Seschat. Quelle: Anja Semling

Seschat (Seschet) – Göttin der Schriftkunst, Gefährtin des Thot


Hieroglyphen

Hieroglyphen-Kombination
für den Namen: »Seschat«

Die Hieroglyphe auf Seschats Haupt ist bis dato nicht eindeutig identifiziert, was diese darstellt.


Ikonographie

Ikonographie und Verkörperung

Anthropomorphe (menschengestaltige) Göttin.

Herrin der königlichen Archive; Schutzherrin der Gelehrten und Schreiber; Göttin der Wissenschaften und der Mathematik; Herrin der Baumeister.

Manchmal auch die Gattin des Thot (Gott der Schreibkunst).


Seschats Name ist die weibliche Form von 'Sesch' – ist altägyptisch und heißt soviel wie Schreiber – und bedeutet hier somit »Schreiberin« (Seschet).
Ihr Charakteristikum ist ein bislang noch nicht gedeutetes Symbol: Stab mit einer befestigten siebenarmigen Blüte oder Rosette, darüber eine Art Sichel / Bogen. Ihr Symbol tauchte schon in der 1. Dynastie auf einem Annalenstein auf und Seschat ist es auch, die sich um die königlichen Annalen kümmerte.
Seschat trägt als Schutz vor den Mächten des Bösen oft ein Pantherfell über ihrem Kleid, wie es von den Totenpriestern (Sem-Priester) bekannt ist. Dargestellt findet man sie auf den Bildern von Krönungsfeierlichkeiten in vielen Tempeln, wo sie auch leicht an ihrem Schreibzeug erkannt werden kann (Abb. unten). Für gewöhnlich hält sie auch einen Palmstab in der Hand, mit eingekerbten Rillen, bzw. symbolisch für die unendliche Zahl von Jahren.

Seschat hat vielerlei Funktionen, die aber alle mit ihrer Rolle als Archivarin, Wissenschaftlerin, Schreiberin, und Mathematikerin in Zusammenhang stehen. Logischerweise wurde sie somit bald zur Lieblingsassistentin des Schreibergottes Thot.
Seschat hält alle wichtigen Ereignisse und Fakten jeder Regierungsperiode fest, da sie die »Königlichen Listen« immer auf dem aktuellen Stand zu halten hatte. Es gibt in der Tat eine Mehrzahl dieser Listen aus der ramessidischen Epoche und diese enthalten die Namen aller legitimer Pharaonen, die als Vorgänger bekannt sind, bis hin zur ersten Reichseinigung.

Abb. rechts: Seschat als Schreiberin. Diese Darstellung von ihr findet sich im Luxor-Tempel auf der Thronrückseite einer Statue von Ramses II.
(Copyright Foto: Jon Bodsworth)


Seschats Wirkungskreis umfasste auch die Schreibkunst, die Kunst des Berechnens und damit verbunden des Bauens. Bei der Einweihung von Bauwerken spielte sie eine bedeutende Rolle, und das Ritual bei der Gründung eines Tempels im alten Ägypten war sehr komplex und nur möglich unter der Mitwirkung des Pharaos und einer Reihe von Gottheiten. Seschat beriet den Herrscher während der Planung des Heiligtums. Auch überwachte sie die Grundrisslegung, welche in der Nacht stattfand um die richtige geografische Orientierung des Bauwerks zu gewährleisten. Bei einer Zeremonie spricht Seschat dann Folgendes:

»Dein Bauwerk wird so sicher auf seinen Fundamenten stehen, wie der Himmel auf den seinen, und dein Werk bei seinem Meister ruhen wie die Erde bei den Göttern … es wird auf Erden der Zerstörung widerstehen in Ewigkeit …«

Ab der 5. Dynastie führte Seschat auch die Arbeit des Registrierens von Abrechnungen der Kriegsbeute durch (im Alten Reich registrierte sie beschlagnahmte Herden als Beutegut) und erlangte als »die vom Archiv der Gottesbücher« Bedeutung als Beschützerin des königlichen Verwaltungsarchivs. In diesen "Büros" hielten die Königsbeamten die verwaltungstechnischen Vorgänge fest. Seit dem Mittleren Reich hält sie auch die Namen fremdländischer Gefangener fest.

Im Jenseits, zusammen mit Nephthys, setzte sie angeblich die Gliedmaßen des Verstorbenen instand. Seschat scheint keinen eigenen Tempel gehabt zu haben.

Beinamen der Göttin Seschat:

  • »die dem Bücherhaus (oder auch dem Lebenshaus) vorsteht«
  • »die zuerst geschrieben hat«
  • »die Herrin der Grundpläne und Schriften«

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