte auf hohem Niveau, etwas zu hoch für den Einzelnen. Es gibt Zeitschriften (z.B.: Kemet, Sokar) von ganz ähnlicher inhaltlicher Qualität mit wesentlich mehr Seitenumfang zu selbiger Thematik, für einen verhältnismäßig günstigeren Preis. Angesichts des MAAT-Preises sollten sich auch keine satztechnische Mängel eingeschlichen haben dürfen, was aber leider der Fall ist: manche Text-Spalten sind nicht einheitlich in der Breite (S. 22, 31) und einige Wörter weisen Trennungsstriche im Fließtext (S. 21, 33) auf.

Diese Publikation MAAT (Heft 2) beinhaltet wie unschwer ersichtlich ganz verschiedene Themenfelder, und darin dürfte sicherlich auch ein großer Vorteil für den Leser liegen, denn er gewinnt somit einen bunten Einblick in fundierte und aktuelle ägyptologische Erkenntnisse. Quasi ganz nah dran an der Expertenwelt, die sich so ausgiebig mit längst Vergangenem beschäftigt, aber sicherlich auch im Hinblick auf zukünftiges Geschehen in der Welt. Schließlich hängt alles irgendwie miteinander zusammen ... Schön ist es jedenfalls, wenn nicht nur gegraben wird im Land am Nil, sondern auch professionell wissenschaftlich dokumentiert wird – sowohl für die Fachwelt als auch für die interessierte Öffentlichkeit.



(© Mein-Altaegypten.de, im Dezember 2007, Anja Semling)

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