Einführung »Tal der Könige«

arabisch: Wadi Biban el-Muluk = Tal der Tore der Könige
altägyptisch: Sechet aat = Großes Feld (Königs-Nekropole Theben-West)


Das »Tal der Könige« beherbergt den herrlichsten und geheimnisvollsten Friedhof der Welt. In diesem ausgetrockneten Flusstal haben ägyptische Arbeiter unter der sengenden Wüstensonne im zweiten Jahrtausend v.Chr. Gräber von faszinierender Schönheit und ehrfurchtgebietender Größe in den Fels geschlagen. In diesem Tal wurde die sterbliche Hülle aller Herrscher des Neuen Reiches – seit Thutmosis' I. – zur ewigen Ruhe gebettet. Als Friedhof der Pharaonen gehörte das »Tal der Könige« zu den geheiligsten Stätten des alten Ägypten.

Leider wurden in der pharaonischen Zeit schon zahlreiche Gräber ihrer wertvollen Grabbeigaben beraubt. Es war an der Tagesordung, dass Grabräuberei von gierigen Landsleuten betrieben wurde. Dies war ein sehr ernsthaftes kriminelles Unterfangen und wurde in der Regel mit dem Tode bestraft; z.B. durch grausames Pfählen.
Weil in der Antike Gräber geplündert wurden, finden wir heute mehr oder weniger leere Gräber vor, bis auf wenige Ausnahmen, dazu zählt das Grab des Tutanchamun, welches zwar noch zurzeit der Pharaonen aufgebrochen wurde, aber nur wenig entwendet werden konnte. Das Grab wurde dereinst neu versiegelt, so dass es Carter nach über 3000 Jahren quasi ungeöffnet vorfand; ein riesiges Grabinventar, um die 5000 Stücke! Dieses königliche Grab, KV 62 genannt von der Wissenschaft, zählt zu Recht als spektakulärster Fund in der archäologischen Welt.


Quelle und Copyright: Anja Semling


Abb. oben: Theben und das Tal der Könige

Abb. rechts: Blick auf die Landschaft im Tal der Könige mit einem noch nicht erforschten Gräberfeld. (Foto: Uwe Wassenberg)

In den mit zahlreichen kleinen Tälchen durchzogenen Bergen, die hinter Theben, das heutige Luxor, auf dem linken Nilufer aufragen, liegt das berühmte Tal der Könige, das Grab der Könige von Biban el-Muluk.


Hier errichteten die Könige des Neuen Reiches ihre dynastische Nekropole (Nekropolen wurden im allgemeinen westlich der Stadt errichtet, d.h. auf dem Weg zum Amenti: der Westen oder das Land der Toten). Einst war es eine im Felsengewirr verlorene Schlucht, aber auch heute, wo der Mensch bequeme Zugangstraßen gebaut hat, behält es noch seine geheimnisvolle Anziehungskraft.

Zu Beginn seiner Geschichte steht die Entscheidung offensichtlich des Königs Thutmosis I., seine Grabstätte vom Totentempel zu trennen. – Andere Quellen besagen aber, dass es Hatschepsut war, Herrscherin Ägyptens um 1500 v.Chr. und königliche Tochter von Thutmosis I. – Außerdem befahl Thutmosis, seinen Körper nicht mehr in einem prächtigen Monument, sondern an einem geheimen Ort zu lassen. Sein Architekt namens Jneni, ließ in dem einsamen Tal einen Schacht graben, eine steile Treppe in das Gestein hauen und tief unten an ihrem Ende die Grabkammer ausheben. Nach diesem Schema wurden von nun an alle nachfolgenden Pharaonen begraben.


el-Qurn – der pyramidenförmige Gipfel im Herzen des Tals
(Foto: Carmen Wolfram)


Aber die Ruhe Thutmosis I. und der anderen Könige sollte nur von kurzer Dauer sein. Die Geschichte des Tals der Könige ist voller Plünderungen, Diebstähle und nächtlicher Transporte bei Fackellicht. Denn es waren nicht nur Diebe, die schon zur Zeit der Pharaonen begonnen hatten, systematisch die Graber zu plündern, um in den Besitz des Schmuckes und der den Toten beigegebenen Schätze zu gelangen.
Auch die gläubigsten und untertänigsten Diener der Könige, die den Leichnam dort nicht sicher wußten, trugen sie fort, um sie an einem anderen geheimen Ort beizusetzen. In diesen sogenannten Cachettes (z.B. die berühmte "DB 320") fanden Archäologen, bzw. Schatzsucher, im 19. Jahrhundert zahlreiche Mumien von königlichen Herrschern.

Das Grab Thutmosis' I. ist eines der ältesten im Tal der Könige und wurde 1899 entdeckt. Fast alle Pharaonen des Neuen Reiches bis zu Ramses XI. sind im Tal der Könige vertreten. Fast alle Gräber wurden geplündert mit Ausnahme des Grabes des Tutanchamun (KV 62). Einige Wissenschaftler gehen davon aus, dass auch heuzutage noch einige Schätze und weitere Gräber im Tal der Könige zu finden sind. Im Jahre 2005 / 2006 fanden Wissenschaftler eine kleine Grabkammer (genannt in Folge: KV 63), gefüllt mit etlichen anthropoiden Sarkophagen sowie zahlreichen Amphoren und Beigaben.

Im Süden des Tals der Könige liegt ein anderes Wüstentälchen, das Tal der Königinnen (Biban el-Harim) wo die Königinnen des Neuen Reiches und die jung verstorbenen königlichen Kinder beigesetzt wurden. Diese Gräber stammen mehrheitlich aus der 19. und 20. Dynastie, von denen die Prächtigsten dasjenige der Nefertari, der Frau von Ramses II., und das der Königin Titi sind.

Eigens für die Grabbauten im Tal der Könige wurde ein Arbeiterdorf gegründet, zur Zeit des Neuen Reiches: Deir el-Medine. Dort lebten die Handwerker, Künstler und Steinmetze bis zu ihrem eigenen Ableben. Das Dorf war abgeschirmt von der Außenwelt, mit einer Mauer umgeben. (Details hierzu in der Unterrubrik »Deir el-Medine«).

Abb. links: Auf dem Weg vom Nil (Luxor) zum Tal der Könige passiert man die heutigen Wächter des Tals: die sogenannten »Memnonskolosse« (Foto: Uwe Wassenberg)

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